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Fleißige Lieserl hält Ingrid Fink in der Hand. Sie sollte man erst nach den Eisheiligen ins Freie pflanzen, rät die Expertin der Gärtnerei Fink in Oberau. Dasselbe gilt für die Impatien, Hängebegonien und den Hibiskus auf dem Wagen.

Die vier Eisheiligen spielen für Gärtner wichtige Rolle

Geranien erst nach der Kalten Sophie

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Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia: Gärtner sollten diese vier Eisheiligen noch abwarten, bevor sie ihre frostempfindlichen Blumen pflanzen.

Landkreis – Niemals, wirklich auf keinen Fall hätten sie früher vor der Kalten Sophie die Pflanzen aus dem Keller geholt, die sie dort überwintert hatten. Ihre Eltern und Großeltern und die Generationen davor hätten mit dem Pflanzen von Geranien definitiv die Eisheiligen abgewartet, sagt Kreisbäuerin Christine Singer. Auch bei ihr sind Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophia „noch präsent“. Die vier Eisheiligen also, die ab dem heutigen 12. Mai und an den drei Folgetagen Namenstag feiern. Und auf die sich die Bauernregel bezieht: „Vor Nachtfrost du nicht sicher bist, bis Sophie vorüber ist.“ Singer kennt sie natürlich, doch hält sie sich nicht mehr zu 100 Prozent daran. Denn das Wetter habe sich verändert, „lange haben die Eisheiligen gar keine Rolle mehr gespielt“.

Das bestätigt Meteorologe Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst: „In den letzten Jahren zeigten sich diese Kaltlufteinbrüche im Mai weniger“, sagte er in einem Interview. Genauso aber beweist dieses Jahr mit dem Wintereinbruch Ende April, wie spät der Frost noch zuschlagen kann – und möglicherweise Blumen vernichtet, die zu früh gepflanzt wurden.

Gemeindegärtner hält sich eisern an Bauernregel

Günther Hensel, der sich als Gärtner um die Blumen in der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen kümmert, folgt daher eisern dem Grundsatz: Vor dem 15. Mai pflanzt er keine frostempfindlichen Blumen. Dahlien also, Begonien und Geranien können Einheimische und Touristen in öffentlichen Beeten erst ab Ende Mai oder Anfang Juni, nach der sogenannten Sommerpflanzung, bewundern. Bis dahin schmücken den Kurpark und Co. unempfindlichere Blumen wie Stiefmütterchen, Tulpen und Nelken.

Thomas Schwalm macht Gärtnern Mut. „Mit dem Bodenfrost sind wir erst einmal durch“, sagt der Wetterbeobachter der Station in Garmisch-Partenkirchen. Doch zu weit lehnt er sich nicht aus dem Fenster. Einen Rückfall in der kommenden Woche etwa könne er nicht vorhersagen. Seine Aufzeichnungen verraten ihm: 1977 gab es Garmisch-Partenkirchen am 2. Juni noch einmal Frost. Ein Rekord. Für die vergangenen fünf Jahre stellt auch er fest: Zuverlässig kommen die Eisheiligen nicht.

Demnach fielen sie 2015 und 2013 quasi aus. Denn vor vier Jahren gab es den letzten Bodenfrost nach dem Winter am 14. April. Auch vor zwei Jahren war es um die Eisheiligen herum sehr warm, doch schlug die Kälte am 28. Mai noch einmal zu. 2014 und 2016 kam der Bodenfrost am 5. beziehungsweise 6. Mai zurück. „Vorbildlich“ verhielten sich die Eisheiligen Schwalm zufolge 2012: Den letzten Bodenfrost dokumentierten die Wetterbeobachter für 14. Mai.

Auch wenn die Eisheiligen sich in den vergangenen Jahren seltener gezeigt haben und Singer ihre Pflanzen im Keller gerne bei den ersten Sonnenstrahlen ans Licht stellt: Die Kreisbäuerin aus Hofheim ist vorsichtig. Bringt sie die Blumen vor der Kalten Sophie ins Freie, „bin ich ein bisschen nervös. Da schau ich schon genau aufs Wetter“.

Wer ist Mamertus?

Die vier Eisheiligen Pankratius (12. Mai), Servatius (13. Mai), Bonifatius (14. Mai) und Sophia (15. Mai) kennt man hierzulande. Mamertus aber? Hat kaum einer schon mal gehört. Ihn zählt man in Norddeutschland ebenfalls zu den Eisheiligen. Namenstag feiert er am 11. Mai. Doch die Daten sind mit Vorsicht zu genießen. Denn 1582 veranlasste Papst Gregor VIII. eine Kalenderreform. Der Tag der „Kalten Sophie“ (15. Mai) fiel vorher auf den Tag, der heute dem 22. Mai entspricht. Mit Frost muss man demnach zwischen 19. (beziehungsweise 18.) und 22. Mai rechnen. Oder, um es mit einer Bauernregel zu sagen: „Kalte Sophie wird sie genannt, denn oft kommt sie mit Kälte dahergerannt.“ Alle vier Eisheiligen kommen in diesem Spruch vor, der auch im Landkreis über Generationen weitergegeben wurde: „Die Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi. Und zum Schluss fehlt nie, die kalte Sophie.“

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