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Zurück in die 1980er Jahre: Olympiahaus-Wirtin Petra (Iris Berben) und Bronson Peary (Hugh Jackman) verfolgen in der umgewandelten Gaststube, wie sich Eddie bei den Olympischen Spielen in Calgary behauptet.

Film wurde zu großen Teilen in GAP gedreht

Eddie the Eagle: Gänsehaut mit viel Garmisch-Partenkirchen

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Garmisch-Partenkirchen - Die Fans jubelten, die anderen Sportler spotteten – Michael Edwards war in den 1980er Jahren sicher die schillerndste Figur unter den Skispringern. Die Geschichte von „Eddie the Eagle“, die in großen Teilen in Garmisch-Partenkirchen gedreht wurde, erobert jetzt die Kinos.

Alles ist möglich – eine Weisheit, die Christian Jäger verinnerlicht hat. Und das nicht erst seit der internationalen Kinoproduktion „Eddie the Eagle“. Was alles möglich ist, wenn man an seinen Traum glaubt und für ihn kämpft, erlebte der Oberauer bereits in den 1980er Jahren. Als sich Michael „Eddie“ Edwards im Rahmen der Vierschanzentournee von der großen Olympiaschanze in Garmisch-Partenkirchen stürzte, stand er als Weitenrichter am Aufsprunghügel. Und hörte, wie die Zuschauer im knallvollen Skistadion den britischen Autodidakten frenetisch feierten. Dass sein Sprung der schlechteste war, er mit seiner Weite niemandem Konkurrenz machte – egal. Edwards, besser bekannt als „Eddie the Eagle“, hatte spätestens nach seinem Auftritt bei Olympia 1988 in Calgary die Herzen des Publikums erobert. Der Engländer, der sich seinen Sport mehr oder weniger selbst beigebracht hatte, war der erklärte Liebling der Skisprung-Fans. „Alle haben ihn angefeuert, da hat man Gänsehaut bekommen“, erinnert sich Jäger.

Ungewohnte Rolle: Christian Jäger spielt einen Skispringer.

Für den Film, der am Donnerstag auch im Kinocenter Garmisch anläuft, übernahm der 50-Jährige allerdings eine Rolle, in die er sich erst einmal einfinden musste. Als Skispringer, der wie Eddie auf den hiesigen Anlagen trainiert, gehört er zu denjenigen, die den Bruchpiloten auslachen. Mit Taron Egerton, der den Titelhelden spielt, sitzt er auf der kleinen Olympiaschanze – und flachst, weil dieser vor seinem ersten Sprung verständlicherweise zögert. Wieviel von den Szenen, in denen er vor der Kamera stand, tatsächlich im Kino zu sehen sind, weiß Jäger noch nicht. „Im Trailer habe ich mich aber schon entdeckt“, sagt der Gesundheits- und Businesscoach. Er ist einer von etlichen Statisten und Kleindarstellern aus dem Landkreis, die bei dieser Produktion mitgewirkt haben. Und der die Stars – neben Egerton wirken Hugh Jackman als sein Trainer Bronson Peary und Iris Berben als Olympiahaus-Wirtin mit – hautnah erleben durfte. „Blickt man hinter die Kulissen, sieht man erst, wie viel harte Arbeit hinter so einem Film steckt.“ Und erfährt, dass auch die Schauspieler ganz normale Menschen sind, die auch Laien „absolut auf Augenhöhe begegnen“.

Während Jäger erst als Athlet und später bei der Eröffnung der Olympischen Winterspiele 1988 in Calgary als kanadischer Mounty – eine Szene, die übrigens in der Kaserne in der Breitenau gedreht wurde – vor der Kamera stand, verfolgte Kathrin Ostermair-Maurer das Geschehen aus einer gewissen Distanz. Die Garmisch-Partenkirchnerin hatte ihr Olympiahaus für drei Wochen an die Filmproduktion vermietet. Und die krempelte ihre Gaststube komplett um – zurück in die 1980er Jahre. Ein Schild von „Petras Olympiahaus“ und ein Foto von Jackman mit persönlicher Widmung zeugen noch von dieser Verwandlung. Dass ihr Haus und vor allem das Skistadion, in dem der Großteil der Außenaufnahmen entstanden ist, trotzdem von den Kinozuschauern erkannt werden, weiß Ostermair-Maurer schon vor dem deutschen Starttermin. „Gerade Gäste aus Amerika und Kanada, wo der Film schon läuft, sind in den vergangenen Wochen deshalb zu uns reingekommen“, erzählt sie. „Der Wiedererkennungswert ist da, ich habe viele positive Reaktionen bekommen.“

"Eddie the Eagle" macht auch Lust auf Garmisch-Partenkirchen

Erinnerung an die Dreharbeiten: Wirtin Kathrin Ostermair-Maurer hat das Schild von „Petras Olympiahaus“ in ihrer Gaststube aufhängt.

Die Bilder, die über die Kino-Leinwand flimmern, machen aber auch Lust auf Garmisch-Partenkirchen. Wenn Eddie mit seinem Coach sein Gleichgewicht trainiert, geschieht das vor der Kulisse des Wetterstein-Massivs. Dass er seine ersten Sprünge in der Marktgemeinde absolviert, tut der Brite, den der Traum von Olympia antreibt, auch kund, als er sich mit dem Kleinbus seines Vaters in Richtung Alpen aus dem Staub macht.

 Anders als in dem Actionstreifen „Big Game“, in dem die hiesige Bergwelt als finnische ausgegeben wird, ist bei „Eddie the Eagle – Alles ist möglich“, klar, wo diese traumhaften Aufnahmen entstanden sind. Zur Freude von Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD), die übrigens im Abspann namentlich erwähnt wird. „Wir versprechen uns davon eine gewisse Werbewirkung.“ Und dafür haben sie, die Mitarbeiter aus dem Rathaus und von GaPa-Tourismus gerne die Mühen auf sich genommen, die eine derart große Produktion mit sich bringen. Die Botschaft, an seinen Träumen festzuhalten, ist auch bei ihr angekommen. Allerdings rät die Medizinerin dringend davon ab, es wie „Eddie the Eagle“ zu machen und sich einfach von einer Sprungschanze zu stürzen. „Damit war doch eine erhebliche Selbstgefährdung verbunden, das sollte sich wirklich niemand zum Vorbild nehmen.“

Das hat auch Christian Jäger nicht vor. Trotzdem will er die positive Energie der Geschichte nutzen und einen Podcast zum Thema „Besser ohne Angst“ drehen. Eddie hat’s vorgemacht. Er verwirklichte seinen Olympia-Traum – alles ist eben möglich.

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