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„Echter Verwahrlosungszustand“: Haus Hohenleitner wird abgerissen

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Von: Tanja Brinkmann

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Ein kleiner Bagger bricht ein haus ab.
Bald Geschichte: Mit kleinem Gerät wird das ehemalige Kaufhaus Hohenleitner an der Ecke Fürsten-/Alleestraße in den kommenden Wochen abgebrochen. © Thomas Sehr

Das Haus Hohenleitner weicht einem Neubau. Die Petition zum Erhalt wurde abgelehnt. „Vorsichtig“, sagt Eigentümer Marco Schöffel, um möglichst viel zu erhalten.

Garmisch-Partenkirchen – Sie ist vom Tisch. Zu Marco Schöffels Erleichterung hat der Ausschuss für Wissenschaft und Kunst des Bayerischen Landtags die Petition zum Erhalt des ehemaligen Kaufhauses Hohenleitner abgelehnt. Jetzt steht dem Abbruch nichts mehr im Weg. „Es war ja schon absehbar“, sagt der Gesellschafter und Mitgründer der Black Swan Properties GmbH mit Sitz in Seefeld (Landkreis Starnberg), der das Objekt an der Fürstenstraße im Ortsteil Garmisch gehört. Damit spielt er auf den Vor-Ort-Termin mit den beiden Landtagsabgeordneten Robert Brannekämper (CSU) und Volkmar Halbleib (SPD) an, die sich mit der Petition „zur Rettung eines der bedeutendsten, ortsbildprägenden Denkmale am Ortseingang“ der Marktgemeinde befasst haben.

In besagtem Ausschuss wurde diese nun „für erledigt erklärt“, sagt Brannekämper. Was er und sein Kollege bei dem Rundgang sahen, nennt der Christsoziale „einen echten Verwahrlosungszustand, vom Ursprung ist nicht mehr viel übrig geblieben“. In dem Haus, das 1735/36 errichtet und im Lauf der Jahre immer wieder erweitert und umgestaltet worden war, erkannten die Landtagsvertreter genau wie die Experten vom bayerischen Landesamt für Denkmalpflege nichts Schützenswertes.

Petent Heiko Folkerts spricht von „lächerlicher Inszenierung“

Heiko Folkerts, der die Petition eingereicht hatte, sieht das freilich völlig anders. Der Weilheimer Architekt nennt den Beschluss des Landtagsausschusses „eine Katastrophe“. Nach wie vor bezweifelt er, dass das Gebäude unwiederbringlich zerstört ist. Einen Blick ins Innere konnte er allerdings nie werfen. Von dem Vor-Ort-Termin hatte ihn Schöffel nach diversen „verleumderischen und ehrherabsetzenden Äußerungen“ ausgeschlossen.

Für Folkerts war dieses Treffen „eine lächerliche Inszenierung“. Dabei versuchte er mit Bildern, die er zum Ärger von Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) ungefragt an der benachbarten Bushaltestelle aufgehängt hatte, den Umgang der Gemeinde mit Denkmälern zu untermauern. Dass seine Petition abgeschmettert wird, damit hat er aber nach diesem Termin gerechnet. „Der Fraktionszwang war offenbar so groß“, meint er.

Nach Abriss: Angst vor einem 08/15-Neubau

Nachdem das Haus Hohenleitner nun abgerissen werden darf, läuft die Planung für die Folgenutzung wieder an. „Dafür würde ich gerne als fachlicher Berater zur Verfügung stehen“, bietet Folkerts an. Die Baukultur in Garmisch-Partenkirchen ist ihm schließlich ein Anliegen. Deshalb will er keinesfalls, dass an Stelle des „ortsprägenden Gebäudes“ ein 08/15-Neubau errichtet wird.

Daran liegt Brannekämper ebenfalls. Mit dem Vorschlag, den er in der Voranfrage der Black Swan Properties GmbH gesehen hat, kann er sich überhaupt nicht anfreunden. „Meiner Meinung nach ist das zu viel Jodelstil mit der aufgeklebten Bruchsteinmauer und Balkonen wie auf einem Dampfer“, sagt der Abgeordnete. „Da wäre weniger mehr.“ Deshalb empfiehlt er den Eigentümern, die Gestaltung zu überdenken.

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Gestaltung des Neubaus soll an die Nachbarschaft angepasst werden

Kein Problem für Schöffel. „Aktuell geht es nur um die Kubatur, die ja durch den Bebauungsplan vorgegeben ist“, sagt er. „Für die Gestaltung gibt es noch gar keinen Entwurf.“ Klar ist für ihn und seinen Vater, mit dem er dieses Projekt stemmt, dass sie sich an der Nachbarschaft orientieren wollen. „Unser Ziel ist es, etwas Schönes zu schaffen.“

Auf dem circa 1800 Quadratmeter großen Grundstück sollen zwei Wohngebäude mit einer kleinen Gewerbeeinheit samt Tiefgarage entstehen. Auf Folkerts Angebot werden sie dabei wohl eher verzichten. „Da wurde eine Grenze überschritten“, betont Schöffel. „Was da gelaufen ist, war unter der Gürtellinie.“

Aktuell beschäftigt den Eigentümer der „sanfte Abbruch“. Um möglichst viele Materialien zu retten, wird auf eine Abrissbirne verzichtet. „Auch, um den Müll sauber zu trennen.“ Zu seiner Freude nutzt eine Pension in Oberau Dielen und Beschläge. Ein Garmisch-Partenkirchner hat sich Bretter für seinen Stadl gesichert und einer der Nachbarn bekommt Dachziegel. Schöffel ist es ein Anliegen, möglichst viel „in die Umgebung zu verschenken“. Den Vorbesitzern hat er außerdem zugesagt, für sie die alten Scheiben aus dem Erker, der vom Umbau 1925/26 stammt, zu erhalten.

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