Beeindruckend: 2019 traten Opernsänger aus Pesaro auf einem Balkon an der Ludwigstraße auf.
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Beeindruckend: 2019 traten Opernsänger aus Pesaro auf einem Balkon an der Ludwigstraße auf.

Gemeinderat beschließt Absichtserklärung

Kulturaustausch mit Pesaro: Eine italienische Freundschaft

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Erste zarte Bande wurden bereits vor einigen Jahren geknüpft, nun soll die Freundschaft mit der italienischen Rossini-Stadt Pesaro offiziellen Charakter erhalten: Garmisch-Partenkirchens Gemeinderat beschloss eine entsprechende Absichtserklärung. Für den Kulturaustausch winken staatliche Fördermittel.

Garmisch-Partenkirchen – Musik verbindet, heißt es so schön. Dies trifft auch auf die Beziehung Garmisch-Partenkirchens zu Pesaro zu. In der italienischen Hafenstadt (rund 95 000 Einwohner) finden jeden Sommer Festspiele zu Ehren Gioachino Rossinis (1792 bis 1868) statt. Der berühmte Opernkomponist wurde dort geboren. Garmisch-Partenkirchen kann ebenfalls mit einer Künstlerpersönlichkeit aufwarten: Richard Strauss (1864 bis 1949) war hier mehr als 40 Jahre lang zu Hause. Sein Werk wird im Zuge der Richard-Strauss-Tage gewürdigt.

Erste Begegnungen auf privater Ebene

Erste Begegnungen zwischen Vertretern beider Orte kamen auf privater Ebene zustande. Es folgten kleinere Kultur-Projekte: Beispielsweise traten Opernsänger aus Pesaro 2019 beim Zamma-Festival in der Ludwigstraße auf und schmetterten Arien vom Balkon – ein imposantes Erlebnis, das vielen in Erinnerung blieb. Im Richard-Strauss-Institut war zeitgleich eine Sonderausstellung über das Rossini-Opernfestival zu bestaunen.

Jetzt wollen die Kommunen ihre Zusammenarbeit intensivieren. Das Ziel: eine „städtefreundschaftliche Beziehung“, wie es im Beamtendeutsch heißt. Dazu segnete der Gemeinderat des Kreisortes mit einer 19:8-Mehrheit eine Absichtserklärung ab. Tenor: Die bilaterale Partnerschaft soll auf vielen Ebenen gefördert und vorangebracht werden – nicht nur im Bereich der Kultur, sondern unter anderem auch in der Wirtschaft, im Sport sowie im Tourismus. Der Zeitplan ist ehrgeizig: Heuer im Herbst soll der Startschuss fallen.

Bewerbung um Kulturförderpreis

Das Ganze ist eine Herzensangelegenheit von Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU), die 2020 das Italien-Projekt in illustrer Runde vorstellen düfte. Die Rathauschefin nahm nämlich in Mailand an einem Spitzentreffen der Präsidenten Italiens und Deutschlands, Sergio Mattarella und Frank-Walter Steinmeier, teil, bei dem es um die kommunale Zusammenar-beit beider Länder ging. Garmisch-Partenkirchen erhofft sich eine Finanzspritze in Form eines Kulturförderpreises, den die beiden Staatsoberhäupter ausgelobt haben. Die Bewerbung befindet sich in der Vorbereitung. „Wir erhoffen uns gute Chancen“, sagt Dr. Dominik Sedivy, Leiter des Richard-Strauss-Instituts, der im Gemeinderat die Pesaro-Initiative vorstellte.

Jetzt muss diese nur noch mit Leben erfüllt werden. An Vorschlägen mangelt es jedenfalls nicht. „Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, wo man gemeinsam anknüpfen kann“, erklärt Sedivy. Es gehe um ein Schenken und Beschenkt werden. „Der große Fokus liegt auf Gemeinsamkeiten.“ Auf der Ideenliste stehen etwa Chor- und Blaskapellen-Begegnungen, Konzerte, Ausstellungen, Ticket-Verlosungen und ein Schüleraustausch.

Doch im Rahmen der politischen Debatte wurde auch Kritik laut. „Rossini hat null Komma null mit Garmisch-Partenkirchen zu tun“, beschwerte sich Lilian Edenhofer (Freie Wähler). Jetzt werde ein „neues Fass aufgemacht“ – obwohl man mit Genzano di Roma bereits einen Kultur-Partnerort in Italien habe – eine Beziehung, die allerdings in Vergessenheit geriet. Dort lebte Ausnahme-Schriftsteller Michael Ende (1929 bis 1995), der berühmte Sohn Garmisch-Partenkirchens – und neben Strauss ein Kultur-Leuchtturm des Marktes. Edenhofer beklagte eine „schleichende Abwendung“ von Ende. Auch Ulrike Bittner-Wolff (SPD) warnte davor, sich zu „verzetteln“.

Sedivy gab sich diplomatisch. Gemeinsamkeiten mit Pesaro bestünden sehr wohl, argumentierte er. Beide Orte hielten die Erinnerung an zwei bedeutende Komponisten wach. Und einem Michael-Ende-Projekt stünde er aufgeschlossen gegenüber. „Sie rennen bei mir offene Türen ein.“ Wie in der Sitzung zu erfahren war, laufen Gespräche, den Bestsellerautor, der fantastische Romane wie „Momo“ oder „Die unendliche Geschichte“ schuf, (wieder) stärker ins Scheinwerferlicht zu rücken.

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