Ein Sorgenkind der Behörden: die Garmisch-Partenkirchner Siedlung Am Weidlegraben.
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Ein Sorgenkind der Behörden: die Garmisch-Partenkirchner Siedlung Am Weidlegraben.

Aufregung im Garmisch-Partenkirchner Wohngebiet Am Weidlegraben

Erhöhte Schadstoffwerte: Das Risiko im Untergrund

  • Andreas Seiler
    VonAndreas Seiler
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Im Garmisch-Partenkirchner Wohngebiet Am Weidlegraben steht möglicherweise eine aufwändige und teure Altlasten-Sanierung an. Der Grund: Bei Probeuntersuchungen wurden erhöhte Schadstoffwerte festgesellt. Überraschend ist dies nicht. Denn dort befand sich einst eine Hausmülldeponie der Gemeinde.

Garmisch-Partenkirchen – Bodenuntersuchungen sind eine Wissenschaft für sich. Weil es die unterschiedlichsten Wechselwirkungen mit Giftstoffen gibt, die sich im Untergrund befinden können. Eine Gefahr für die Gesundheit besteht beispielsweise dann, wenn diese ins Grundwasser gelangen oder über angebautes Gartengemüse aufgenommen werden. Müll, der unter der Oberfläche schlummert, lässt dieses Risiko nach oben schnellen – ein Szenario, das gar nicht mal so selten vorkommt.

Auf Gelände befand sich einst eine Mülldeponie

Mit einem solchen Fall sehen sich aktuell die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen und das Landratsamt konfrontiert – für die beiden Behörden ein Stresstest mit vielen offenen Fragen. Es geht um das Wohngebiet Am Weidlegraben im Kreisort, eine Siedlung, die vor allem in den Wirtschaftswunderjahren entstand. Doch die Idylle hat einen Makel. Denn auf dem Gelände befand sich früher die Hausmüll- und Bauschuttdeponie der Gemeinde. Vermutlich seit den 1920er Jahren wurde dort bis Kriegsende allerhand Unrat entsorgt. Dabei kam offenbar eine gewaltige Menge zusammen, die unter der Erde lagert. Anno dazumal ging man in Sachen Abfall nicht gerade zimperlich um. Was damals nicht mehr gebraucht wurde, landete kurzerhand in einer solchen Grube – häufig auch Problemmüll.

Dass die Rückstände Schwierigkeiten bereiten könnten, diese Befürchtung ist nicht neu. Bereits 1999 wurden im Zuge einer Straßensanierung bei entnommenen Bodenproben – der Markt hatte dazu die Seehauser Firma Ahutec beauftragt – überhöhte Werte festgestellt. Allerdings wurde die Sache, das ist das Verwunderliche, nicht weiterverfolgt – trotz der Empfehlung, eine „detaillierte Gefährdungsabschätzung“, wie es in der Expertensprache heißt, vorzunehmen. Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) vermutet, dass damals das Problembewusstsein noch nicht sonderlich stark ausgeprägt war. Das Bodenschutzgesetz trat erst zu jener Zeit in Kraft.

Jetzt, über 20 Jahre später, wird das Thema erneut aufgegriffen. Der Auslöser, der das Ganze ins Rollen brachte, war der pure Zufall, wie Ulrich Reuber, Oberregierungsrat im Landratsamt, bei einem Pressegespräch erläuterte. Seinen Angaben zufolge ermittelte das Wasserwirtschaftsamt Weilheim an einer Grundwasserstelle auffällige Daten. Nun schrillen abermals die Alarmglocken. Denn eine 2020 in Auftrag gegebene Bodenuntersuchung der Münchner Firma SakostaCau kam ebenfalls zum Ergebnis, dass auf der „Altlastenverdachtsfläche“, wie das Gebiet genannt wird, eine Reihe an Prüfwerten überhöht ist. Dabei handelt es sich beispielsweise um Schwermetalle und Verbrennungsrückstände. Insgesamt waren 56 Bohrungen vorgenommen worden.

Gemeinde muss weiterführende Untersuchungen veranlassen

Und wie geht’s jetzt weiter? Das Landratsamt als zuständige Behörde erließ kürzlich eine bodenschutzrechtliche Anordnung gegenüber dem Markt Garmisch-Partenkirchen. Dieser muss weiterführende Untersuchungen veranlassen. „Wir stellen uns vollumfänglich unserer Verantwortung“, betont Koch, die maximale Transparenz verspricht. Ziel sei eine „vollständige, fachliche Aufklärung“. Für dieses Vorgehen gab der Gemeinderat im nichtöffentlichen Teil seiner Sitzung am Donnerstagabend grünes Licht.

Die Angelegenheit ist heikel. Denn es geht um die Gesundheit der Bürger. Das Landratsamt empfiehlt in einem Info-Schreiben an die Betroffenen, angebautes Gemüse aus den Gärten der Siedlung vor dem Verzehr vorsorglich zu waschen.

Gutachter müssen nun klären, ob tatsächlich eine Kontamination des Bodens vorliegt und ob von dieser eine Gefahr ausgeht. Noch steht nichts fest, aber möglicherweise muss des Gelände umfangreich saniert werden. Projekte dieser Art sind nicht nur technisch anspruchsvoll, sondern vor allem ausgesprochen teuer. So könnte es sein, dass größere Mengen Boden ausgetauscht werden müssen. Die Kosten müsste der Markt Garmisch-Partenkirchen tragen. Allerdings könnte dieser mit einer dicken Finanzspritze der Gesellschaft zur Altlastensanierung in Bayern rechnen. Diese gemeinsame GmbH der bayerischen Wirtschaft und des Freistaats greift den Kommunen ebenso bei den Expertisen finanziell unter die Arme.

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