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Minister Dr. Marcel Huber (3.v.r.) macht sich persönlich ein Bild vor Ort mit (v.l.) Horst Hofmann (Wasserwirtschaftsamt Weilheim), Elisabeth Koch (Fraktionsvorsitzende der CSU im Gemeinderat Garmisch-Partenkirchen), Wolfgang Bauer (Vizebürgermeister Garmisch-Partenkirchen), Martin Bachhuber (Mitglied des Landtags, 2.v.r.) und Roland Kriegsch (Wasserwirtschaftsamt Weilheim, r.).

Wie wird der Hochwasserschutz aussehen?

Ein Minister am Abgrund: Dr. Marcel Huber besichtigt den Ferchenbach

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Wie kann der Ferchenbach künftig gesichert werden, um ein Jahrhundert-Hochwasser wie im Juni zu verhindern?Umweltminister Dr. Marcel Huber (CSU) sah sich nun persönlich mit Parteikollegen die Gefahren vor Ort an.

Garmisch-Partenkirchen/Krün – Eine schwarze BMW-Limousine schlängelt sich über den Schotter des Wanderparkplatzes nahe dem Krüner Schlosshotel Elmau. Menschen in Anzügen und Kostümen steigen aus. Auch ein Mann mit Brille und legerer Kleidung. Dr. Marcel Huber (CSU) hat seine Designerschuhe gegen Bergstiefel und seinen Anzug gegen Jeans getauscht. In einem Feuerwehrauto macht er es sich gemütlich. Das geländetaugliche Gefährt bringt den Umweltminister vom Parkplatz weiter zum Ferchenbach. Er möchte  endlich den berüchtigten Fluß mit eigenen Augen sehen, der für das verheerende Hochwasser im Juni verantwortlich gewesen ist.

Während der Fahrt lässt Huber seinen Blick aus dem Fenster über das Tal schweifen. Noch immer sind die ausgespülten Abgründe zu sehen, die die Wassermassen vor knapp zwei Monaten gruben. Das Feuerwehrauto muss nach nur wenigen Minuten Fahrzeit stoppen. Den Forstweg vor dem Fahrzeug gibt es nicht mehr. Weggeschwemmt. „Sahen die Hänge hier schon früher so aus?“, fragt Huber seinen Sitznachbarn Martin Bachhuber (CSU), während er auf die Angründe deutet, die zum Bach hin abfallen. Der Landtagsabgeordnete des Stimmkreises Garmisch-Partenkirchen schaut ebenfalls zwischen Funkgeräten und Warnwesten durch die Scheibe. „Ja“, sagt er. „Das hier ist alles sehr rutschgefährdet.“

Im schlimmsten Fall könnten 60 Kubikmeter Wasser durch den Bach schießen

Durch Fällarbeiten entledigen sich Forstangestellte jener Bäume, die in den Ferchenbach zu stürzen drohen.

Das kann Roland Kriegsch vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim nur bestätigen. Er breitet auf der Kühlhaube des Einsatzwagens DIN A4 große Pläne aus. Das Gebiet rund um den Ferchenbach ist rot gekennzeichnet. „Hier gibt es aktive und tiefreichende Rutschungen“, sagt er. Eine natürliche Gegebenheit, die die Garmisch-Partenkirchner seit dem diesjährigen Hochwasser in Angst versetzt. Die instabilen Hänge sorgen dafür, dass ganze Bäume mit mehreren Tonnen ins Bachbett stürzen. Sie verstopfen die Partnachklamm. Wenn der Pfropfen dann aufbricht, strömt eine Flutwelle ins Tal. Wie am 12. Juni 2018. Ein kurzer aber gewaltiger Regenschauer wütete über dem Tal. Daraus resultierte ein Hochwasser, das große Schäden im Ortsteil Partenkirchen verursachte und ein Menschenleben forderte. Bürger und Politik sind seither alarmiert. Die bange Frage: Wie kann vorgesorgt werden, wenn die schlimmste Prognose passiert und rund 60 Kubikmeter Wasser durch den Bach stürzen? Zum Vergleich: im Juni waren es „nur“ 25.

Erste Vorkehrungen wurden gleich nach dem Unglück getroffen. Die Marktgemeinde ließ fast 800 Kubikmeter Holz aus dem Fluss und seinen Flanken entfernen.

Das Wasserwirtschaftsamt Weilheim hat bereits vor dem sintflutartigen Ereignis von vor zwei Monaten eine Machbarkeitsstudie für den Ferchenbach erstellt. In dieser wird ein Wildholzfang durch einen Rechen bevorzugt. „Ein Schlüsselbauwerk“, sagt Kriegsch. Eine potenzielle Stelle ist bereits ausgemacht. Die war nicht leicht zu finden, zumal „das Bauwerk laufend unterhalten werden muss“. Große Gefährte braucht es, um Schwemmholz abzutransportieren. Die Laster würden einen kilometerlangen Weg über den Hausberg fahren. „Da müssten einige Weg-Passagen ausgebessert werden“, sagt der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes in Weilheim.

Die Frage ist: wer zahlt?

Billig wird das nicht. Im besten Fall gibt es eine 70-prozentige Förderung vom Staat. Die restlichen Kosten trägt die Kommune als Verantwortliche für das Gewässer. Vizebürgermeister Wolfgang Bauer will deshalb für diese Präventiv-Maßnahmen auch den Forst zur Kasse bitten. Schließlich seien es ihre Bäume, die ins Wasser fallen. Das sie sich allerdings finanziell beteiligen, bezweifelt Huber. Der Forst hat allerdings schon angekündigt, mit Seilbahnen Bäume an den Hängen zu entfernen.

Einen Lösungsvorschlag will der Minister jetzt zügig herbeiführen. „Der Ferchenbach steht weit oben auf unserer Liste.“ Wie weit oben, kann er aber nicht sagen. Schließlich sei es nicht die einzige Baustelle mit Gefahrenpotenzial in Bayern. Alleine im Gebiet des Wasserwirtschaftamtes Weilheim gebe es momentan mindestens sieben Projekte, die die oberste Prioritätenstufe haben, sagt Horst Hofmann. Er ist für Wasserbau und Gewässerentwicklung zuständig. Das Amt wird in Kürze mit dem Ministerium zusammenkommen, um unter anderem die Priorität des Ferchenbachs neu einzuordnen.

Lesen Sie auchdie bisherige Entwicklung rund um den Hochwasserschutz am Ferchenbach.

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