+
Mit dem Floß die Isar flussabwärts: ein mitunter schwieriges Unterfangen.

Local-Heros spielen keine Statistenrolle

Doku-Film „Fahr‘ ma obi im Wasser“ kommt in den Landkreis 

Er ist eine Liebeserklärung an Isar und Loisach: Nachdem die Premiere stattgefunden hat, wird der Doku-Film „Fahr‘ ma obi im Wasser“ von Walter Steffens nun mehrmals im Landkreis gezeigt.

Landkreis – Isar und Loisach waren in Zeiten der Flößerei eine wichtige Lebensader für die Region zwischen Staffelsee und Karwendel. Auf diesem Transportweg wurden wichtige Güter flussabwärts nach München befördert. Dieses spannende Thema greift der bekannte Filmemacher Walter Steffen in seiner Dokumentation „Fahr’ ma obi im Wasser“ ebenso packend wie professionell auf. Am Mittwochabend feierte der Streifen Premiere im Münchner Rio-Filmpalast.

Im Publikum saßen einige geladene Gäste aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Nicht ohne Grund, denn Regine Ronge (Mittenwald), Josef Lohr und Professor Heinz Schelle (beide Oberau) sowie Karl Wolf (Aidling) spielen in dem stimmungsvollen Werk tragende Rollen. Nicht zu vergessen Landwirt Josef Draxl aus dem Tiroler Scharnitz und Jost Gudelius aus der Jachenau, vielen Isartalern noch bekannt als ehemaliger Kommandeur des Mittenwalder Gebirgsjäger-Bataillons 233.

Gefragter Mann: Lokalhistoriker Karl Wolf aus Aidling erzählt Wissenwertes über die Flößerei auf der oberen Loisach – auch bei durchwachsenem Wetter.

Eine, die überhaupt nicht mit einem Engagement rechnete, ist Regine Ronge. Als sie vor etwa einem Jahr von Gabriele Rüth, der Vorsitzenden des Vereins Flößerstraße, angefragt wurde, war die Reiseführerin aus dem Karwendelort zunächst etwas irritiert. „Warum ich?“, fragte sich die Mittenwalderin, die zur Einweihung des Flößer-Denkmals auf dem Fritz-Prölß-Platz ein paar Begleittexte verfasst hatte. Doch diese empfand Rüth offenbar als sehr gelungen. Dennoch verwies Ronge lieber auf Helmut Klinner, den Vorsitzenden der Historischen Gesellschaft.

Mittenwald spielt wichtige Rolle

Über Mittenwald berichtet Regine Ronge. Im Obermarkt drehen (v. r.) Regisseur Walter Steffen, Kameramann Christoph Grabner und Tonfrau Nic Nagel.

Angesichts der Männerflut unter den 23 Mitwirkenden wollte Steffen aber lieber eine weibliche Gesprächspartnerin. Zur Quotenfrau, die zwei, drei Sätze besteuert, taugt die Frau des ehemaligen Tourismusdirektors indes nicht. Ganz im Gegenteil: „Es ist viel Regina Ronge im Film“, verspricht der Regisseur, Drehbuchautor und Produzent in persona. „Überhaupt ist Mittenwald ein ganz wichtiger Ort für unseren Streifen.“ Film-Novizin Ronge präsentierte ihn beim Termin im Juni 2016 mit dem Kamerateam offenbar prächtig. Es war ein windiger Tag, erinnert sich Ronge. Obwohl es lange dauerte, bis die Aufnahmen im Kasten waren, sei es „ein angenehmer Dreh“ gewesen. „Ich habe Herrn Steffen gesehen und das andere um mich herum nicht mehr wahrgenommen.“ Zwei Stunden Interview-Material kamen alleine bei ihr zusammen. „Und davon nehmen wir nur das Beste“, unterstreicht der Filmautor aus Seeshaupt.

Sein profundes, geschichtliches Wissen lieferte auch Karl Wolf aus Aidling. Der Vorsitzende des Historischen Vereins Murnau berichtete an Ort und Stelle unter anderem über die Holztrift auf der oberen Loisach. „Ich bin da offenbar in eine Themenlücke gestoßen“, mutmaßt der 75-jährige Rentner, warum er von Filmemacher Steffen angesprochen wurde. Dabei ist Wolfs Auftritt bei genauer Betrachtung gar nicht so verwunderlich. Immerhin hatte er bereits 2011 eine viel beachtete 80-seitige Abhandlung über die Loisach-Flößerei zwischen Garmisch-Partenkirchen und dem Kochelsee verfasst. Das gepaart mit der charmanten Überredungskunst eines Walter Steffen – und schon war die Sache bei einem Terrassengespräch geritzt. Bereut hat Wolf trotz miesen Wetters das Interview nicht. „Es war eine nette Atmosphäre, und Herr Steffen ist ein ruhiger, gewinnender und sehr geduldiger Mensch.“

Nun also darf die Öffentlichkeit die Liebeserklärung an zwei oberbayerische Flüsse bewundern. Und einige „Local Heros“ aus dem Landkreis spielen dabei alles andere als eine Statistenrolle. 

Kinotermine:

Der Dokumentarfilm „Fahr’ ma obi im Wasser“ von Walter Steffen ist am heutigen Donnerstag im Murnauer Griesbräu-Kino zu sehen. Weitere Vorführungen stehen am Donnerstag, 25. Mai, im Hochlandkino in Garmisch-Partenkirchen und am Sonntag, 11. Juni, im Wallgauer Haus des Gastes auf dem Programm. Eine Sondervorstellung findet zudem am Freitag, 2. Juni,im Mittenwalder Gasthof Stern statt.

Christof Schnürer

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Heute vor 75 Jahren: Bruchlandung auf einem Mittenwalder Haus 
Es gibt Geschichte, die kann es eigentlich nicht geben. Zum Beispiel jene, dass ein Flugzeug auf einem Haus notlandet -  und niemand dabei verletzt wird. Doch so ist es …
Heute vor 75 Jahren: Bruchlandung auf einem Mittenwalder Haus 
Schienenbruch: Anwohner hört lautes Geräusch - Strecke lange gesperrt - SEV-Busse überfüllt
Zwischen Weilheim und Huglfing verkehren keine Züge mehr. Der Grund ist ein Schienenbruch bei Polling, den ein Anwohner entdeckt hat. Die Strecke stand bis zum frühen …
Schienenbruch: Anwohner hört lautes Geräusch - Strecke lange gesperrt - SEV-Busse überfüllt
Auf dem Weg in den Urlaub: Auto raucht erst auf der A95 - und brennt dann lichterloh
Zwei Münchner Italiener sitzen in ihrem Auto auf der A95 Richtung Garmisch-Partenkirchen. Plötzlich qualmt ihr Wagen. Wenig später steht das Auto im Vollbrand.
Auf dem Weg in den Urlaub: Auto raucht erst auf der A95 - und brennt dann lichterloh
Schwaiganger: Lehrstall statt Russenhalle
Vor zwei Jahren wurde bekannt, dass das Haupt- und Landesgestüt Schwaiganger für 40 Millionen Euro saniert werden soll. Passiert ist seither allerdings nicht viel. Nun …
Schwaiganger: Lehrstall statt Russenhalle

Kommentare