1. Startseite
  2. Lokales
  3. Garmisch-Partenkirchen
  4. Garmisch-Partenkirchen

„Wir sprechen die gleiche Sprache“: Dr. Constanze Werner übernimmt das Museum Werdenfels

Erstellt:

Von: Tanja Brinkmann

Kommentare

Eine Frau und ein Mann stehen vor einem Gipfelkreuz in einem Museum.
Zwei, die sich gut verstehen: Dr. Constanze Werner übernimmt zum 1. Mai 2022 die Leitung des Museums Werdenfels von Josef Kümmerle. © Thomas Sehr

Eine Entscheidung, die drei Institutionen betrifft: Dr. Constanze Werner übernimmt zum 1. Mai 2022 die Leitung des Museums Werdenfels in Garmisch-Partenkirchen. Damit folgt sie Josef Kümmerle nach. Und damit hinterlässt sie Lücken in Oberammergau und Mittenwald.

Garmisch-Partenkirchen – Seine Mission hat Josef Kümmerle längst erfüllt. Der Um- und Erweiterungsbau ist eingeweiht, das Museum Werdenfels ganz hervorragend aufgestellt. Schon länger denkt der Garmisch-Partenkirchner, der die Einrichtung seit 2010 ehrenamtlich leitet, über seinen Rückzug nach. Zum Jahresende hätte es eigentlich so weit sein sollen. Jetzt geht der 75-Jährige aber noch einmal in die Verlängerung. Der Sache wegen. Seine Nachfolgerin kann erst zum 1. Mai 2022 anfangen, nachdem er ihr das Haus „richtig übergeben will, spielen die vier Monate keine Rolle“.

Was dem 75-Jährigen umtreibt, ist die Zukunft des Museums, mit dem er seit Ende der 1970er Jahren eng verbunden ist. Für das er sich seither auch mit sehr viel Herzblut engagiert. Deshalb freut ihn, dass die Wahl auf Dr. Constanze Werner gefallen ist. Eine Kollegin, die promovierte Historikerin leitet das Oberammergau Museum und das Geigenbaumuseum in Mittenwald, mit der er schon etliche Ausstellungen konzipiert hat. „Wir sprechen die gleiche Sprache“, sagt Kümmerle. Deshalb weiß er schon jetzt, dass er Ende April mit einem weinenden und einem lachenden Auge geht.

Landrat hebt Verdienste von Josef Kümmerle hervor

Wobei: Ganz zieht er sich aus dem Museum nicht zurück. Die Ausstellung im kommenden Sommer mit Stücken aus dem Depot macht er noch, und auch sonst hofft die 54-Jährige, „weiter auf seine Erfahrungen bauen zu können“. Sie ist übrigens die Museumsleiterin, die diese Stelle hauptamtlich ausfüllt. Und das ist gut so. Spätestens beim Umbau musste Kümmerle erkennen, dass „die Arbeit für einen Ehrenamtlichen einfach zu viel ist“. Werner also, die in München aufgewachsen ist, deren Familie mütterlicherseits aber aus Garmisch-Partenkirchen kommt, steigt voll ein in das Haus unter Landkreis-Trägerschaft.

Für Landrat Anton Speer (Freie Wähler) geht dann erst einmal „eine Ära zu Ende“. Kümmerle habe sich als Museumsleiter einen Namen gemacht. „Er hat das Museum zu dem gemacht, was es heute ist, ein Ort für Jung und Alt, mit Geschichte und Zukunft.“ Gerade durch die zahlreichen Sonderausstellungen findet Speer, dass es weit mehr als einfach nur ein Heimatmuseum ist: „Es ist ein kultureller Schatz in unserem Landkreis.“ Zu seiner Freude konnte man mit Werner eine sehr erfahrene Nachfolgerin gewinnen. „Durch ihre Tätigkeit in Mittenwald und Oberammergau bringt sie das nötige heimatkundliche Wissen mit. Unser Haus wird also bei ihr in guten Händen sein.“

Idee, ein Partenkirchner Kulturquartier zu etablieren

Dieser „spannenden“ Herausforderung stellt sich Werner gerne. Mit Volkskunst und Kulturgeschichte kennt sie sich aus, seit sie vor 19 Jahren die Leitung des Oberammergau Museums übernahm. Dieses und auch die Mittenwalder Ausstellungsräume, für die sie seit 14 Jahren zuständig ist, hat sie in die Moderne geführt. Den Bestand behutsam überarbeitet, alles inventarisiert. Die größte Aufgabe in Garmisch-Partenkirchen ist für sie, das erweiterte Museum – „das war eine Großtat von Josef Kümmerle“ – mit Leben zu füllen. Neben den schon bestehenden Verbindungen mit den Häusern im Landkreis kann sie sich auch vorstellen, ein Partenkirchner Kulturquartier mit dem Richard-Strauss-Institut zu etablieren. Auch die Verbindung zwischen Volkskunst und moderner Kunst liegt ihr am Herzen, „so bringt man vielleicht junge Leute ins Museum“.

Eine Baustelle, die ihr Vorgänger nicht mehr abschließen konnte, ist die Präsentation von Professor Joseph Wackerle. Seine Werke mussten nach dem Umbau weichen, weil zunächst seine Rolle im Dritten Reich aufgearbeitet werden soll. „Die ersten Schritte sind gemacht“, betont Werner. Die Arbeiten des Bildhauers, „er ist einer unserer großen Künstler“, wieder zu zeigen, ist auch ihr ein Anliegen.

Sonderausstellung „Ummantelt“ zu den Passionsspielen 2022

Um ein Gefühl für ihre künftige Wirkungsstätte zu bekommen, streift sie schon jetzt häufig durch die Räume an der Ludwigstraße. Schaut sich die Exponate an, nimmt sich Zeit für die Menschen, die hier arbeiten. Nach ihrem Amtsantritt will sie dann ganz in Ruhe am Konzept und einer möglichen Neuausrichtung feilen.

Ihre volle Arbeitskraft steht dem Museum Werdenfels dann noch nicht zur Verfügung. „Ich fange mit 30 Wochenstunden an“, bestätigt Werner. Die verbleibende Zeit widmet sie der Abwicklung der Sonderausstellung „Ummantelt“ zur Passion 2022 – das vordere Drittel des Oberammergau Museums, Richtung Max-Streibl-Platz, wird mit großzügiger Unterstützung einer Münchner Stiftung in Form eines Kubus mit blauen Passionsgewändern verhüllt. Bis 2024 sollte das erledigt sein.

Ausreichend Zeit, um Nachfolger fürs Oberammergau Museum zu finden

Damit bleibt den Ammertalern etwas Luft, um einen Nachfolger zu suchen. „Wir stecken in der Findungsphase“, sagt Zweiter Bürgermeister Eugen Huber (Mit Augenmaß). Werners Weggang bedauert er ungemein. Ihr sei es zu verdanken, dass das Oberammergau Museum inzwischen über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt ist. Er stellt sich vor, mit Werner in Ruhe einen geeigneten Kandidaten auszuwählen, der das Haus weiter voranbringt. „Dafür steht unser Ort ja auch“, sagt Huber. „Kultur ist unser Anspruch.“

Etwas schneller muss die Entscheidung in Mittenwald fallen. Das ist Enrico Corongiu (SPD) bewusst. Ihren Posten im Geigenbaumuseum räumt Werner schließlich zum 30. April. „Ein Verlust“, sagt der Bürgermeister. „Jemanden mit ihrer Expertise zu finden, wird schwierig sein.“ Auch er will jetzt in enger Abstimmung mit der Garmisch-Partenkirchnerin einen passenden Nachfolger finden. Corongiu hat aber nicht nur seine Isartalbrille auf, aus Landkreissicht freut er sich, dass mit Werner „eine tolle, fachlich sehr geeignete Person das Museum Werdenfels übernimmt. Das ist doch sehr positiv“.

Auch interessant

Kommentare