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„Ein glücklicher Moment“

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Garmisch-Partenkirchen - Die Olympia-Macher können aufatmen: Die Mehrheit der Bürger in Garmisch-Partenkirchen ist für die Winterspiele in ihrem Ort. Doch geben 58 Prozent Zustimmung wirklich den nötigen Schwung in der Endphase der Bewerbung?

Gegen 20.30 Uhr ist alles klar: Die Olympia-Befürworter haben die Bürgerentscheide gewonnen. Im Foyer des Rathauses brandet Jubel auf, eine ältere Frau schüttelt ihren Schellenring und sorgt lautstark für Stimmung. Während um Peter Fischer, Vertreter des Bürgerentscheids pro Olympia, Jubel erklingt, ist es wenige Meter weiter ruhig. Gefasst, aber sichtlich enttäuscht nimmt Axel Doering, Frontmann des Bürgerbegehrens gegen die Winterspiele, die Zahlen zur Kenntnis, die auf einem von drei Monitoren erscheinen. „Der Jubel ist allerdings verfrüht“, sagt er. Denn das Ergebnis sei kein „klares Signal“.

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Das ist wohl Interpretationssache. Für den Bürgerentscheid 1 („Ja zu Olympia“) votierten 58,1 Prozent der Garmisch-Partenkirchner, dagegen 41,9 Prozent. Für den Bürgerentscheid 2 („Nein zu Olympia“) stimmten 49,4 Prozent, dagegen 50,6 Prozent. Nur in einem der 14 Stimmbezirke („Volksschule Partenkirchen“) behielten die Olympia-Gegner die Oberhand. Dort wohnen sehr viele der betroffenen Grundstücksbesitzer. Auffällig ist beim Entscheid von „Nolympia“ die hohe Anzahl ungültiger Stimmen: Fast zehn Prozent, 1300 Stimmzettel, konnten für den Bürgerentscheid 2 nicht gewertet werden. Offenbar lag das auch an der komplizierten Fragestellung der Olympia-Gegner, die sämtliche mit dem IOC geschlossenen Verträge auf ihre Rechtsgültigkeit überprüfen lassen wollten. Auffallend: die mit 59,6 Prozent hohe Wahlbeteiligung. 20 918 Bürger waren stimmberechtigt.

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„Jetzt herrscht auch in Garmisch Klarheit“, erklärte Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. Die Gegner seien „trotz der von ihnen aufgebauten Schreckensszenarien“ letztlich „klar gescheitert“. „Ich freue mich sehr“, sagte Peter Fischer, Vorsitzender des Vereins OlympiJA. „Von knapp kann man hier nicht reden, das ist ein klarer Unterschied“. Er sei Sportmann, kein Politiker, „für mich zählt nur der Sieg“.

Der bayerische Sportminister Ludwig Spaenle (CSU) sprach von einem „glücklichen Moment“. Für die Bewerbung sei die Zustimmung per Bürgerentscheid „ein ganz wichtiges Kriterium“. Für Garmisch-Partenkirchen selbst werde der Ausgang, so meint Spaenle „pazifizierende Wirkung“ haben. Bayerns SPD-Landeschef Florian Pronold erwartet einen „kräftigen Schub“ für die Bewerbung. „Olympia – der Weg ist frei.“

Für Axel Doering, Vorsitzender des Vereins NOlympia, war das Ergebnis der Abstimmung „keine Überraschung“. Es gebe nach wie vor Möglichkeiten darauf hinzuwirken, „dass München den Zuschlag nicht bekommt“. Der grüne Landtagsabgeordnete Ludwig Hartmann, Wortführer der Olympia-Gegner in München, erklärte: „Die Pro-Olympia-Seite ist mit einem blauen Auge davon gekommen.“ Aber das Ergebnis sei knapp und die Bewerbung habe dadurch letztlich an Boden verloren. „65 Prozent wären eine deutliche Niederlage gewesen.“

Nicht sonderlich enttäuscht wirkte auch Hubert Weiger, Landeschef des Bund Naturschutz. Die Befürworter hätten keine Zwei-Drittel-Mehrheit erreicht, das sei „angesichts der massiven Unterstützung durch Geld und Prominenz“ nicht berauschend.

Die Gegner hofften weiter auf ein Scheitern, würden jetzt aber nicht weiter nach juristischen Gegenmaßnahmen suchen, bestätigte Weiger. „Wir warten den 6. Juli ab“ – dann wird das Internationale Olympischen Komitee im südafrikanischen Durban den Austragungsort bestimmen.

Von D. Walter, T. Schmidt, J. Löhr und T. Brinkmann

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