Ein Mann sitzt lachend auf einem Fahrrad, er trägt einen Helm.
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Ein Mann und sein Rad: Bei Wind und Wetter sah man Klaus Hilleprandt mit dem Zweirad durch sein geliebtes Garmisch-Partenkirchen brausen.

Klaus Hilleprandt gab auf jedem Parkett eine gute Figur ab

Nachruf: Klaus Hilleprandt, ein Idealist durch und durch

Auf so vielfältige Art und Weise hat sich Klaus Hilleprandt für seine Heimat engagiert, für so vieles hat er gekämpft. Den Kampf um sein Leben aber hat der Hotelier aus Garmisch-Partenkirchen verloren.

Garmisch-Partenkirchen – Die Garmisch-Partenkirchner haben einen der Ihren verloren, der sich in vielfältigster Weise in seine geliebte Heimatgemeinde einbrachte. Die Hiesigen kennen Klaus Hilleprandt als engagierten Hotelier und Vertreter des Curling- und des Eishockey-Clubs, als Ortsvorsitzenden der FDP, als Kämpfer für den Erhalt des Kongresshauses.

Vielen wird der geborene Unterhalter auch mit seiner Zaubershow im Gedächtnis bleiben. Immer wieder hat er sich nach gesundheitlichen Tiefschlägen hochgerappelt. Zuletzt reichte die Kraft nicht mehr aus. Am vergangenen Freitag starb er mit 81 Jahren.

Klaus Hilleprandt: Mit Tricks und Charme das Publikum verzaubert

2019, zu seinem 80. Geburtstag, hatte Hilleprandt Wegbegleiter aus den Stationen seines Lebens noch einmal um sich versammelt. Kollegen aus der Hotellerie, aus der lokalen Politik, aus dem Sport. Auch Streitgenossen waren darunter und die Chefin des Kleinen Kurtheaters, in dem er so oft auf der Bühne gestanden hatte. Und die Schreiberin dieser Zeilen, die sich sehr gut an die erste Begegnung erinnert. Ende der 1970er-Jahre lautet der Auftrag, über einen Auftritt der „Kahistos“ zu berichten. Hilleprandt verzauberte gemeinsam mit Tagblatt-Redakteur Wolfgang Kaiser und Gastronom Hasso Stock das Publikum, stets mit einem lausbubenhaften Lächeln im Gesicht. Mit seinen Tricks, auch mit seinem Charme hat er später als Solist unter dem Bühnennamen Professor Hilladini die Zuschauer eingewickelt – in Fernsehshows, auf Kreuzfahrtschiffen, in aller Welt von Nepal bis Cannes und St. Moritz.

Ein Meister auf der Bühne: Als Hilladini bekam er es auch mit Politikern wie Theo Waigel zu tun.

„Wir hatten viel Spaß miteinander“, sagt Stock. 1974 war er Wirt der Gaststätte Alpspitz, fuhr oft mit seinen Mitstreitern nach München, um die Geheimnisse der Zauberei zu ergründen. Miteinander legten sie die Aufnahmeprüfung beim Magischen Zirkel ab. Das Trio stand bis 1989 auf der Bühne. Wie hat er Hilleprandt in Erinnerung? „Als lustigen Kerl. Er war ins Zaubern vernarrt.“ Einmal kündigte er lapidar an, man müsse demnächst nach Bremen fahren. Heimlich hatte er sich für das ARD-Fernseh-Quiz „Noten für 2“ von Roberto Blanco beworben. Seinen Zauberer-Freund stellte er vor vollendete Tatsachen.

Klaus Hilleprandt macht den Curlingsport populär

So leidenschaftlich wie sich Hilleprandt der Faszination des Hokuspokus hingab, so ambitioniert betrieb er den Curlingsport. „Er war einer der Aktivsten“, sagt sein Bruder Florian Hilleprandt, der die Liebe zu diesem Sport teilte. Er machte den Sport bei Deutschen Meisterschaften populär und warb bei internationalen Turnieren in Italien, Österreich und der Schweiz für seine Heimat. „Er war nie auf seinen Vorteil bedacht und hat nie was für Geld gemacht, sondern war Idealist durch und durch“, so beschreibt ihn der Bruder. Nicht nur in seinen zwölf Jahren als Vorsitzender des Curling-Clubs, auch als Leiter der SCR-Eishockeyabteilung ging es ihm immer um die Sache.

Genauso innovativ setzte er sich für die Hotellerie und Gastronomie ein. Er hatte seine Erfahrungen in internationalen Spitzenhotels gesammelt, parlierte mühelos englisch, französisch, spanisch und italienisch mit den Gästen. So auch im Hotel Vier Jahreszeiten in München unter dem legendären Besitzer Alfred Walterspiel, für den er die internationale Hotelkorrespondenz tätigte. Wieder daheim, machte er sich 1961 als Hotelier selbstständig. Er pachtete den Garmischer Hof, übernahm dann das mütterliche Hotel Zugspitze und führte später sein eigenes Hotel Hilleprandt, das er 2006 an Tochter Christiane übergab.

Letzter Leserbrief aus der Palliativstation: Eine „Watschn“ für die Abriss-Befürworter

Oft erlebte ihn die Tagblatt-Reporterin als Initiator und Motor des monatlichen Hotelier-Stammtisches, im Werbebeirat der Marktgemeinde, 18 Jahre als Ortsvorsitzenden des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, im Fremdenverkehrsausschuss und im Wirtschaftsbeirat. Als Gründungs-Präsident des Skal-Clubs International Garmisch-Partenkirchen und der Werbegemeinschaft „Hot & Sport“ vertrat er die Interessen der Tourismusgemeinde weit über Deutschland hinaus. Daneben wirkte er über 30 Jahre als Vorsitzender der Prüfungskommission für Hotelfachleute bei der IHK für München und Oberbayern, die ihm dafür den Goldenen Ehrenring verlieh. Bis zuletzt brachte er sich als ehrenamtlicher Richter am Arbeitsgericht Weilheim ein. Hotelier Hans Wettermann hat lange und eng mit Hilleprandt zusammengearbeitet, ihn wegen seiner Durchsetzungskraft geschätzt, seinen Wahlspruch „Tue recht und scheue niemand“ noch in Ohren. An den streitbaren Kollegen übergab Wettermann 2005 den FDP-Ortsvorsitz. „Er hat immer für das Gewerbe gekämpft und für das, was er für wahr und richtig hielt.“

Dies tat Klaus Hilleprandt bis zuletzt. Vor allem in Sachen Ortsgestaltung und Architektur nahm er kein Blatt vor den Mund. Als Mitinitiator des Bürgerentscheids „Rettet das Kongresshaus“, den die Gruppierung mit 78 Prozent gewann, verfolgte er die Entwicklung noch von der Palliativstation des hiesigen Klinikums. Dort verfasste er seinen letzten Leserbrief, in dem er den Gemeinderäten, die immer noch für den Abriss stimmen, eine erneute „Watschn“ in Aussicht stellte.

Lebensgefährtin Kornelia Küffer: Hilleprandts großes Glück

Der Einsatz auf so vielen konfliktträchtigen Gebieten kostete Kraft. Die gab ihm in den vergangenen 20 Jahren Lebensgefährtin Kornelia Küffer. Ihr war er ein fürsorglicher, zuverlässiger Partner. Mit ihr unternahm er wunderbare Reisen, genoss die Zeit auf dem Golfplatz, teilte mit ihr – wie es so treffend heißt – Freud und Leid. Die Konny, so bekundete er beim 80. Geburtstag vor den Gratulanten, sei sein großes Glück. Etliche Male war sie beim Wiener Opernball an seiner Seite. Denn Hilleprandt tanzte für sein Leben gern. Er machte auch dort eine „bella figura“. Wie auf jedem Parkett.

Eva Stöckerl

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