Ein Mann zeigt ein Metallstück.
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Einen wahren Schatz präsentiert Museumsmitarbeiter Peter Schwarz: das Kupferbeil aus der Zeit um 4000 vor Christus.

Einblick in 7000 Jahre Landkreis-Geschichte

Eine Sensation im Museum Werdenfels: Kupferbeil vom Zeilkopf stammt aus der Zeit 4000 vor Christus

  • Tanja Brinkmann
    VonTanja Brinkmann
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122 Ausgrabungsfunde hat das Museum Werdenfels 2020 aufgekauft. Mittlerweile steht fest: Darunter einen Schatz, der Archäologen und Historiker zum Strahlen bringt. Das kleine Kupferbeil ist gut 6000 Jahre alt und ein weiterer Beleg dafür, dass die Landkreis-Geschichte in der Jungsteinzeit begann.

Garmisch-Partenkirchen – Es ist klein. Völlig unscheinbar eigentlich. Eine Männerhand kann es komplett umschließen. Und doch bringt das grünlich schimmernde Metallstück Peter Schwarz zum Schwärmen. Der Grainauer spricht gar von einer Sensation, die seit Neuestem im Museum Werdenfels in Garmisch-Partenkirchen zu sehen ist. Dass es tatsächlich ein Schatz ist, haben jetzt Experten der Universität Innsbruck bestätigt. Das kupfersteinzeitliche Beil, das am Zeilkopf zwischen Eschenlohe und Ohlstadt entdeckt worden war, „ist eines der ältesten gefundenen Objekte im Gebiet rund ums Karwendel“. Archäologe Dr. Joachim Pechtl, der das kostbare Stück noch genauer unter die Lupe nehmen will, datiert es auf 4000 vor Christus.

Steinbeil aus Gerold ist sogar noch 1000 jahre älter

Dazu kommt, dass das kleine Kupferbeil einen der ältesten Funde aus dieser Epoche in ganz Bayern und Tirol darstellt. Für Schwarz, der sich seit Jahren im Museum Werdenfels engagiert und der viel zur Ausstellung „Vom Steinbeil zur Auster-Muschel“ beigetragen hat, ein Glücksfall. Der zweite, über den er sich unsagbar freut. Denn aus Gerold ist noch ein Steinbeil im Museum zu finden. Ebenfalls das älteste bekannte seiner Art, betont Schwarz, „Es stammt aus der Zeit um 5000 vor Christus.“

Ein steinzeitliches Paar umrahmt das Steinbeil, das 2000 bei Gerold gefunden worden ist.

Dieses lag wie etliche andere Schätze „unbeachtet im Keller“, sagt Museumsleiter Josef Kümmerle. Er und Schwarz hoben diese Kostbarkeiten, ergänzten sie durch Leihgaben und präsentieren somit seit Mai 2020 an 17 Stationen 7000 Jahre Landkreis-Geschichte.

Museum Werdenfels hat 122 Stücke von Ausgrabungen angekauft

Dass sich unter den Stücken, die das Museum im vergangenen Jahr angekauft hat, ein weiterer Schatz findet, hätten Kümmerle und Schwarz nicht erwartet. „Damals haben wir 122 Objekte, darunter viele Pfeilspitzen, erworben“, erinnert sich der Museumsmitarbeiter. Vieles vom so genannten Durchgangsverkehr. Der Landkreis war noch nicht dicht besiedelt, diente aber schon Jahrtausende vor Christus als wichtige Verbindung in den Süden. Ganz anders am Zeilkopf, der längst als Bodendenkmal geschützt ist. Dort wurden eine Siedlungsstelle und Brandopferstätte aufgetan, mit Stücken, wie dem Kupferbeil, die bis zu 4500 Jahre vor Christus datieren. „Großartig“ findet Schwarz die Objekte, die mit anderen Fundstücken belegen, dass die Geschichte des Werdenfelser Landes schon in der Jungsteinzeit begann.

An 17 Stationen erleben die Besucher des Museums Werdenfels anschaulich 7000 Jahre Landkreis-Geschichte.

In der aktuellen Ausstellung sind 25 besondere, vor- und frühgeschichtliche Funde aus dem Landkreis zu sehen. Diese sollen künftig in einer eigenen Abteilung präsentiert werden. Die Zeitspanne reicht von besagter steinzeitlicher Beilklinge, die 2000 nahe der ehemaligen Römerstraße bei Gerold aufgetaucht ist, bis zur Auster- Muschel aus der Burg Werdenfels aus dem 15./16. Jahrhundert. Ein Elchgeweihfund aus dem Eibsee von 500 vor Christus ist ebenso vertreten, wie Schmuck aus der Bronzezeit und römische Münzen, die Schießscharte des Hammersbacher Burgturms oder der 1996 bei Mittenwald entdeckte römische Meilenstein aus dem Jahr 363 nach Christus. „Es ist eine besondere Freude, all das zu zeigen“, betont Kümmerle. Da lässt sich ein Stück faszinierende Geschichte am Originalobjekt erleben, auch wenn manches auf den ersten Blick eher unscheinbar wirkt.

Die Ausstellung

„Vom Steinbeil bis zur Auster-Muschel“ ist bis Sonntag, 7. November, im Museum Werdenfels in Garmisch-Partenkirchen zu sehen – und zwar dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr.

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