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Ein gezieltes Fahrtraining kann Unfälle mit E-Bikes verhindern. 

Die eigenen Grenzen muss man kennen

E-Bikes: Die Unfallzahlen steigen

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Sie sind der Renner der Saison: E-Bikes oder Pedelecs verbreiten sich rasant. Es gibt, so hat man das Gefühl, kaum noch Radl ohne Motor. Für viele ist diese Erfindung ein Segen. Doch jedes Gute hat sein Schlechtes: Die Zahl der Unfälle mit Pedelecs steigt dramatisch.

Garmisch-Partenkirchen –Weil immer mehr Menschen auf Fahrräder mit Elektroantrieb umsteigen, spiegelt sich der Boom auch in der Statistik der Unfälle wider. So stieg im vergangenen Jahr deren Zahl deutschlandweit um 28 Prozent auf insgesamt knapp 4500. Tendenz steigend.

Die Fahrradhändler im Landkreis haben längst reagiert. „Wir sind uns bewusst, dass viele unserer Kunden, die E-Bikes kaufen, lange nicht gefahren sind“, erklärt Stefan Meyer. Der Serviceleiter im Fahrradcenter in Oberau und seine Mitarbeiter geben deshalb vor dem Kauf eine ausführliche Einweisung mit nützlichen Tipps und Tricks rund ums Pedelec. Da sind einerseits die technischen Finessen, die wichtig sind, wie richtiges Bremsen, um das Mehrgewicht der Räder abzufangen. „Wir bieten nur Räder mit hydraulischen Bremsen“ sagt Meyer. Andererseits seien die richtige Reifenbreite und ein gewisses Profil für die vielen Schotterwege in der Umgebung nötig.

„Natürlich ist es schön, wenn viele, die mit einem normalen Radl nicht mehr unterwegs wären, wieder Spaß an der Bewegung haben“, meint der Fachmann. Zu bedenken sei, dass man da, wo man hinauf fährt, auch wieder hinunter müsse. „Mit den energie-betriebenen Rädern werden eindeutig mehr Höhenmeter zurückgelegt und manch einer überschätzt sich.“ Das Wichtigste sei in jedem Fall, die eigenen Grenzen und damit auch das Risiko zu kennen.

„Aus ärztlicher Sicht wäre ein gezieltes Fahrtraining unter Anleitung sinnvoll.“

Auch bei der Polizei werden immer mehr Fahrradunfälle mit Pedelecs registriert. „Während die Gesamtzahl leicht abnimmt, steigen die Unfälle mit elektrisch betriebenen Rädern leicht “, erklärt Josef Grasegger, Sprecher der Inspektion Garmisch-Partenkirchen. Schwere Verkehrsunfälle seien Gott sei Dank selten. Vor zwei Jahren war ein Pedelec-Fahrer auf der B23 tödlich verunglückt. „Aber er hat beim Überqueren der Straße die Situation falsch eingeschätzt, das hatte nichts mit der Art seines Fahrrads zu tun.“

„Wir behandeln immer mehr verunglückte E-Biker. Häufig sind Personen betroffen, die länger nicht Fahrrad gefahren sind, und sich erstmalig auf ein E-Bike setzen“, sagt Dr. Andreas Thannheimer, Chefarzt für Unfallchirurgie, Sportorthopädie und Kindertraumatologie am Klinikum Garmisch-Partenkirchen/BGU Murnau. Zu Unfällen komme es dabei, so der Mediziner, auch bei niedrigen Geschwindigkeiten oder sogar im Stand durch das ungewohnte Schwere und das Fahrverhalten des Rades. „Die Stürze erfolgen meist auf die Seite. Zum Körpergewicht kommt dann auch noch das Gewicht des Fahrrades, was die einwirkende Gewalt vergrößert“, beschreibt Thannheimer das höhere Verletzungsrisiko. Betroffen seien bevorzugt die Hand-, Ellenbogen- oder Schulter-, aber auch die Hüftgelenke. „Schwere Kopfverletzungen beobachten wir wohl aufgrund des meist getragenen Helms nur selten.“

In seiner Klinik gibt es keine Statistik. Dennoch beobachtet Thannheimer „eine Verschiebung von normalen Fahrradunfällen zu E-Bike-Unfällen zu beobachten.“ Er empfiehlt: „Aus ärztlicher Sicht wäre ein gezieltes Fahrtraining unter Anleitung sinnvoll.“

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