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Wanktunnel jetzt fordern gut 450 Teilnehmer der Radl-Demo durch den Ortsteil Partenkirchen.

Das sind die großen Baustellen in der Region

Es geht wieder voran: Millionen-Projekte sind in Arbeit

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Der Stillstand ist vorbei: Das betrifft den Kramertunnel, dessen Weiterbau bereits vorbereitet wird, aber auch den Wanktunnel, der endlich geplant werden darf. Auch die übrigen Millionen-Projekte an den Straßen im Landkreis beschäftigen das Staatliche Bauamt Weilheim.

Landkreis – Es sind große, ehrgeizige Projekte, die im Landkreis Garmisch-Partenkirchen anstehen. Davon konnte sich Nadine Heiß, die Dr. Hermann Streicher im Staatlichen Bauamt in Weilheim als Abteilungsleiterin beerbt hat, gleich nach ihrem Dienstantritt im Juni überzeugen. „Ich habe sie mir alle angeschaut.“ Es sind Vorhaben, die mehrere hundert Millionen Euro verschlingen und die für die Region von immenser Bedeutung sind: die Ortsumgehungen von Garmisch-Partenkirchen mit dem Kramer- und Wanktunnel, die Umfahrungen Oberau sowie Murnau, die Hochwasserfreilegung Murnau-Schwaiganger im Zuge der Staatsstraße 2062 und das grenzübergreifende Projekt, die Lawinenverbauung zwischen Mittenwald und Scharnitz. Ein Überblick:

Mittenwald

Die Grenze ist zu: Wieder einmal ist die Bundesstraße zwischen Mittenwald und Scharnitz geschlossen. 

Der Wunsch nach einer Lawinenverbauung im Bereich Marchklamm besteht seit Langem. Erfüllt wurde er bislang nicht, obwohl Bundesstraße und Bahnlinie im Winter immer wieder gesperrt werden müssen. Zu groß ist die Gefahr, dass beides verschüttet wird – wie 2003. Jetzt kommt zumindest etwas Bewegung in das Projekt. „Wir stecken mitten in der Vorplanung“, sagt Werner Hüntelmann, Sachgebietsleiter Planung und Bau des Staatlichen Bauamts Weilheim. Noch im Herbst soll diese samt Machbarkeitsstudie und Kostenschätzung vorliegen. „Dann setzen sich die Beteiligten zusammen.“ Wird der Bau einer Lawinengalerie weiterverfolgt, müssen sich die bayerischen und Tiroler Straßenbauverwaltungen sowie die Deutsche und die Österreichische Bahn einigen.

Garmisch-Partenkirchen

Die Vorarbeiten, um möglichst schnell den Weiterbau des Kramertunnels, der den Ortsteil Garmisch vom Verkehr entlasten soll, wieder aufzunehmen, laufen. „Wir sind optimistisch, dass es im Herbst 2019 losgeht“, sagt Heiß. Dann wird der Erkundungsstollen fertiggestellt und parallel dazu der Bau der Hauptröhre begonnen (ausführlicher Bericht folgt).

Die Voruntersuchungen, die im Zuge der Bewerbung um Olympische Winterspiele erfolgten, nennt Heiß „relativ gut“. Darauf können sie und ihre Kollegen nun aufbauen, um den 3,5 Kilometer langen Wanktunnel voranzutreiben. Dieser wird ebenfalls aus einem Haupt- und einem Rettungsstollen bestehen. Angesichts veränderter Richtlinien ist es erforderlich, den Bereich neu zu kartieren. Dafür gilt es allerdings, eine komplette Vegetationsperiode zu betrachten. „Das sollte im kommenden Sommer abgeschlossen sein“, meint Heiß. Parallel dazu stößt die Weilheimer Behörde die technische Planung für die Partenkirchner Umfahrung an, die im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans eingestuft ist. Unter anderem müssen die Anschlussstellen Nord und Süd, zwischen denen ein Höhenunterschied von 125 Metern besteht, noch einmal auf aktuelle Vorschriften überprüft werden. Mit einem Vorentwurf für dieses Projekt, das 2011 mit 160,4 Millionen Euro veranschlagt wurde, rechnet Hüntelmann „frühestens 2020“. Dieser werde dann geprüft und genehmigt, ehe das Planfeststellungsverfahren anläuft. In diesem Zug erfolgen dann eine Umweltverträglichkeitsstudie sowie die Artenschutz- und die FFH-Verträglichkeitsprüfung. Geologische Gutachten liegen bereits vor. Daher weiß Hüntelmann, dass die Arbeiter im Norden kompakter und im Süden sehr inhomogener Fels mit tiefen Einschnitten erwartet. „Nach den Erfahrungen am Kramer legen wir ein besonderes Augenmerk auf die Quellen“, verspricht Heiß.

Oberau

Noch steht nicht fest, wie die B 23 von Ettal kommend in die neue Oberauer Umfahrung eingeschleift wird. „Wir untersuchen alle möglichen Varianten“, sagt Hüntelmann. Darunter auch die der Initiative „NO B23“, die sich gegen die Idee stemmt, die Bundesstraße auf Höhe der ersten Haarnadelkurve nach Ettal am Mühlberg entlang zum Nordportal zu verlegen. Den Mitgliedern schwebt vielmehr ein Kreisverkehr nahe Aldi vor inklusive unterirdischer Anschlüsse in den Tunnel. „Ob das funktioniert, wird auch geprüft“, versichert Heiß. Genau wie die Trasse am Mühlberg entlang, bei der unter anderem das Katzental überwunden werden muss. „Das ist ein Eingriff in die Natur“, räumt Hüntelmann ein. Erst wenn all diese Untersuchungen abgeschlossen sind, „geht die Diskussion weiter“. Unter Zeitdruck sehen sich die Vertreter der Weilheimer Behörde nicht. Auch wenn der Tunnel 2021 eröffnet wird, bleibt die alte Verkehrsführung noch bestehen.

Achrain

Wegen Überflutung ist die Staatsstraße 2062 bei Achrain immer wieder gesperrt. Das soll sich ändern.

Die Rodung für den Radweg, der vom Murnauer Moos Richtung Schwaiganger führt, beginnen im Herbst. Die Verbindung lässt allerdings noch auf sich warten. Zunächst muss die Höherlegung der Staatsstraße 2062 bei Achrain, die regelmäßig wegen Hochwasser gesperrt ist, vorangetrieben werden. Auf einer Länge von rund 600 Metern wird die Fahrbahn um maximal 2,80 Meter angehoben und dieser Damm mit 20 Durchlässen versehen. Ende dieses Jahres soll die Planung abgeschlossen sein, um dann ins Planfeststellungsverfahren zu starten. „Unser Ziel ist es, das Ganze so schnell wie möglich umzusetzen“, betont Heiß. Schließlich sitzen ihr und ihren Kollegen die Gemeinden Murnau und Ohlstadt im Nacken, die den Radweg fertigstellen wollen.

Murnau

Der historische Ortskern ist zwar entlastet, aber noch immer rollen jede Menge Motorräder, Pkw, Lkw und Busse durch Murnau. Abhilfe soll eine Umfahrung bringen, die auch im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans eingestuft ist. „Die Ortsdurchfahrt ist Teil der überregionalen Nord-Süd- Verbindung zwischen Starnberg, Weilheim und Garmisch-Partenkirchen“, heißt es darin. Das hohe Verkehrsaufkommen von bis zu 17 000 Fahrzeugen pro Tag und etliche, hoch belastete Einmündungen und Kreuzungen führen demzufolge regelmäßig zu erheblichen Staus in den Spitzenverkehrszeiten.

Soviel zur Theorie. In der Praxis passiert momentan allerdings nichts, um die Murnauer zu entlasten. „Angesichts der Fülle an Projekten im Landkreis Garmisch-Partenkirchen laufen momentan keine Planungen“, bestätig Abteilungsleiterin Heiß. Zwar existiert die so genannte Westtangente auf dem Papier – „aber nur von der Gemeinde“, sagt Heiß. „Von uns gibt’s bislang keine Pläne.“ Fraglich also, ob die Idee zum Tragen kommt, am Kreisverkehr am Bahnhof einen vierten Arm zu öffnen, um dann in einem Tunnel unter der evangelischen Kirche Richtung Kemmelgelände zu gelangen. „Diese Linie wäre theoretisch möglich“, sagt Hüntelmann. Dafür sei auch ein Korridor im Kemmelareal freigehalten worden. „Allerdings müssen wir bei Null anfangen.“ Mit der Folge: Alle Trassenvarianten müssen zunächst unter die Lupe genommen werden. Auch wenn die Weilheimer Behörde derzeit dieses Vorhaben nicht vorantreibt, „wollen wir natürlich den Gemeinden in ihrer Entwicklung nicht im Weg stehen“, betont Heiß. Daher hält sie es für sinnvoll, dass Murnau und Seehausen gemeinsam ein Flächennutzungskonzept aufstellen. „Das würde uns sehr helfen.“

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