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Bayerische Zugspitzbahn: Es wird beschneit – für wann auch immer

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Von: Katharina Bromberger

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Eine Schneelanze schießt Kunstschnee in den Himmel, im Vordergrund sieht man Ansätze der unpräparierten Piste.
Die Schneekanonen und -lanzen laufen im Skigebiet Garmisch Classic. 1,35 Millionen Euro investiert die Zugspitzbahn in den Kunstschnee. Um bereitzustehen, wenn sie den Betrieb starten darf. © Bayerische Zugspitzbahn

Planen kann die Bayerische Zugspitzbahn nicht. Deshalb gilt: Sparen, wo möglich, Geld investieren, wo nötig. Etwa in Kunstschnee. Das Skigebiet Garmisch Classic wird beschneit. Auch ohne konkreten Eröffnungstermin.

Garmisch-Partenkirchen – Drei Euro und zehn Cent. Beziehungsweise ein Euro sechzig für Kinder. So viel kostet die Fahrt mit der Zahnradbahn von Garmisch-Partenkirchen nach Grainau. Ein paar Gäste kaufen sich jeden Tag ein Ticket. Der einzige Umsatz, den die Bayerische Zugspitzbahn, ein Unternehmen mit 500 Mitarbeitern, derzeit macht. Gut, sagt Vorstand Matthias Stauch, geht es ihm und seinem Team aktuell natürlich nicht. Die Ungewissheit „nagt an einem. Das macht dir zu schaffen“. Doch ihm hilft seine Grundhaltung: Er sei der „Zweckoptimist von dem Herrn“. Zugleich Realist. Und Finanzexperte als langjähriger Kaufmännischer Vorstand. Ideale Eigenschaften, um derzeit Entscheidungen zu treffen. In diesen Tagen, in denen alles noch in der Schwebe ist.

Der Kopf eines Mannes, der leicht lächelt.
Matthias Stauch ist Vorstand der Bayerischen Zugspitzbahn. © Bayerische Zugspitzbahn

Zwei Stunden traf er sich mit seiner Mannschaft am Montag, um darüber zu sprechen, wie das Unternehmen genau mit dieser unsicheren Situation umgeht. Beispielsweise stellt sie den Verkauf von Saisonpässen ab sofort ein. Recht schnell stand zudem fest: Wir beschneien. Die Grundlage für einen Skibetrieb im Gebiet Garmisch Classic muss jetzt gelegt werden. Sonst bräuchte man schon einen Top-Winter – wie es ihn seltenst gibt –, um die Pisten zu präparieren. Die Beschneiung kostet. 4,50 Euro pro Kubikmeter Schnee, rechnet Stauch. Etwa 300 000 Kubikmeter werden benötigt. Macht 1,35 Millionen Euro. Am Ende vielleicht umsonst? Das Szenario Total-Ausfall kommt bei Stauch nicht vor, ebenso wenig wie bei Vertriebsleiter Klaus Schanda. „Wir gehen von einem Skibetrieb aus, müssen davon ausgehen.“ Als Ziel gilt nach wie vor, die Winter-Pisten-Saison im Gebiet Garmisch Classic am 5. April, auf der Zugspitze am 2. Mai zu beenden. Die große Frage ist, wann sie überhaupt startet.

Skibetrieb: Möglicher Start am 20. Dezember - doch daran glaubt niemand

Am 10. Dezember wird Ministerpräsident Markus Söder vor die Presse treten. Theoretisch könnte er den Skibetrieb ab 20. Dezember erlauben, so lange gilt der Stopp aktuell. Bei der BZB stünde man bereit. Zehn Tage braucht sie, um alles für den Saisonstart zu organisieren. Würde genau passen. Doch niemand glaubt, dass es so kommt. Vielmehr rechnet jeder mit einer Verlängerung bis 10. Januar. Schon nach Söders Auftritt am vergangenen Donnerstag hatte das Unternehmen das Aus für den Skibetrieb 2020 verkündet. Selbst Optimist Stauch sagt: „Die Weihnachtsferien können wir wohl abschreiben.“ Und damit ein Drittel des Winterumsatzes.

Den generiert die Bergbahn, die ihre Einnahmen jeweils etwa zur Hälfte im Sommer und im Winter erzielt, zwischen 20. Dezember und 10. Januar. Stauch denkt dennoch positiv. Zahlen liegen ihm noch keine vor. Doch sei der Sommer nach dem Lockdown im Mai sicher gut gelaufen. Man habe Geld auf die Seite gelegt, sich etwas „Sommerspeck“ zugelegt. Das hilft. Zudem wird gespart.

Zugspitzbahn spart: Alles, was Luxus ist, wird verschoben

An nötigen Investitionen – der neue Bahnhof etwa oder Reparaturen und Modernisierungen der Bahnen – hält das Unternehmen fest, „alles, was Luxus ist, wird verschoben“. Dazu gehört der alte Seillift zwischen Längenfelder und Kreuzeckbahn. „Der nervt jeden“, sagt Schanda. „So richtig“, bekräftigt Stauch. Durch einen Zauberteppich sollte er ersetzt werden. Das muss warten. Personalabbau aber, betont der 59-Jährige, „ist bei uns absolut kein Thema“.

Ohnehin macht er sich finanziell um die BZB, die nach vielen schweren Jahren erst seit 2007 schwarze Zahlen schreibt, keine Sorgen. Sicher werden die Einbrüche das Unternehmen lange begleiten. Doch habe die BZB gut gewirtschaftet. Zudem biete sie etwa mit der Seilbahn Zugspitze Produkte, die ziehen. „Die Gäste werden schnell wiederkommen.“ Und helfen, dass sich die BZB rasch erholt.

Zugspitzbahn: Großteil der Mitarbeiter muss in Kurzarbeit - Saisonkräfte bereits eingestellt

Am meisten leid tut es Stauch um die Mitarbeiter. Einen Großteil – das Vertriebsteam hat es bereits getroffen, viele werden folgen – muss er bald in Kurzarbeit schicken. Das gilt auch für die Saisonkräfte. Sie hat Stauch bereits eingestellt, 50 bis 60 fürs Skigebiet, 20 bis 30 für die Gastronomie. Auch wenn die BZB versuchen wird, das Geld aufzustocken: „Das tut mir in der Seele weh.“ Denn: „Die Leute wollen anpacken.“ Er erlebt sie voll motiviert und voller Ideen. Am Ende aber, sagt der Zweckoptimist, werde es mit diesem Team gelingen, „dass wir den Karren aus dem Dreck ziehen“.

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