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Alexander Müller nimmt eine Kostprobe.

Bald soll auch Export und Weißbier erhältlich sein

Durststrecke beendet: Jetzt gibt‘s wieder ein Garmischer Bier

Bier aus dem Brauhaus Garmisch hatte eine lange Tradition. 365 Jahre lang, bis 1972, wurde am Standort gebraut. Vielleicht kommt das bald wieder. Zwei Werdenfelser, Antonius Huber und Alexander Müller, haben ihren eigenen Gerstensaft kreiert. 

Garmisch-Partenkirchen – Die Durststrecke ist vorüber. Es „is wieda da“ – so steht es auf den schwarz-weißen Plakatwänden seit einigen Tagen in Garmisch-Partenkirchen. Antonius Huber und Alexander Müller haben das Brauhaus Garmisch, das Anfang der 1970er Jahre seinen Betrieb jäh einstellte, wiederbelebt. Das einheimische Bier ist zurück. Seit 2. Mai steht das Helle der regionalen Marke wieder in Verkaufsregalen und geht über die ersten Tresen. Das naturbelassene, süffige und frische Bier kam bisher so gut an, dass seine Erfinder bereits jetzt mit der Lieferung nicht hinterherkommen.

Hobby-Braumeister – oder schon ein bisschen mehr? Antonius Huber (Bild) und Alexander Müller  wollen das Brauhaus Garmisch wieder aufleben lassen.

Die Idee, das Brauhaus wieder zu eröffnen, hatten die zwei Werdenfelser schon etliche Zeit. „Wir haben immer wieder lose geredet“, sagt Huber. Doch dabei blieb es eine ganze Weile. Gemütlich würden sie so ein Projekt angehen, das war beiden klar. Denn eines stand von Anfang an fest: wenn, dann richtig! „Wir wollten nie in Töpfen unsere ersten Brauversuche machen“, sagt Müller, der in Partenkirchen geboren ist, mittlerweile aber in Farchant wohnt. Das Brauhaus Garmisch wieder aufzumachen, war von Anfang an das große Ziel. Vor gut zwei Jahren rief er dann seinen Freund aus Kindheitstagen an: „Wir müssen jetzt anfangen, Toni.“

Rezept für Weißbier liegt in der Schublade

Wie braut man Bier? Keiner der beiden hatte zunächst eine entsprechende Ausbildung. Beide trieb lediglich die Sehnsucht nach heimischem Bier an. Huber arbeitet als kaufmännischer Leiter in der Immobilienbranche. Sein Kollege ist Ingenieur in einem Pharma-Unternehmen und hat Biotechnologie studiert. Die beiden begannen, sich intensiv in die Kunst des Brauens einzulesen. „Zuerst haben wir die dünnen Bücher gekauft, später dann die mit 500 Seiten“, sagt Müller. Die ersten größeren Anschaffungen standen an: allen voran eine kleine, aber ordentliche Brauanlage. Doch die ersten Versuche waren mühsam. „Das Bier war viel zu unrund“, erinnert sich Huber. Darüber, wie es am Ende schmecken soll, waren sich beide stets einig: „Vollmundig und mit einer netten Hopfenblume“, erklärt Müller.

Zwei Jahre lang hat er Brauprotokolle geführt. Mal mehr, mal weniger Hopfen verwendet, mal die eine Sorte, mal eine andere. Solange hat es gedauert bis das Helle in seiner Rezeptur fertig war. „Dann mussten wir den Brauprozess perfektionieren“ sagt Müller. Er ist derjenige, der vorrangig hinter dem Sudkessel stand und immer noch steht. „Wir testen aber immer zu zweit“, sagt er.

Neben dem Hellen soll es künftig auch ein Export geben. „Das wird noch etwas malziger mit weniger Hopfen“, kündigt Müller an. Ein Bier für den Genussmoment. „Aber alles zu seiner Zeit“. Auch ein Rezept für ein Weißbier liegt in der Schublade. „Mit klarem Geschmack, ohne zu komplexes Aromabild.“ Über die Idee zu einer weiteren Schöpfung, möchten sie nicht zu viel verraten. Etwas Saisonales soll es sein. Vielleicht für das nächste Frühjahr. „Bei unseren Testern, die aus Freunden und Familie bestehen, ist es gut angekommen“, verrät er.

Noch wird nicht in der Marktgemeinde gebraut

Ohne diese helfenden Hände kämen Huber und Müller mit ihrem Vorhaben, für das sie mittlerweile eine Gesellschaft gegründet haben, nicht voran. Das Brauhaus ist derzeit noch ein Projekt neben dem Vollzeit-Job. Dafür haben die zwei schon einiges investiert. Nicht nur sehr viel Zeit, sondern auch Geld. „Gemeinsam haben wir bereits eine sechsstellige Summe investiert“, sagt Huber. Und das, obwohl außer ihrer unbeirrbaren Leidenschaft, noch die eine oder andere Frage offen ist. Zum Beispiel die, welche Größenordnung das Vorhaben annimmt. „Solange wir das nicht wissen, können wir die Brauerei noch nicht in Garmisch-Partenkirchen ansiedeln.“

Eine Örtlichkeit nahe des alten Standorts in der Marktgemeinde haben sie im Auge. Doch zuerst müssen Müller und Huber abwarten. Abwarten wie das Bier in der Heimat längerfristig ankommt. Aktuell wird das Helle noch in einer Brauerei in Ingolstadt hergestellt.

Die nächste Lieferung aus Ingolstadt trifft bald ein. Ein Großteil davon ist allerdings bereits verkauft. „Wir werden den Produktionstakt definitiv nach oben fahren“, kündigt Huber an. Im Juli soll es soweit sein, die aktuellen Verkaufsstellen und Gastronomien stabil beliefern zu können.

Martina Bräu

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