Die ganze Pracht verstellt: Aber Instandsetzungsarbeiten müssen auch an dem alten Gemäuer sein.
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Die ganze Pracht verstellt: Aber Instandsetzungsarbeiten müssen auch an dem alten Gemäuer sein.

Beschädigungen am Mauerwerk werden beseitigt

Ruine Werdenfels: Eine Rüstung für die alte Burg

Das glänzende Metallgerüst an der Burgruine Werdenfels fällt auf, wenn man zwischen Garmisch-Partenkirchen und Farchant unterwegs ist. Der Grund für das ungewöhnliche Bild sind Konservierungsarbeiten an der Hochmauer im südlichen Teil.

Mit Spezialmörtel ist die Firma Buchwieser am Werk und verfugt, bessert quasi nach. „Es muss ständig etwas zum Erhalt der Anlage getan werden“, sagt Heimatforscher Heinrich Spichtinger. „Durch Verwitterung, Samenflug, aber auch willkürliche Beschädigungen lockert sich Gestein.“

Weithin sichtbar oberhalb der wichtigen Handelsstraßen im Tal thronen die Überreste der Burg Werdenfels, deren Entstehungszeit ins 13. Jahrhundert datiert wird und die wahrscheinlich eher als Machtsymbol, weniger als Verteidigungsanlage errichtet wurde. „Die Burg mit ihren turmlosen, dünnen Außenmauern war nicht wehrhaft angelegt“, urteilt Spichtinger. Im Besitz des Hochstifts Freising, nachdem Graf Berchtold III. von Eschenlohe einen Teil seiner Grafschaft 1294 abgetreten hatte, diente sie als Herrschafts-, Verwaltungs- und Rechtszentrum. Nachzulesen ist die Geschichte auf der von Spichtinger erstellten Informationstafel am Burgeingang. 800 Meter über dem Loisachtal residierten hier die Pfleger, die ab 1360 zugleich das Richteramt versahen. Der hochaufragende Turm an der Torfront wurde im 16. Jahrhundert als Gefängnis genutzt. Vermeintliche Hexen und Wilderer wurden hier eingekerkert. Ein unrühmliches Geschichtskapitel im Werdenfelser Land: Im Wahn der Hexenverfolgungen wurden 50 Frauen und ein Mann auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Erste Sanierungen bereits vor über 100 Jahren

Im 17. Jahrhundert verfiel die seit 1632 von den Pflegern verlassene Burg derart, dass sie zum Steinbruch wurde. Hier bediente man sich mit Material für die Errichtung des Brauhauses in Garmisch sowie der barocken Kirchen in Farchant (1728) und Garmisch (1730). Mit der Säkularisierung 1802 wurden der Freistaat Bayern und 1822 Staatsrat Ignaz von Rudhart Eigentümer.

Wiederholten Abbruchmaßnahmen folgten ab 1905/06 erste Sanierungen. Was von dem geschichtsträchtigen Burggelände noch übrig war, sollte erhalten werden. Inzwischen sind es immer wieder kleine Bauabschnitte, die, fachlich vom Landesamt für Denkmalpflege begleitet, realisiert werden. „Ist man einmal ringsum, muss von vorn begonnen werden“, betont Spichtinger. Der Senior hat die Burg und das Gelände mit dem Schlosswald fest im Blick, Fachbücher darüber verfasst und arbeitet eng mit der Interessengemeinschaft zum Erhalt der Burgruine Werdenfels zusammen.

Wir sind eine Gruppe von Machern

Alois Maderspacher

Ignaz Streibel hat den Verein 1986 ins Leben gerufen, heute ist Alois Maderspacher Vorsitzender. „Wir stimmen uns mit den Eigentümern, einer Erbengemeinschaft, dem Denkmalschutz und Kreisheimatpfleger ab, sind eine Gruppe von Machern“, sagt Maderspacher. Nach einer behördlichen Begehung in jedem Frühjahr wird ein Sanierungskonzept für die dringendsten Arbeiten erstellt. Rund 15 000 Euro werden dabei jährlich in die Erhaltungsmaßnahmen investiert und zusätzlich viel ehrenamtliche Arbeit geleistet. Mit Geldern vom Landesamt für Denkmalpflege, der Gemeinde Farchant, zusätzlichen Sonderförderungen vom Markt Garmisch-Partenkirchen und vom Landkreis sowie Spendengeldern wird das Projekt Erhalt finanziert.

Was die Ruinen-Freunde keinesfalls möchten, ist eine kommerzielle Vermarktung der Anlage. „Anträge für Hochzeits- und Geburtstagsfeiern oder Theateraufführungen bekommen wir immer wieder, aber die lehnen wir ab“, sagt Maderspacher. Die Ruine, die einen spektakulären Ausblick bietet, soll ein Naturerlebnis-Ziel für Wanderer bleiben. Ein Ort mit mystischem Flair und fast 800-jähriger Geschichte.

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