Die Führung des Klinikums Garmisch-Partenkirchen verfolgt seit langem Expansionspläne.
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Die Führung des Klinikums Garmisch-Partenkirchen verfolgt seit langem Expansionspläne.

Interesse an kriselndem Krankenhaus Wolfratshausen

Expandiert das Klinikum Garmisch-Partenkirchen?

  • Peter Reinbold
    VonPeter Reinbold
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Kleine Kliniken haben es schwer. Deshalb ist Landrat Anton Speer offen für Gespräche mit Kreiskrankenhaus Wolfratshausen: Expandiert das Klinikum Garmisch-Partenkirchen?

Garmisch-Partenkirchen – Kleine Kliniken haben’s schwer. Etliche schreiben rote Zahlen, was von der Politik nicht gern gesehen wird. Auch solche, die sich in kommunaler Hand befinden kämpfen ums Überleben, wenn die Wirtschaftlichkeit in Schieflage geraten ist. Einige regionale Beispiel: Der Landkreis Weilheim-Schongau schloss vor Jahren das Krankenhaus in Peißenberg, das in Penzberg sollte ebenfalls dichtgemacht werden.

Erst nach Bürgerprotesten wurde das Penzberger Haus erhalten und an das Klinikum Starnberg verkauft. Das Klinikum Garmisch-Partenkirchen, das sich ebenfalls um das 100-Betten-Hospital bemüht hatte, kam nicht zum Zug. Jetzt wird den Garmisch-Partenkirchnern wieder Interesse an einem kriselnden Krankenhaus in der Region nachgesagt. Die Kreisklinik Wolfratshausen (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) brauche laut Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler) einen strategischen Partner, um sie „robust und sturmfest“ zu machen.

Garmisch-Partenkirchen kommt in Frage, genauso wie der Klinikkonzern Asklepios, Starnberg und das Krankenhaus Agatharied

Als einer, der dafür in Frage kommt, wird neben dem Klinikkonzern Asklepios, Starnberg und dem Krankenhaus Agatharied auch Garmisch-Partenkirchen gehandelt. Aus Sicht der Unternehmensberatung Vicondo, die eine Studie zur Gesundheitsversorgung im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen erstellt hat, wäre es jetzt ein guter Zeitpunkt gewesen, mit all diesen Häusern Verhandlungen aufzunehmen.

Frank Niederbühl ist Geschäftsführer des Klinikums.

In Garmisch-Partenkirchen ist man überrascht, dass das Klinikum im Zusammenhang mit Wolfratshausen genannt wird. Dieses Thema habe man der Presse entnommen, teilt Martina Tille aus der Presseabteilung mit. „Von Seiten des Klinikums gibt es weder Konzepte noch Angebote“, schreibt Tille per E-Mail auf eine Anfrage des Tagblatts. Geschäftsführer Frank Niederbühl, seit November vergangenen Jahres im Amt, wollte sich nicht äußern. Nicht ganz so zugeknöpft zeigt sich Landrat Anton Speer (Freie Wähler), der gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der Klinikum GmbH ist. „Grundsätzlich kann ich sagen, dass eine Vernetzung von Kliniken zur Aufrechterhaltung der Gesundheitsversorgung unserer Bürger wichtig und sinnvoll ist, gerade die Corona-Pandemie hat uns das vor Augen geführt. Insofern ist das Klinikum Garmisch-Partenkirchen immer offen für Gespräche“, erklärt er.

Schon Niederbühls Vorgänger verfolgte eine Expansionsstrategie

Niederbühls Vorgänger Bernward Schröter, der von 2014 bis 2020 an der Auenstraße das Sagen hatte, verfolgte eine Expansionsstrategie. Ihm schwebten Kooperationen vor, vielleicht auch Übernahmen. Mit den Kliniken in Weilheim und Schongau besteht eine Zusammenarbeit über die Apotheke. Gespräche hatte es unter Schröter 2019 auch mit der Kreisklinik Wolfratshausen gegeben, als man dort daran interessiert war, Fachärzte für Sprechstunden aus Garmisch-Partenkirchen zu bekommen. Schröter wollte damals allerdings nicht nur geben, sondern auch nehmen. Es könne nicht sein, „dass wir die Diagnosen stellen, die vielleicht notwendigen Operationen, dann in Wolfratshausen gemacht werden“.

Geld spielt neben der Gesundheit die größte Rolle in einer Klinik

Die bringen Geld. Das spielt neben der Gesundheit in einer Klinik die größte Rolle. Damit wusste Schröter umzugehen. Vor Beginn der Corona-Pandemie hatte er regelmäßig schwarze Zahlen im unteren einstelligen Millionen-Euro-Bereich ausgewiesen. Und den Gewinn hatte er investiert. In Beine, sprich pflegendes Personal, und Steine. Tille zufolge hat man in den vergangenen Jahren „zahlreiche Erweiterungen vorgenommen, die der medizinischen und medizintechnischen Entwicklung Rechnung trugen“. Zuletzt wurde der Bauabschnitt VII in Betrieb genommen, der die Sanierung des Bettenhauses mit den Normalstationen zum Schwerpunkt hatte.

Auf diesem Weg will Niederbühl weiter gehen. Laut Tille wird beabsichtigt, die Sanierung weiterer für den klinischen Betrieb wesentlicher Bauteile und Flächen möglichst zeitnah fortzusetzen. Für derartige Projekte ist eine aktuelle Bedarfsfeststellung der Planbetten des Klinikums – derzeit liegt die Zahl bei 415 – erforderlich, die das bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege nun vorgenommen hat. Auf dieser Basis entsteht eine bauliche Ziel- und Entwicklungsplanung, die mit den zuständigen Stellen des Ministeriums und der Förderbehörden diskutiert wird. „Unser Ziel ist es, Ende des Jahres den Umfang und die Bereiche eines kommenden Bauabschnitts definieren zu können“, sagt Tille.

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