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Ein Tor nach Phantásien soll der Kurpark-Eingang vom Michael-Ende-Platz aus irgendwann werden.

Projekte zu Ehren des Schriftstellers ruhen

Ein Kraftakt für Michael Ende

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Garmisch-Partenkirchen - Einzig am Geld scheitert, dass Projekte zu Ehren von Michael Ende in Garmisch-Partenkirchen umgesetzt werden. Dabei ist der Ort aber 2011 eine Verpflichtung eingegangen, das Andenken des Schriftstellers zu pflegen. Bis zum Sommer soll nun geklärt werden, wie diese unter den erschwerten Rahmenbedingungen erfüllt werden kann.

Es ist ein Geschenk. Eines, nach dem sich andere Orte und Regionen „die Finger ablecken würden“. Davon ist Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) überzeugt. Garmisch-Partenkirchen „ist in der glücklichen Lage, gleich zwei Hochkaräter als Alleinstellungsmerkmal zu haben“. Ein Privileg, das ist der Rathaus-Chefin bewusst. Deshalb liegt ihr die Pflege von Richard Strauss, dem weltberühmten Komponisten, und Michael Ende, dessen fantastische Welter kleine und große Leser rund um den Globus begeistern, auch sehr am Herzen. Während die Notwendigkeit, das Erbe des Musik-Genies zu sichern, längst im Kultusministerium und im Bayerischen Landtag angekommen ist und mit diesen Stellen über eine deutliche Erhöhung der Zuschüsse verhandelt wird, ist es um den Schriftsteller ruhig geworden. Viel zu ruhig.

Michael Ende (M.) hat 1990 eine Linde im Garmischer Kurpark gepflanzt.

Im Kurpark im Garmischer Zentrum, der seinen Namen trägt, ist in den vergangenen Jahren nichts passiert, um ihn mit fantastischen Wesen zu bevölkern. Das letzte Objekt zog im November 2013 ein – der „Brotzeitstein des Felsenbeißers“, der an den bekannten Charakter aus der „Unendlicher Geschichte“ erinnern soll. Seither liegen die Pläne, die Thomas Bruner und Pe Hebeisen für die Verwandlung der grünen Oase gemacht haben, in irgendeiner Schublade. Der Weidenturm, inspiriert vom Elfenbeinturm der Kindlichen Kaiserin, das Lummerland an Stelle des Goldfisch-Teichs, der neue Laubengang mit fantastischen Kunstwerken und insbesondere der Zugang vom Park vom Michael-Ende-Platz aus – für all das existieren bereits konkrete Vorstellungen. Auch das Ende-Archiv, das seit 2011 in Garmisch-Partenkirchen ruht, ist bislang nicht öffentlich zugänglich. Trotz des Vertrags, der darüber geschlossen wurde. Ein Zentrum zu Ehren des Künstlers, wie es der damalige Bürgermeister Thomas Schmid (CSB) im Visier hatte, ist nicht in Sicht.

„Wir haben festgestellt, dass wir aus eigener Kraft kein Michael-Ende-Museum oder -Institut stemmen können“, betont Meierhofer. Der Fokus der Gemeinde liegt aktuell auf der Sanierung des Skistadions „und wir haben ja noch das Richard-Strauss-Institut“. Über diesen Stand haben sie und Vize-Bürgermeister Wolfgang Bauer (CSU) jetzt auch Endes Testamentsvollstrecker und seinen Nachlassverwalter in München informiert. „Bis Sommer wollen sie überlegen, wie’s weitergehen soll“, sagt Meierhofer. „Und sie wollen eruieren, ob sie finanzielle Mittel bekommen können. Möglicherweise gibt es ja einen Topf aus den Tantiemen.“

Zu dem finanziellen Dilemma kommt, dass mit der Insolvenz von Kultursommer-Veranstalter Florian-Zwipf-Zaharia die Veranstaltungsreihe nicht mehr in der gewohnten Form stattfinden wird. 2017 gibt’s eine abgespeckte Version im Zeichen von Jubiläen und runden Geburtstagen (wir berichteten). Wie es danach weitergeht, soll Anfang des kommenden Jahres geklärt werden. Zunächst, untermauert die Bürgermeisterin, sei die Michael-Ende-Woche, die zum Auftakt des Kultursommers auf dem Programm stand, „erst einmal gestorben“. Eine Entwicklung, die sie bedauert. Wie auch die Vertreter der Phantastischen Gesellschaft um Vorsitzenden Georg Büttel, die sich der Pflege von Endes Erbe verschrieben haben.

Dass der Schriftsteller in Garmisch-Partenkirchen geboren wurde, ist ein Geschenk. Genau wie das, dass Richard Strauss den Ort unter der Alpspitze zu seiner Wahlheimat erkor. Es sind Alleinstellungsmerkmale, mit denen der Markt punkten kann. Vorausgesetzt, sie setzt diese Gaben auch wirkungsvoll ein.

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