„Wie Weihnachten und Ostern zusammen“

Ex-Biathletin Laura Dahlmeier bei der Berglauf-WM - So kam der Start zustande

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Trainer Kurt König feiert: Ex-Biathlon-Star Laura Dahlmeier startet bei der Berglauf-Weltmeisterschaft. Der Mittenwalder kann sich dafür auch ein wenig selbst feiern. 

Kurt König betreut die deutschen Bergläufer. 

Garmisch-Partenkirchen – Fünf Monate nach ihrem Karriereende meldet sich Laura Dahlmeier (26) zurück im Wettkampfsport: Die Biathlon-Doppelolympiasiegerin aus Garmisch-Partenkirchen startet am 15. und 16. November bei den Berglauf-Langstrecken-Weltmeisterschaften. 41,5 Kilometer und 2184 Höhenmeter will sie im argentinischen Villa la Angostura bezwingen. Eingefädelt hat das der Mittenwalder Kurt König, der das deutsche Berglauf-Team betreut. Wie, das verrät er im Tagblatt-Interview.

Herr König, haben Sie kurz Zeit?

Normalerweise würd’ ich sagen nein (lacht). Ist ja Feiertag, und ich sitz’ mit Spezln auf der Mittenwalder Hütte. Aber mal ehrlich, das ist ja eine absolute Ausnahmesituation. Also: Freilich hab’ ich Zeit.

Eine Ausnahmesituation gleich?

Definitiv. Dass Laura Dahlmeier im Berglauf-Team startet – die Nachricht hat nicht nur unter Sportlern eingeschlagen. So viel Aufmerksamkeit hatten wir für unseren Sport noch nie.

Ein Glücksfall also für Sie und das Team.

Mehr noch. Das ist wie Weihnachten und Ostern zusammen.

Haben Sie angerufen und gesagt: Hey Laura, hast Du Mitte November was vor? Wir fliegen nach Argentinien und hätten noch
einen Platz frei.

(lacht) So ähnlich. Natürlich verfolge ich Lauras Karriere schon lange. Freilich hab’ ich mitbekommen, dass sie in der Heimat während und nach ihrer Karriere bei Bergläufen mitgemacht hat (unter anderem gewann sie 2019 den Zugspitz Basetrail über 38,7 Kilometer und den Karwendelmarsch über 52 Kilometer, Anm. d. Red). Ich hab’ auch gesehen, wie sie läuft. Das hat mir gefallen. So kam mir früh der Gedanken: Mensch, die Laura wär’ was für uns.

Und wie hat sie von Ihren Träumen erfahren?

Anfang September bin ich in den Urlaub geflogen. Da saß ich also am Flughafen rum, hab’ auf die Maschine Richtung Lanzarote gewartet, hab’ noch einmal an ihr Ergebnis vom Karwendelmarsch ein paar Tage zuvor gedacht (Dahlmeier stellte bei den Damen einen neuen Streckenrekord auf, Anm. d. Red) – und sagte mir: Kurt, das musst Du jetzt mal angehen. Ich hab’ einem gemeinsamen Bekannten eine Nachricht geschrieben mit meiner Idee. Ob er die nicht Laura weitergeben kann. Eine halbe Stunde später hat sie angerufen.

Wie war ihre Reaktion?

Ihre Worte: „Das ist cool.“

Damit war’s entschieden?

So ziemlich. Freilich gab’s noch ein paar Formalitäten und Sponsorenfragen zu klären. Aber Laura ist so eine coole Socke. Die hat darauf einfach Lust. Darum hatte ich nach dem Gespräch auch das Gefühl, dass das klappt.

Muss man sich nicht für so eine Weltmeisterschaft erst offiziell qualifizieren?

Doch. Die Richtlinien hat sie mit ihrem Sieg beim Basetrail erfüllt. Um fest im Kader zu stehen, müsste sie einen sechsten Platz bei den Europameisterschaften vorweisen. Doch Laura ist mehrfache Weltmeisterin, Doppel-Olympiasiegerin...

Im Biathlon.

Das macht nichts. Diese Erfolge haben einen ganz anderen Charakter. Sie ist ein Profi.

So wie viele andere ja auch.

Nicht in Deutschland. Da lebt von diesem Sport niemand.

Sie nimmt also niemandem den Startplatz weg?

Auf keinen Fall. Wir reisen mit einem kleinen Team an: zwei Frauen, mit Stefanie Doll übrigens die Schwester von Biathlet Benedikt Doll, und drei Männer.

Was erwarten Sie von
Laura Dahlmeier?

Nichts – und das sage ich nicht nur so. Sie soll ganz ohne Druck starten, einfach laufen und Spaß haben. Es lässt sich auch gar nicht einschätzen, wo sie international steht. Die Konkurrenz im Laufbereich ist riesig.

Wird Laura Dahlmeier nun fester Teil des deutschen Berglauf-Teams?

Erst einmal ist die WM eine Eintagsfliege. Was danach kommt – keine Ahnung, und das ist gerade auch nicht wichtig. Laura soll ihr Leben leben, soll das machen, was ihr Spaß macht. Im Moment ist das halt, schnell in den Bergen umeinanderzulaufen. Zu unserem großen Glück. 

Lesen Sie auch: 

Hintergrundinformationen und Geschichten zu Laura Dahlmeier

Laura Dahlmeier: Biathlon-Olympiasiegerin beendet mit nur 25 Jahren Karriere - Neuner überrascht

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