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Entdeckungen für alle Sinne: Richard-Strauss-Tage warten mit vielen Schätzen auf

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Von: Tanja Brinkmann

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Zwei Männer blättern in Noten.
Mit der Schneiderpolka hat Dr. Dominik Sedivy (r.) der Musikkapelle Partenkirchen und ihrem Dirigenten Sepp Grasegger senior ein besonderes Stück beschert. © Thomas Sehr

Nur eines trübt Dr. Dominik Sedivys Stimmung etwas: die strengen Corona-Auflagen. Die Vorfreude auf die Richard-Strauss-Tage lässt er sich davon nicht verderben. Der Institutsleiter ist einfach zu glücklich, dass diese überhaupt stattfinden können, und er seinem Publikum etliche Entdeckungen bieten kann.

Garmisch-Partenkirchen – Freizeit, kennt Dr. Dominik Sedivy nicht. Zumindest momentan nicht. Seit Pfingsten trifft man den Leiter des Richard-Strauss-Insituts beinahe täglich in seinem Garmisch-Partenkirchner Büro an. Oft bis in die späten Abendstunden. Jetzt, wenige Tage vor dem Start der Veranstaltungsreihe zu Ehren des weltberühmten Komponisten sind noch ein paar Nachtschichten angesagt. Dem Musikwissenschaftler machen diese wenig aus, bei ihm überwiegt die Freude. Auch darüber, dass die Strauss-Tage überhaupt stattfinden können. Nach dem sechsstelligen Defizit, das unter Alexander Liebreichs künstlerischer Leitung 2019 aufgelaufen war, stand auch das im Gemeinderat zur Debatte, der sich letztlich für einen Neustart in bescheiderem Rahmen und gegen ein Festival entschied.

Darauf spielt Sedivy nicht an, vielmehr denkt er an die corona-bedingten Restriktionen, wenn er sagt: „Es ist großartig, dass wir wieder starten dürfen.“ Bis es so weit war, mussten er und seine Kollegen etliche Hindernisse überwinden. Verschiedene Szenarien durchspielen. Und doch alles wieder über den Haufen werfen. Gut zwei Wochen vor dem Beginn der Richard-Strauss-Tage, die von Donnerstag, 24., bis Sonntag, 27. Juni, stattfinden, stand endgültig fest, welche Spielregeln gelten. Es sind viel strengere, als sich Sedivy und sein Team ausgemalt hatten.

Ein Mann hängt Fahnen auf.
Ein deutliches Zeichen: Die Fahnen am Richard-Strauss-Platz weisen auf die Veranstaltungsreihe hin. © Peter Kornatz

Vor diesem Hintergrund finden alle Konzerte im Festsaal Werdenfels statt. „Dort dürfen wir aber nicht, wie angenommen, jeden sechsten, sondern nur jeden achten Platz besetzen“, bedauert Sedivy. Umgerechnet bedeutet das, dass jedem Zuhörer elf Quadratmeter zur Verfügung stehen. Und dass in dem großen Kongresshaus-Saal, der eigentlich bis zu 878 Personen Platz bietet, nur 109 Einlass finden. „Extrem“, sagt der Institutsleiter. Kommentieren will er diese Vorgaben ansonsten nicht. „Wir versuchen, das Ganze strategisch so gut und zufriedenstellend abzuwickeln, wie es nur geht.“

Musikkapelle stimmt die Garmisch-Partenkirchner auf die Strauss-Tage ein

Von den corona-bedingten Restriktionen lässt sich Sedivy die Freude keinesfalls verderben. Eigentlich „ist alles vorbereitet, und wir sind super im Budget unterwegs“, sagt er. Blickt er auf das Angebot, das er im Auftrag der GaPa Kultur gGmbH zusammengestellt hat, ist er überzeugt, „dass es richtig cool wird“. Dabei denkt er vor allem an die unbekannten Werke, die er seinem Publikum präsentiert. Die Erstfassung von Strauss’ Cellosonate, die Raphaela Gromes spielt, zählt ebenso dazu wie die Uraufführungen – zum einen die Concertouvertüre h-Moll (Camerata Salzburg mit Hornist Johannes Hinterholzer), zum anderen zwei Lieder, die Mezzosopranistin Petra Lang singen wird. Das sind wahre Schätze – auch für Sedivy.

Einen solchen hat auch die Musikkapelle Partenkirchen gehoben. Mit der Schneiderpolka, die Strauss als Sechsjähriger komponiert hat, lernen sie ein ihnen bislang unbekanntes Werk kennen. „Locker“nennt Sepp Grasegger junior dieses Stück, das durch den „Feierlichen Einzug der Ritter des Johanniterordens“ und „Also sprach Zarathustra“ ergänzt wird. Die ursprüngliche Idee, zum inoffiziellen Start der Strauss-Tage ein ganz eigenes Programm einzustudieren, mussten der Vorsitzende und sein Ensemble wegen Corona verschieben. „Das hätte nicht funktioniert, wir dürfen erst seit drei Wochen wieder proben.“ Das, was die 20 Musiker – mehr sind derzeit nicht auf der Bühne im Kurpark Partenkirchen erlaubt – am Mittwoch, 23. Juni, bieten, hat trotzdem viel Bezug zu dem Wahl-Garmischer. Neben ihm haben sie sich für Richard Wagner, Johannes Brahms und Gioachino Rossini entschieden. Wie diese mit Strauss verbunden sind, wird Grasegger den Zuhörern erzählen, denen er diese Musik näher bringen will. Das Programm sei eine Herausforderung, räumt er ein. Eine, der sich die Musiker aber gerne stellen. „Alle sind Feuer und Flamme, wir haben jedes Jahr ein Highlight-Konzert, das ist eines davon.“ Noch dazu eines, nach dem die Zuhörer die Johannifeuer genießen können.

Inspiriert von der Alpensinfonie malen Achtklässler farbenfrohe Bilder

Etwas ganz Besonderes haben auch die Jugendlichen der achten Ganztagesklasse an der Bürgermeister-Schütte-Schule geschaffen. Sie entdeckten unter Anleitung der Krüner Künstlerin Manuela Dilly die Alpensinfonie und haben 16 Bilder daraus auf Leinwand gebannt. Die jungen Künstler gingen auf die durch die Musik erzeugten Stimmungen ein und setzten diese malerisch um. Das Ergebnis: ein Zyklus von farbenfrohen Gemälden.

Auch die Küchenchefs der Werdenfelserei ließen sich von Strauss’ Klängen inspirieren und haben eine Genuss-Symphonie kreiert. Zur Alpensinfonie etwa gibt’s Gebirgsforelle mit Brennnessel, Radieserl, Apfel und Urkörnern, Die Tondichtung „Ein Heldenleben“ hat Sven Karge und Christian Hahn zum Hauptgang – Werdenfelser Lamm mit Ettaler Joghurt, Gartenerbse, wilder Minze und Holunderblütenjus – veranlasst. Und zur Oper „Der Rosenkavalier“ servieren sie das Dessert mit Wildrose, Johannisbeere, Topfen und Baiser. „Wir leisten gerne einen Beitrag zu den Strauss-Tagen“, betont Hotelchefin Monika Erhardt. „Für Garmisch-Partenkirchen ist es einfach schön, so eine hochkarätige Veranstaltung zu haben.“

Damit spricht sie Sedivy aus der Seele. Der Institutsleiter ist froh, dass nach der Zwangspause im vergangenen Jahr, in dem wegen der Pandemie nichts stattfinden konnte, endlich wieder Konzerte vor Publikum erklingen. Zudem fühlt er sich mit allem, was während dieser vier, eigentlich fünf, Tage geboten wird, „besonders verbunden“.

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