Foto von einem Bär, der in die Fotofalle tappt
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In eine Fotofalle ist der junge Bär im Oktober 2019 nahe Schloss Linderhof getappt.

Mit Bruno nicht zu vergleichen

Junger Bär taucht seit Jahren immer wieder in Oberbayern auf - um eine besondere Köstlichkeit zu genießen

  • Tanja Brinkmann
    VonTanja Brinkmann
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Er ist ein echter Sympathieträger, ein vorbildlicher Vertreter seiner Gattung: der Bär, der seit drei Jahren immer wieder vom Außerfern übers Ammergebirge in den Landkreis Garmisch-Partenkirchen kommt.

Landkreis – Er ist ein Feinschmecker. Einer, der sich nicht scheut, weite Strecken zurückzulegen, um eine besondere Köstlichkeit zu genießen. Der Bärlauch im Murnauer Moos ist eine davon. Den hat der Bär, der überwiegend im Außerfern lebt, schon ausgiebig gekostet.

Bär in Bayern: Tier taucht immer wieder im Landkreis Garmisch-Partenkirchen auf

Im Mai, wahrscheinlich um nach dem langen Winterschlaf wieder zu Kräften zu kommen. Davon zeugt ein Foto. Eines der wenigen, die bisher von dem extrem scheuen Jungtier existieren. Landrat Anton Speer (Freie Wähler) hat davon bei der Bürgerversammlung in Wallgau erzählt und dort auch bekräftigt, „dass der Bär immer wieder verschwindet“.

Über den Abstecher ins Murnauer Moos haben sich alle, die mit dem Beutegreifer zu tun haben, bedeckt gehalten. Nichts ist nach außen gedrungen, „vor allem, um ihn zu schützen“, betont Tessy Lödermann, Vorsitzende des Tierschutzvereins im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Warum Speer jetzt, gut ein Jahr nach diesem Besuch damit rausrückt, erstaunt sie. Das Tier, das aus dem italienischen Trentino stammt, beschreibt sie „vollkommen unauffällig, das richtet keinen Schaden an“.

Scheuer Bär in Region Garmisch-Partenkirchen: Er ist ganz anders als Problembär Bruno

Ganz anders als Bruno, der vor 15 Jahren als Problembär bekannt wurde. Der riss Schafe, unter anderem im Graswangtal und Mittenwald, und Hühner in Grainau. Bei Bruno, der mittlerweile ausgestopft im Museum Mensch und Natur in Schloss Nymphenburg ausgestellt wird, haperte es an der Erziehung. „Der hat gelernt, dass er bei Menschen Futter bekommt“, sagt ein Beutegreifer-Experte aus dem Landkreis, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Sei das der Fall, „empfiehlt es sich, sofort ein Abfallkonzept zu erstellen, wie es beispielsweise die Amerikaner machen“. Den Bären, der aktuell immer mal wieder im Landkreis vorbeischaut, beschreibt aber auch er als „sehr scheu. Der versucht, den Menschen aus dem Weg zu gehen“. Ein eindeutiger Beleg dafür ist ihm zufolge auch, dass er bislang keine Schäden angerichtet und vor allem keine Haus- oder Nutztiere gerissen hat.

Bär in Bayern gesichtet: Tier bewegt sich im Dreieck Plansee, Murnauer Moos und Griesen

Immer wieder wird er auf vermeintliche Bären-Spuren hingewiesen. Im Schnee oder an einem Flussufer. Oft allerdings erst so spät, so dass er diese gar nicht mehr untersuchen kann. Oder ein Hobby-Ornithologe, der Vogelstimmen aufnehmen will, verwechselt das Röhren eines Hirsches oder das Brüllen einer Kuh mit einem Bär. Da sorgt der Experte schnell für Aufklärung. Er setzt auf Bilder, die entstehen, wenn der Bär in eine Fotofalle tappt.

Und auf Spuren oder DNA-Proben, die er zeitnah überprüfen kann. Ein Blick auf die Homepage des Bayerischen Landesamts für Umwelt, das für die großen Beutegreifer, zu denen auch Wolf und Luchs zählen, zuständig ist, zeigt, dass im Oktober 2019 und im Frühjahr 2020 mehrere konkrete Nachweise über den Besuch des Bären vorliegen. Fest steht, dass das Jungtier immer mal wieder zwischen dem Plansee, dem Murnauer Moos und Griesen unterwegs war. „In dem Dreieck bewegt es sich.“

Problembär Bruno wird seit 2018 im Museum Mensch und Natur in Schloss Nymphenburg ausgestellt. 

Mit ein Grund dafür sei sicher die intakte Natur im Ammergebirge, vermutet Lödermann. „Da findet er Rückzugsräume, deshalb fühlt er sich hier so wohl.“ Und deshalb taucht er seit drei Jahren immer wieder im Landkreis auf. Die Tierschützerin weiß, dass er auch heuer schon gesichtet wurde. Eigentlich erstaunlich, schließlich müsste er sich langsam ein Weibchen suchen und das findet er wohl nur in Norditalien.

Mit der Familiengründung scheint’s dieser Bär nicht eilig zu haben. Er genießt stattdessen die Natur und lässt sich insbesondere Pflanzen, Käfer und Würmer schmecken. Fleisch steht durchaus auch auf seinem Speiseplan, allerdings bei Weitem nicht in den Dimensionen, die Bruno 2006 vertilgt hat. Für Lödermann ist der aktuelle Bär, der sich bemüht, möglichst nicht aufzufallen, „ein echter Sympathieträger, ein guter Vertreter seiner Gattung“.

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