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Im Gefecht: Soldaten bei einer Übung „am Esel“. 

Beschwerde über Schießübung

Ehepaar bekommt Hausverbot „am Esel“

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Aussage gegen Aussage: Zwei Grainauer sollen Bundeswehr-Kräfte auf dem Standortübungsplatz in Garmisch-Partenkirchen beleidigt haben. Nun dürfen sie das Gebiet nicht mehr betreten. Das lässt sich das Ehepaar nicht gefallen.

Garmisch-Partenkirchen – Das gelbe Kuvert liegt auf dem Tisch der Grainauer Wohnung. Daneben der Inhalt. Ein Brief. Verfasst von der Bundeswehr. Von Andreas Bockmann. Was der Oberstleutnant und Mittenwalds Standortältester schreibt, bringt bei dem Ehepaar, das anonym bleiben möchte, das Blut fast zum Kochen. Er erteilt ihnen Hausverbot für den gesamten Standortübungsplatz in Garmisch-Partenkirchen, den „Esel“. Unbefristet und ab sofort.

Das war vor knapp einem Monat. Eine Woche später saßen sie bei der Polizei. Gegen sie wurde Strafantrag gestellt. Die Besitzer zweier Hunde sollen im Februar dieses Jahres in dem Gebiet, in dem sie seit neun Jahren regelmäßig eine Gassi-Runde drehen, einen Haupt- und Oberfeldwebel, also Staatsbedienstete, beleidigt haben. Das streitet das Paar vehement ab. Ganz anders habe sich das Zusammentreffen mit den Soldaten abgespielt. Deshalb erstatteten die Ehepartner einen Tag nach der Vorladung Gegenanzeige – gegen die betroffenen Personen und die Bundeswehr selbst.

Wut kommt immer wieder hoch, wenn sie an die Situation damals zurückdenken. Bei einem Spaziergang begegneten sie Einsatztruppen des Gebirgsjägerbataillons 233, die Schießübungen ausführten. Zum Unverständnis der beiden. Sie berufen sich auf eine Vereinbarung der Bundeswehr mit der Weidegenossenschaft Garmisch-Partenkirchen. Die besage, dass an der Keans-Lodge und am „Esel“ nicht geschossen wird, sondern nur am oberen Bereich bei den Solaranlagen. Damit konfrontierte die Frau nach eigener Angabe einen Soldaten. Statt einer Antwort „folgte massives körperliches Aufgebahren und Einschüchterung mit unverschämten Militärton“, heißt es in der Gegenanzeige.

Keine Vereinbarung mit den Weidegenossen in puncto Schießen

Von so einer Übereinkunft weiß Josef Glatz nichts. er ist der Chef der Weidegenossen, mit denen ein Mitnutzungsvertrag besteht, um auf eingezäunten Flächen Vieh weiden lassen zu können. Die „Soldaten dürfen überall schießen“, sagt er. Dem stimmt Presseoffizier Matthias Rehse zu. Aufgrund der immer größeren Bedrohungslage werden am „Esel“ auch Gefechtsübungen absolviert – samt Schüssen. „Wir weisen aber darauf hin, dass es in dieser Zeit lauter wird“, betont er.

Rehse kann nachvollziehen, dass sich Menschen im Standortübungsplatz in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen. Bundeswehr-Interessen kollidieren dort mit denen der Spaziergänger, die den ausgewiesenen Wanderweg in Ruhe nutzen möchten. Gleichzeitig stellt er aber klar, dass es sich um ein Zugeständnis handelt, dass sie dort herummarschieren dürfen. Das Hausrecht obliegt dem Militär. 2014 hatten die US-Streitkräfte das über 131 Hektar große Areal an den Bund zurückgegeben. Seither kam es des Öfteren zu Problemen und Beschwerden, inklusive Beleidigungen und Sachbeschädigungen. „Das hat sich mittlerweile gelegt“, verdeutlicht Rehse. Man sei bemüht um ein Miteinander.

Grainauer klagen über Munition am Boden

Davon merken die beiden Grainauer nicht viel. Sie kennen auch einige, die ihnen gegenüber ihren Unmut äußern. „Es beißt sich, dass geschossen wird“, sagt der Mann. Abgesehen von ihrem Hausverbot und den „Kriegsspielen“ stößt es ihnen sauer auf, dass mit schwerem Fahrzeug herumgefahren wird und Munition überall am Boden verstreut ist. Und das nicht gerade wenig. Ein Bekannter der zwei wagte verbotenerweise den Test: Laut dem Grainauer habe er 5,4 Kilogramm Munition an einem Tag aufgeklaubt. „Die Bundeswehr hinterlässt Müll, das ist der Wahnsinn“, empört er sich. Bei den Amerikanern seien solche Probleme nicht aufgetreten.

Vorwürfe, die der Presseoffizier so nicht gelten lassen kann. Schließlich hätten die US-Militärs ihre Aktivitäten im Laufe der Zeit zurückgefahren. „Wir müssen sie hochfahren.“ Dass angesichts dessen vereinzelt Patronenhülsen etc. am Boden liegen, bringt die Sache mit sich. Einmal im Jahr startet die Bundeswehr eine große Aktion, bei der Umweltteams das Gebiet reinigen. Ansonsten sind die Übungseinheiten angehalten, die Plätze abzusuchen. Inwieweit die Soldaten dem nachkommen, vermag er nicht zu beurteilen. „Wir machen sogar drumherum sauber, um guten Willen zu zeigen“, sagt Rehse.

„Wir lassen uns nicht vertreiben.“ 

Die Grainauer sehen das alles anders. Aus den beiden sprudeln die Beschwerden nur so heraus. Sie berichten sogar von Soldaten, die trotz eines fahrbaren Toilettenhäuschens ihre Notdurft im Freien verrichten. All das führen sie in der Gegenanzeige an. Auch sind sie überzeugt, dass das Hausverbot gegen sie rechtlich nicht zu halten ist. Gehört hat das Paar nichts mehr, seit es sich gegen die Bundeswehr zu Wehr setzte. „Die Staatsanwaltschaft München II ist dran“, sagt der Beschuldigte. „Wir wissen gerade gar nichts.“ Außer, dass sie sich die Gassi-Runde „am Esel“ nicht so einfach verbieten lassen. Selbst auf die Gefahr hin, dass die Bundeswehr wie angekündigt „unverzüglich“ Anzeige wegen Hausfriedensbruch gegen sie erstattet. Rehse hofft, dass es nicht soweit kommen muss. Eines steht für die Grainauer schon fest: „Wir lassen uns nicht vertreiben.“

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