Kuriose Gerichtsverhandlung

Er spielte Hilfspolizist: Strafe für renitenten Rentner

Er hielt eine Autofahrerin an, um ihr angebliches Verhalten zu ahnden. Das brachte einen Franken vor Gericht. 

Garmisch-Partenkirchen – Selbstgerechtigkeit kann teuer kommen. Das kann sich ein 68-jähriger Rentner aus Bamberg hinter die Ohren schreiben, der sich im Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen aufgeführt hat. Vor lauter Rechthaberei schlug er den wohlgemeinten Rat des Richters in den Wind. Die Folge: Seine Strafe wegen vorsätzlicher Körperverletzung hat sich deutlich erhöht.

Dem Franken wurde von Staatsanwältin Bettina Müller in der Anklage vorgeworfen, selbst Justitia gespielt zu haben. Dazu brachte ihn am 27. September des vergangenen Jahres eine 32-jährige Garmisch-Partenkirchnerin, auf die er im Straßenverkehr traf. An der Straßenkreuzung Zugspitz- und Gernackerstraße im Kreisort riss der Mann die Seitentür ihres Autos auf und packte die Frau am Arm. Als sie diesen eilig zurückzog, hätten seine Finger sie eher versehentlich gekratzt. Dafür hatte er auch prompt einen Strafbefehl über 1200 Euro erhalten (30 Tagessätze à 40 Euro). Weil er dagegen Einspruch erhob, saß er jetzt auf der Anklagebank.

Warum er nicht zahlen wollte, war für den Franken klar: Schließlich, sagte er mit fester Stimme, habe die Frau gleich zwei Straftaten begangen. Taten, die es sofort zu ahnden galt. Zum einen hätte die Frau ihn knapp überholt und sein Fahrzeug geschnitten. Zum anderen habe sie die gesamte Strecke, die er vorher hinter ihr hergefahren war, am Handy gesprochen: „Für das unablässige Telefonieren, das sie auch danach weiterführte, wollte ich sie zur Rede stellen.“ Zwar habe sie abweisend reagiert, als er sie ermahnen wollte. „Doch berührt habe ich sie keineswegs.“

Selbst als Richter Andreas Pfisterer dann auch Fotos der angekratzten Hand zeigte, bestritt der Mann weiter, mit der Verletzung etwas zu tun zu haben. Überdies sei die Frau beim Überholvorgang sowieso zu schnell gefahren.

„Eigentlich hätten Sie Polizist werden müssen“, sagte der Richter zu dem Mann. Es sei jedoch keineswegs seine Aufgabe, die Frau wegen der Ordnungswidrigkeit des Telefonierens handfest am Arm zu packen. „Ich selbst“, ergänzte die Betroffene, „habe Sie überhaupt nicht überholt, war die ganze Zeit hinter Ihnen.“ Wichtiger noch: „Ich habe eine Freisprecheinrichtung im Auto und durfte deshalb, weil das Gespräch praktisch über den Lautsprecher lief, telefonieren.“

Dies sei eine glatte Lüge, blieb der Angeklagte dabei. „Eine Umkehrung des Straftatbestandes“, betonte er. „Sie sind doch kein Hilfspolizist“, unterstrich daraufhin die Staatsanwältin die Meinung des Richters. „Es steht Ihnen nicht zu, irgendjemanden auf der Straße zu maßregeln. Das ist keineswegs Ihre Aufgabe, zumal die Frau auch noch verletzt wurde.“ Richter Pfisterer riet dem Mann, den Einspruch zurückzunehmen. Denn falls er ein Urteil sprechen müsse, könne das Ergebnis nur teurer werden. Doch nein, erklärte der Bamberger mit gehobener Stimme, er nehme den Einspruch keinesfalls zurück.

Es kam, wie es kommen musste: Zwar stehe Aussage gegen Aussage, erklärte die Staatsanwältin, was Zweifel zulasse. Andererseits wirke der verfolgungswütige Rentner weniger glaubwürdig als die Frau. Deshalb beantragte sie eine Geldstrafe über 2100 Euro (70 Tagessätze à 30 Euro). Der Richter war der Überzeugung, dass sich der Vorfall so zugetragen habe, wie die Anklage beschrieben. Die Verletzung sei zwar kaum der Rede wert. „Unabhängig davon geht es Sie überhaupt nichts an, wenn jemand ordnungswidrig mit dem Handy telefoniert: Sie haben kein Recht einzugreifen“. Darum sei die von der Anklägerin geforderte Geldstrafe von 2100 Euro als Urteil angebracht. Dagegen will der Franke Rechtsmittel ergreifen.

Rubriklistenbild: © dpa

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