Drei Menschen in der Partnachklamm.
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Da war die Welt noch in Ordnung: Karin Klein (M.) mit ihrem Mann und dem Gatten ihrer Nichte.

Kein Handynetz verfügbar

„Will da gar nicht mehr hin“: Besucher werden in Partnachklamm eingesperrt - Notfall-Anlagen ausgefallen

  • Tanja Brinkmann
    VonTanja Brinkmann
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Die Partnachklamm in Garmisch-Partenkirchen ist einmalig. Ein Naturdenkmal, das jedes Jahr mehr als 300.000 Menschen anlockt: Vier davon kommen wohl nicht mehr zurück.

Garmisch-Partenkirchen – Nie wieder Partnachklamm. „Ich will da gar nicht mehr hin“, sagt Karin Klein. Was sie und ihre Angehörigen am Sonntag in dem Naturdenkmal erlebt haben, kann die Fürstenfeldbruckerin nicht so schnell vergessen. Sie waren quasi eingesperrt, kamen nicht aus dem hinteren Ausgang raus. Der Weg zurück war ebenfalls versperrt. Wegen Corona gilt in der Klamm eine Einbahnregelung.

Mit den Tickets, die sie online gekauft hatten, gelangten Klein, ihr Mann sowie ihre Nichte und deren Gatte, die aus Israel zu Besuch gerade in Bayern weilen, noch problemlos in die Klamm. Sie genossen die beeindruckende Kulisse, schossen Erinnerungsfotos und ahnten nicht, was sie etwa eine halbe Stunde später erwarten würde. An dem Drehkreuz am Ausgang funktionierte nichts.

Corona-Regeln konnten nicht mehr eingehalten werden

Wie den Fürstenfeldbruckern ging’s einem anderen Paar. „Die waren schon etwas panisch“, erinnert sich Klein. Sie und ihre Lieben versuchten derweil, Ruhe zu bewahren. Drückten mehrfach die Sprechanlage, die für Notfälle in diesem Bereich installiert ist. Vergeblich. „Ein Mann hat’s von außen probiert, da gibt’s auch eine“, erzählt Klein. Ebenfalls ohne Erfolg. Der Notausgang nütze ihr und ihren Angehörigen ebenfalls nichts: „Der Türgriff hat gefehlt.“ Und ein Blick aufs Handy reichte, um ihnen klar zu machen, dass dort hinten kein Mobilfunknetz vorhanden ist.

Aus ihrer misslichen Lage konnten sich die Ausflügler schließlich selbst befreien. Nachdem klar war, dass all diejenigen, die vor Ort eine Eintrittskarte gekauft hatten, problemlos durch das Drehkreuz kamen, baten sie diese um Hilfe. Sämtliche Corona-Regeln mussten sie dabei natürlich außer Acht lassen. „Das Einhalten des Mindestabstandes war im Ausgangsbereich sowieso nicht mehr möglich, da standen viel zu viele Menschen“, sagt Klein. Und dann mussten sie und ihre Begleiter sich noch mit Fremden durch das enge Gitter quetschen. Ein Unding.

Vandalismus Schuld am Stau in der Partnachklamm

Klein ist nur froh, dass am oberen Klammausgang keine Panik ausgebrochen ist. „Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn diese vielen Menschen nicht weiter gekommen wären und sich vor dem Ausgang gestaut hätten.“ Ihre Geschichte und vor allem ihr Entsetzen über die Sicherheitseinrichtungen in der Klamm teilte sie auch der Marktgemeinde mit. Und der Tourist-Info, über die sie das Ticket gebucht hatte. Auf eine Antwort wartet sie noch.

Diese Drehkreuze stehen seit November an den beiden Eingängen zur Partnachklamm.

Auf Tagblatt-Nachfrage kommt jetzt Licht ins Dunkel. „An diesem Morgen muss bedauerlicherweise ein übler Zeitgenosse den Türdrücker und die darüber befindliche Schutzhaube mit Gewalt abgerissen haben“, erklärt Rathaus-Sprecherin Silvia Käufer-Schropp. Der Sicherheitsdienst, der jeden Abend die Klamm versperrt, hatte am Samstagabend davon noch nichts bemerkt. Durch den Vandalismus drang Wasser in die Mechanik ein und verursachte einen Netzwerkausfall. Die Folge: Probleme beim Ausgang und der Komplettausfall der Sprechanlage beziehungsweise der Kameras. Besagter Notausgang „ist primär nur für interne Zwecke gedacht und soll von Kunden nur in außergewöhnlichen Fällen geöffnet werden“, sagt Käufer-Schropp. Über den grünen Notkasten unterhalb der Drückergarnitur hätten die Fürstenfeldbrucker und ihre Gäste das Drehkreuz entsperren können. Offenbar haben sie diesen aber nicht bemerkt.

Notrufsäulen sollen für zusätzliche Sicherheit in der Partnachklamm sorgen

Der Schaden wurde der Sprecherin zufolge durch den Markt umgehend repariert. „Zudem werden zur Erhöhung der Sicherheit in Kürze noch zwei Notrufsäulen in der Klamm installiert, die unabhängig von anderen System funktionieren.“ Wegen Corona verzögert sich die – schon vor einiger Zeit beauftragte – Installation allerdings. Vorsorglich sollten Gäste mit Online-Tickets, von denen pro Tag zehn bis 20 die Klamm besuchen, diese am Kassenschalter durch Freikarten ersetzen lassen, „die dann fehlerfrei funktionieren“. Entsprechende Hinweise im Eingangsbereich sind mittlerweile aufgestellt.

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