Das tote Muttertier, das Wanderer damals im Schachengebiet fanden.
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Kein schöner Anblick: Das tote Muttertier, das Wanderer damals im Schachengebiet fanden.

Verfahren gegen erfahrenen Jäger (69) eingestellt

Wildfrevel im Wetterstein: Es bleibt nur eine Ordnungswidrigkeit

  • vonAlexander Kraus
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Der Vorfall hat in Garmisch-Partenkirchen hohe Wellen geschlagen. Nun wurde der Wildfrevel im Wetterstein gegen einen Jäger gegen ein Ordnungsgeld eingestellt.

Garmisch-Partenkirchen – Vom Verstoß gegen die Jägerehre, einem traurigen Vorfall, ist im vergangenen Jahr die Rede gewesen, als ein erfahrener Weidmann aus Garmisch-Partenkirchen zwei Rotwild-Alttiere geschossen hatte. Von einem Unglück, einem Missverständnis, das sich im Staatsjagdrevier „Steilen“ im Wetterstein abspielte, sprach der Jäger selbst.

Vor dem Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen kam es nun zur Verhandlung in dieser Sache. Der 69-Jährige hatte einen Strafbefehl über 2000 Euro erhalten, gegen den er Einspruch einlegte. Die Staatsanwaltschaft warf ihm mehrfache Verstöße gegen das Bundesjagdgesetz vor. Andreas Pfisterer sah nach knapp zweistündiger Verhandlung jedoch „kein Strafbedürfnis“. Der Richter ließ das Verfahren mit Zustimmung des Staatsanwaltes gegen eine Geldauflage von 500 Euro einstellen.

Für Pfisterer gab es einen entscheidenden Punkt: „Es ist nicht mehr feststellbar, ob zum Zeitpunkt der Schussabgabe ein Jungtier vorhanden war.“ Zwar hat der Jäger am 19. Juni 2020 mit seinem zweiten Schuss ein erkennbar führendes Alttier erlegt – von einem solchen spricht der Fachmann, wenn das Tier ein Kalb mit sich führt, was am prall gefüllten Gesäuge der Mutter zu erkennen ist. Jedoch fehlt der Nachweis des dadurch verwaisten Kalbes.

Eine Sekunde. Das war ein Reflex.

Der Angeklagte

Der Angeklagte gab an, dass er nur ganz wenig Zeit gehabt habe, um zu reagieren. „Eine Sekunde. Das war ein Reflex.“ Das Gesäuge der Hirschkuh habe er nicht gesehen. Zuvor hatte der Beschuldigte bereits geschossen – und ebenfalls getroffen. Das nach seiner Ansicht einjährige Schmaltier (weiblicher Hirsch) sei davongelaufen und im Gehölz verschwunden. Nach kurzer Zeit blickte das scheinbar nur angeschossene Tier durchs Dickicht. „Ich habe sofort den zweiten Schuss gesetzt“, berichtete der Angeklagte. In der irrigen Meinung, es handle sich um dasselbe Tier.

Das war es aber nicht, wie sich wenig später herausstellte. Denn das vom Schützen als erstes erlegte Rotwild war ein Schmaltier, das im Frühjahr nicht gejagt werden darf. Die zweite Hirschkuh ergriff die Flucht und wurde zwei Tage danach wenige hundert Meter entfernt im Bereich des Schachens von Wanderern tot aufgefunden – ein Muttertier, das schon vom Fuchs angenagt war, dessen Jungtier offenbar nie gefunden wurde.

40 Jahre Berufserfahrung

Pflichtbewusst hatte der Jäger – nach eigener Aussage 40 Jahre Berufserfahrung – das geschossene Stück in die Wildkammer nach Farchant gebracht. Das erlegte Rotwild entpuppte sich als Alttier, das er wegen der geltenden Schonzeit nicht hätte schießen dürfen. Als Schützen trug er im Eingangsbuch seinen Sohn, ebenfalls Jäger, ein. „Das war reiner Unsinn, reines Versehen“, verteidigte sich der Angeklagte. Er sei im Gespräch mit anderen Jägern und abgelenkt gewesen. „Das hat keinen Hintergrund, es gibt dadurch keinen Vorteil“, widersprach er Nachfragen Pfisterers und des Staatsanwalts nach etwaigen Abschussprämien oder Mindestabschussquoten.

Polizist Anton Berndaner schilderte dem Gericht, dass das erlegte Alttier im ersten Fall nicht so einfach als solches zu erkennen gewesen sei. „Das Gesäuge war nicht ausgeprägt, das könnte man verwechseln“, betonte der Beamte, der in diesem Fall ermittelte. Und der zweite Schuss? „Er hat gemeint, er schießt nochmals auf das erste Tier“, urteilte Berndaner.

Wir haben hier in Garmisch eine dynamische Tierschützerszene. Das zieht Kreise.

Polizist Anton Berndaner

Warum damals in den Medien so ein Wirbel entstanden sei aufgrund des Vorfalls, wollte Pfisterer vom Beamten wissen. „Wir haben hier in Garmisch eine dynamische Tierschützerszene. Das zieht Kreise“, betonte der Polizist, der selbst Jagdscheininhaber ist. Er berichtete von der Konkurrenz der Tierschützer und Waldbesitzer, die sich nicht immer grün seien.

Pfisterer hatte genug gehört. Der Staatsanwalt lenkte auch ein. Verteidiger Arnulf Kowalski erwähnte, dass die Untere Jagdbehörde seinem Mandanten bei einer Bestrafung den Jagdschein nicht verlängere. Was an Vorwürfen blieb, war der Verstoß gegen die Schonzeitverordnung – eine Ordnungswidrigkeit. Der Richter sah das vorstrafenlose Leben des Beschuldigten, die 40 Jahre Berufserfahrung. „Da war nie was gewesen“, sinnierte der Richter. Gegen eine Zahlung von 500 Euro, die an die Bergwacht Garmisch-Partenkirchen gehen, wurde das Verfahren eingestellt.

Der Ausgang des Prozesses gefiel nicht allen: Tier- und Jagdschutzverbände haben angekündigt, den Beschluss Pfisterers prüfen zu lassen.

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