So wird die „Villa Glory“ auf ImmobilienScout24 beworben. 

Geschäftsmann drohen in der Ukraine bis zu zwölf Jahren Haft

Dunkle Verstrickungen um Garmisch-Partenkirchner Luxus-Villa

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Der Traum ist längst geplatzt. Der Traum von einem Feriendomizil in Garmisch-Partenkirchen und der vom international operierenden Landwirtschaftsunternehmen. Der ukrainische Geschäftsmann Mykola Guta, der 2011 die Villa Glory an der Klarweinstraße bauen ließ, soll 100 Millionen US-Dollar veruntreut haben.

Garmisch-Partenkirchen – Sehr individuell, persönlich, ganz nach dem Geschmack der Bauherren – so steht sie da, die „Villa Glory“ an der Klarweinstraße in Garmisch-Partenkirchen. Als „Masterpiece“, also Meisterstück, wird das Luxusobjekt im Internet beworben. Seit längerem schon steht es zum Verkauf – zunächst für 18 Millionen Euro. Mittlerweile wird die 15-Zimmer-Villa für 12,85 Millionen Euro angeboten. Inwieweit dieser Preissturz mit den Schwierigkeiten zusammenhängt, in denen die Eigentümer offenbar stecken, ist unklar. Die Vermutung liegt allerdings nahe, dass es eine Verbindung gibt. Denn der ukrainische Geschäftsmann Mykola Guta, der im Juni 2010 das 3679 Quadratmeter große Grundstück für 3,3 Millionen Euro gekauft hatte, hat mittlerweile massive Probleme: In seiner Heimat drohen ihm sieben bis zwölf Jahre Haft. Er wird der Veruntreuung von umgerechnet circa 100 Millionen US-Dollar beschuldigt“, geht aus Recherchen der Deutschen Welle (DW) hervor. Demzufolge sprechen Gläubiger gar von „einem Schaden von mehr als 200 Millionen US-Dollar“.

Die Geschichte des jungen Ukrainers, die wie ein Märchen begann, wurde längst zum Albtraum. Schon wenige Monate nachdem Guta – in Papieren, die dem Tagblatt vorliegen, wird er häufig auch Huta geschrieben – das Grundstück an der Klarweinstraße gekauft hatte. Da übernahm er das Landwirtschaftimperium seines Vaters in der Ukraine. „Mriya“ heißt die Agrarholding, was übersetzt Traum bedeutet. Dazu passt auch das Vorhaben des jungen Managers, der laut DW das Potenzial der fruchtbaren ukrainischen Schwarzerdeböden ausbauen und dabei auch die Unterstützung ausländischer Investoren nutzen wollte. 2011 geht Guta an die Börse, die Nachfrage nach „Mriya“-Aktien ist enorm. Immer weitere Flächen werden von den Ukrainern gepachtet. Garmisch-Partenkirchner Bekannten erzählt Guta, dass sein Unternehmen über eine Fläche verfügt, die größer als das Saarland ist.

Zu der Zeit ließ der damals 28-Jährige seine Traumvilla in Garmisch-Partenkirchen bauen. „Ganz nach den Vorstellungen seiner Frau Viktorija“, erinnert sich ein Einheimischer. Der Architekt, die Handwerker – alle kamen aus der Marktgemeinde. Die Nachbarn, die unter Baulärm zu leiden hatten, überraschte Guta mit Geschenken. Der Hebauf wurde groß gefeiert. Auch der SC Riessersee profitierte von der Großzügigkeit des Ukrainers. In der Saison 2011/12 unterstützte er das Oberliga-Team mit einer mittleren fünfstelligen Summe. „Einmalig“, betont der frühere Geschäftsführer Ralph Bader. Weitere Versuche, darüber hinaus mit dem potenziellen Sponsor in Kontakt zu treten, verliefen im Nichts.

Das mag auch daran gelegen haben, dass Guta und seine Familie ihr fertiges Traumhaus gar nie bezogen haben. Offenbar hatten sie realisiert, dass ihre Ansprüche und die Lage mitten im Wohngebiet nur schwer in Einklang zu bringen sind. Stattdessen zogen sie in die Zentralschweiz – in den Kanton Obwalden.

Ukrainer gehört auch Chaletwohnung in Garmisch-Partenkirchen 

Die Werdenfelser Kontakte des Ukrainers wissen nichts davon, dass Gutas Agrarholding 2014 zahlungsunfähig wurde, der Schuldenberg von insgesamt 1,3 Milliarden US-Dollar nicht mehr bedient werden konnte. Auch nichts davon, dass sich die Bundesregierung jetzt für Gutas Eigentum in Garmisch interessieren könnte. Das umfasst übrigens nicht nur die Villa, sondern auch eine „elegante Chaletwohnung in Toplage“, die für 1,29 Millionen Euro auf ImmobilienScout24 angeboten wird. Beide Objekte versuchte der Ukrainer zunächst über „Engel und Völkers“ abzustoßen. Der Kontakt zu der Immobilienagentur war beim Kauf des 3679- Quadratmeter-Grundstücks entstanden, und auch die Bauphase hatte „Engel & Völkers“ Lizenzinhaber Ralf Schatto zufolge begleitet. Den Verkauf „haben wir aber abgelehnt“, erinnert sich Schatto. Vor zwei Jahren habe ihn Guta zuletzt in seinem Büro aufgesucht. Vergebens. Schatto hielt die Preise, die dem Ukrainer vorschwebten, nach wie vor für völlig überzogen. „Nicht realistisch“, sagt er auch heute noch. „Meiner Einschätzung nach kann man für die Villa maximal eine siebenstellige Summe erlösen.“

Für den Bund dürfte jede Summe interessant sein: Nach Auskunft eines Sprechers des Wirtschaftsministeriums gegenüber der DW wurden aus dem Bundeshaushalt bereits 24 Millionen Euro an deutsche Banken als Entschädigung für ausgefallene „Mriya“-Kredite gezahlt. Diese waren im Rahmen der Exportförderung mit Hermes-Garantien abgesichert worden. Ansprüche seien gegenüber den Gesellschaften der „Mriya-Holding“ geltend zu machen. Zu den ehemaligen Eigentümern bestünden keinerlei Geschäftsbeziehungen. „Eine Haftung gegenüber Mykola Guta müsste im Einzelfall geprüft werden“, teilte ein Sprecher des Ministeriums mit. Die Rechnung an die deutschen Steuerzahler könnte aber noch höher ausfallen: Das vom Bund gedeckte Finanzierungsvolumen beläuft sich auf insgesamt circa 46 Millionen Euro.

Guta, der nach Berichten der Luzerner Zeitung 2015 von Interpol zur Fahndung ausgeschrieben worden war, versucht jetzt in der Schweiz verzweifelt, sich gegen eine Auslieferung in die Ukraine zu wehren. Seine Asylgesuche wurden abgelehnt. In Kürze entscheidet laut DW das Schweizer Bundesverwaltungsgericht abschließend über sein Ansinnen.

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