Nah dran am Patienten: Servicekräfte – hier ein Symbolbild von einer Essensausgabe – verrichten viele Hilfstätigkeiten.
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Nah dran am Patienten: Servicekräfte – hier ein Symbolbild von einer Essensausgabe – verrichten viele Hilfstätigkeiten.

Ohlstädter Serviceassistentin geht leer aus

Corona-Pflegebonus in der Kritik: Eine Frage der Gerechtigkeit

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Pflege- und Rettungskräfte erhalten heuer vom Freistaat einen Corona-Bonus – als Anerkennung für ihren Einsatz. Doch viele Berufsgruppen, die ebenfalls mit Erkrankten direkt oder indirekt zu tun hatten, gingen leer aus. Dazu zählt auch eine Servicekraft am Klinikum Garmisch-Partenkirchen, die die Handhabung als äußerst unfair empfindet.

Landkreis – Seit 16 Jahren arbeitet die Ohlstädterin Ute von der Brelie im Klinikum Garmisch-Partenkirchen als so genannte Serviceassistentin. Zu ihren Aufgaben gehört es beispielsweise, den Patienten die Mahlzeiten mundgerecht zuzubereiten, Müll und Wäsche rauszubringen oder kleine Besorgungen zu erledigen. „Wir halten der Pflege den Rücken frei“, fasst die 57-jährige ihren Job zusammen. Dabei habe sie auch Kontakt mit Covid-19-Erkrankten. „Seit Monaten sind wir an der Corona-Front“, berichtet sie. „Wir gehen genauso mit Schutzkleidung wie die Schwestern und Pfleger in die Zimmer.“

Steuerfreie Zuwendung in Höhe von 500 Euro

Doch den einmaligen und steuerfreien Corona-Bonus in Höhe von 500 Euro (bei mehr als 25 Arbeitsstunden pro Woche; bei 25 Stunden oder weniger sind es 300 Euro), den der Freistaat heuer an Pflege- und Rettungskräfte ausbezahlt, erhielt sie nicht. Ihr Antrag sei vom Bayerischen Landesamt für Pflege abgelehnt worden. Von der Brelie empfindet dies als ausgesprochen ungerecht – und ihren Angaben zufolge sehen viele Kollegen das genauso. „Entweder alle oder keiner“, findet sie. Die Ohlstädterin ist der Meinung, dass alle Klinik-Beschäftigten, die von der Corona-Pandemie betroffenen sind, den Geldsegen verdient hätten, also beispielsweise auch Serviceassistenten und Reinigungskräfte.

Rückendeckung erhält sie von ihrem Arbeitgeber. Das Anliegen sei „mehr als nachvollziehbar und berechtigt“, findet Geschäftsführer Bernward Schröter auf Nachfrage. „Die Pflege steht natürlich häufig im Fokus der Berichterstattung, und Personal wird in Kliniken dringend benötigt. So ist es vielleicht verständlich, wenn man diese Gruppe heraushebt und mit einer Bonuszahlung belohnt“, erläutert der Klinik-Chef. Doch er könne „nicht nachvollziehen, warum zum Beispiel Servicekräfte und sonstige Krankenhausmitarbeiter hier anders behandelt werden sollen als das Pflegepersonal.“ Schröter plädiert daher dafür, den Kreis der Berechtigten zu erweitern.

Landtagsabgeordneter kennt das Problem

Ähnlich klingt es bei Andreas Krahl. Dem Landtagsabgeordneten der Grünen aus Seehausen ist das Problem bestens bekannt. Täglich erreichen den Politiker, der selbst als Pfleger auf der Intensivstation der Murnauer Unfallklinik tätig war, E-Mails von Betroffenen, die wie von der Brelie das Nachsehen hatten und jetzt sauer sind. Grundsätzlich sei das Extra-Geld ein „gutes Zeichen“, sagt Krahl. Nur: „Das ist unfair ausgestaltet.“ Es sei auch nicht klar, warum jemand durchs Raster fällt. Der Volksvertreter schlägt ein anderes, in seinen Augen gerechteres Modell vor: eine Gefahrenzulage in Höhe von drei Euro pro Arbeitsstunde – und zwar für alle, die mit Corona-Patienten zu tun haben. Bei einer Vollzeitstelle käme man dann auf etwa 500 Euro pro Monat. Ein Antrag seiner Fraktion dazu sei allerdings nicht durchgegangen, berichtet Krahl. Er will dennoch nicht aufgeben: „Wir müssen nochmal nachhaken.“

Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege verteidigt indessen die Vorgehensweise: Wie ein Sprecher berichtet, soll mit der finanziellen Zuwendung das besondere Engagement der Pflegenden im Zeitraum vom 4. April bis 30. Juni honoriert werden. Der Bonus werde aber nicht dafür gewährt, dass Personen einem Ansteckungsrisiko ausgesetzt waren. „Er soll vielmehr Pflege- und Rettungskräften zugutekommen, die unmittelbar mit den betroffenen Patienten gearbeitet haben.“

Im Haushalt sind dafür rund 132 Millionen Euro veranschlagt. Die Nachfrage ist hoch: Bis zur Antragsfrist am 30. Juni gingen über 350 000 Anträge ein.

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