Münchner wollte Zugbegleiterin beistehen

Helfer mit Zivilcourage verletzt: Täter verurteilt

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Geriet er in einen Konflikt, neigte er zu Gewalt. Mehrmals verletzte ein junger Mann, der in der Asylunterkunft im früheren Patton Hotel in Garmisch-Partenkirchen wohnte, bei Streitigkeiten seine Kontrahenten. Nun stand er wegen vorsätzlicher Körperverletzung in drei Fällen und Beleidigung vor Gericht. Eines seiner Opfer war ein Helfer mit Zivilcourage.

Eschenlohe/Garmisch-Partenkirchen – Der damals 19-jährige Münchner Hendrik H. war vor rund einem Jahr einer Zugbegleiterin in der Regionalbahn bei Eschenlohe zur Seite gestanden, als sich zwischen dem Migranten und seinen Begleitern sowie der DB-Mitarbeiterin eine zunehmend aggressive Auseinandersetzung entzündet hatte, die zu eskalieren drohte. Nun fand sich der Täter vor dem Jugendgericht in Garmisch-Partenkirchen wieder. Richter Paul Georg Pfluger verurteilte den 19-Jährigen in nichtöffentlicher Verhandlung wegen vorsätzlicher Körperverletzung in drei Fällen und Beleidigung zu einer Jugendstrafe von neun Monaten mit Bewährung und zwei Wochen Dauerarrest. Das teilte Amtsgerichts-Direktor Christian Pritzl auf Anfrage mit.

Vor allem die Tat im Zug hatte für großes öffentliches Aufsehen gesorgt. Der damals 18-jährige Asylbewerber hatte Hendrik H. am Morgen des 7. Februar 2016 zwischen Murnau und Garmisch-Partenkirchen „ohne Grund mindestens einmal mit der Hand ins Gesicht geschlagen“, so Pritzl, und diesem dadurch eine Augapfelprellung mit Lidschwellung und Fleckblutungen in der Bindehaut zugefügt. Die Polizei hatte den Täter noch am Eschenloher Bahnhof geschnappt. Die Murnauer Polizei, die in diesem Fall ermittelte, lobte Hendrik H. damals für seine „Zivilcourage“, weil er gemeinsam mit einem weiteren Zeugen der Zugbegleiterin in dem Streit mit mehreren jungen Männern geholfen und nicht wegschaut hatte.

In der Bahn war der Täter nicht zum ersten Mal handgreiflich geworden. Zuvor hatte er nach Angaben Pritzls in der Asylbewerber-Unterkunft an der Garmisch-Partenkirchner Osterfelderstraße einen Streit mit einem anderen Flüchtling gewaltsam ausgetragen. Dabei hatte er seinem Gegner einen heftigen Kopfstoß versetzt, so dass dieser zu Boden fiel. Der Mann erlitt „erhebliche Schmerzen, Nasenbluten und konnte mehrere Wochen lang nur schwer durch die Nase atmen“, hieß es.

Ebenfalls Verletzungen im Gesicht, nämlich schmerzhafte Schwellungen und Hämatome, hat ein weiteres Opfer des Angeklagten davongetragen – und das nur zwei Tage vor dem Zoff im Zug: Damals war der 18-Jährige in der Garmischer Fußgängerzone auf eine Gruppe Deutsche, bestehend aus sechs Leuten, getroffen. Es kam zum Streit. Das Gericht schloss nicht aus, dass der Angeklagte dabei beleidigt wurde. Fest steht aber: Er schlug einem aus der Gruppe mit der Faust ins Gesicht.

Eher als Marginalie mutet da die Beleidigung an, die mit verhandelt wurde. Sie hatte sich ereignet, als der heute 19-Jährige eine Schule in Garmisch-Partenkirchen besuchte und sich über das Foto einer jungen Frau herabwürdigend äußerte.

Der Angeklagte stand nicht allein vor dem Kadi. Neben ihm wurde gegen einen 17-Jährigen verhandelt. Dieser muss wegen vorsätzlicher Körperverletzung für zwei Wochen in Dauerarrest. Der damals 16-Jährige war auf der folgenschweren Zugfahrt dabei gewesen, hatte sich damals aber nichts zuschulden kommen lassen. Dafür schlug der Jugendliche, der ebenfalls im früheren Patton Hotel wohnte, rund einen Monat später – im Wortsinn – zu: Auf der Friedenheimer Brücke in München traf er sein Opfer mehrfach mit der Faust im Gesicht. Der Mann erlitt eine Nasenbeinfissur, zudem starb ein Zahn ab.

Beide Urteile sind rechtskräftig.

Rubriklistenbild: © dpa symbolbild

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