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In Murnau soll Jugend-Bürgerversammlung eingeführt werden

Der Stimme der Jungen Gehör verschaffen

Murnau - „Wir dürfen nicht immer nur über sie reden, wir müssen mit ihnen reden. Nur so können wir herausinden, was sie wirklich wollen“, sind sich Anna Schlegel und Veronika Jones einig. Um der Stimme der Jugend und der jungen Erwachsenen in Murnau mehr Gehör zu verschaffen, planen die Gemeinderätinnen, eine Jugend-Bürgerversammlung ins Leben zu rufen.

Ob der anonyme Verfasser der „Weißen Taube“ geahnt hat, welche Diskussionen er auslöst? Er oder sie hatte/hatten Anfang Januar im Ort Schreiben mit der Aussage positioniert, dass die Jugend in Murnau an den Rand gedrängt werde und dass Kommunalpolitiker endlich aktiv werden müssten. Das wird nun offenbar beherzigt. Denn seitdem ist das Thema Jugend und deren Situation in Murnau in vieler Munde.

„Wir freuen uns immer sehr, wenn sich Jugendliche und junge Erwachsene zum Ist-Zustand, zu Gestaltungsmöglichkeiten und zur Zukunft Murnaus äußern“, erklären die Gemeinderätinnen und Jugendreferentinnen Anna Schlegel (ÖDP/Bürgerforum) und Veronika Jones (Bündnis 90/ Die Grünen). „Das erfolgt aber im Moment aus verschiedenen Kanälen und unterschiedlichen Gruppierungen heraus. Diese müssen gebündelt werden.“ In einem Antrag fordern sie Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) und die Mitglieder des Gemeinderates deshalb auf, sich mit der Schaffung einer Jugend-Bürgerversammlung zu befassen.

„Mir wurde im Rahmen der Vorbereitungstreffen für das Kulturfest 2017 von den Jugendlichen ganz klar gesagt, dass sie zu wenig oder kein Gehör in Murnau finden. Wir brauchen also eine Plattform, wo sie direkten Kontakt nach oben aufnehmen können, wo sie mit Gemeinderäten sprechen und dem Bürgermeister erklären können, was sie wünschen. Wir brauchen eine Plattform, wo wir sie, in allen Altersgruppen, abholen und ihnen gezielt zuhören können. Wir können nicht immer nur raten, was sie wollen“, sagt Jones. Die Murnauer Kinder- und Jugendvertretung (KJV), die sich aus Jugendlichen der Vereine und Schulen zusammensetzt, sei zwar schon ein gewisser Repräsentant der Jugend. Darüber hinaus aber träfen sich viele auch so in Vereinen, im Jugendzentrum Erlhaus oder aber auch außerhalb bestehender Organisationen. Und ganz gerne vergesse man auch diejenigen, die sich bereits in Ausbildung befänden oder schon arbeiteten. „Sie alle sind aber wichtig für unseren Ort, sie haben identische Interessen und sie alle brauchen die Möglichkeit, ihrer Stimme Gehör zu verschaffen“, finden Jones und Schlegel.

An Brennpunkten gibt es vieles: Die Schaffung bezahlbaren Wohnraums, Proberäume für Bands, Treffpunkte oder Räume mit weniger Struktur, wo sie einfach mal sitzen und quatschen können, ohne gleich einen Erwachsenen dabei zu haben, etwas Selbstverwaltetes vielleicht. „Man hat schon das Gefühl, dass die Jugend aus dem Ortsbild immer mehr verdrängt wird“, moniert Jones. „Wir sollten uns einmal dran zurückerinnern, wie es bei uns in diesem Alter war. Wir hatten Plätze, wo wir uns treffen und ja, wo wir sogar Bier trinken konnten, ohne dass gleich die Polizei anrückte. Wir haben unser Zeug selber weggeräumt. Heute haben die Jugendlichen keinen Vertrauensvorschuss mehr. Sofort wird gleich Schlechtes angenommen, Lärm und Müll.“ Bestes Beispiel sei der Grillplatz am See. Es wurden sofort Randale und Dreck befürchtet. Als er dann doch eingerichtet wurde, kam gleich ein riesiges Verbotsschild hin, mit allem, was erlaubt ist und was nicht. Ich weiß nicht, ob das sein muss, ob alles wirklich derart reglementiert sein muss. Der Antrag auf die Errichtung eines zweiten Grillplatzes wurde 2016 aus eben solchen Grünen abgelehnt. Der Großteil der Jugend weiß aber, wie er sich zu benehmen hat, auch heute noch.“

Die Jugend-Bürgerversammlung soll alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 15 und 30 Jahren ansprechen und, ebenso wie die regulären Bürgerversammlungen, bei ausreichendem Interesse zunächst einmal pro Jahr stattfinden. In vielen anderen Orten, vor allem im Nachbarlandkreis Weilheim-Schongau, sind solche Veranstaltungen schon gang und gäbe. Auch Ohlstadt hatte im Herbst vergangenen Jahres bereits einen Versuch gestartet, Kinder und Jugendliche in den Gemeinderat zu holen.

Michaela Sperer

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