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Fingerspitzengefühl ist gefragt: In der Manufaktur Grasegger zeigt Werkstattleiterin Rowena Monn (l.) ihrer Auszubildenden Yane Schackmann erste Handgriffe. Es geht darum, die Maschine kennenzulernen. 

Ausbildungssituation im Landkreis

Fast 300 Lehrstellen noch unbesetzt

Viele Betriebe in der Region leiden unter dem Mangel an Lehrlingen. Zu wenig Schulabsolventen zieht es noch in klassiche Lehrberufe. Das soll sich nun ändern.

Landkreis – Das Ausbildungsjahr hat begonnen. Für viele startet damit ein neuer Lebensabschnitt. Doch für die meisten Schulabsolventen scheint ein klassischer Lehrberuf nicht mehr attraktiv zu sein. Nach Zahlen der Industrie- und Handelskammer (IHK) sind von 601 freien Ausbildungsplätzen im Landkreis 283 Plätze unbesetzt. Diesen stehen nur noch 161 Bewerber, die eine Lehrstelle brauchen, entgegen.

Besonders im Bereich Gastronomie wird noch Personal gesucht. Dass sich dieses Gewerbe seit Jahren schwertut, Mitarbeiter zu finden, beklagt Jutta Griess vom Hotel- und Gaststättenverband: „Das ist ja nichts Neues.“ Die Zahl der Bewerber habe sich in den vergangenen Jahren zwar stabilisiert, aber es sind weiterhin zu wenige. Da Arbeit zu Integration beiträgt, könnten Asylbewerber als Aushilfen herangezogen werden. Doch auch diese Möglichkeit ist keine abschließende Lösung, da Griess zufolge nicht genügend geeignete Bewerber zur Verfügung stehen. Besser sieht die Situation bei Mechatronikern und Einzelhändlern aus. Diese Berufe erfreuen sich großer Beliebtheit.

„Wer noch keinen Ausbildungsplatz hat, soll bloß nicht die Flinte ins Korn werfen“, beruhigt Jens Christopher Ulrich, Sprecher der Handwerkskammer für München und Oberbayern. „Einfach weiter bewerben.“ Es sei jetzt noch möglich, nachträglich zu beginnen. So gut dieses Angebot klingt, es zeigt den großen Bedarf der Betriebe.

Diese tun sich immer schwerer, geeignetes Personal zu finden. Nach einer Online-Umfrage der IHK haben in Oberbayern 76 Prozent der Schulabgänger keine klaren Berufsvorstellungen. Wer beispielsweise glaubt, als Maurer nicht körperlich arbeiten zu müssen, erlebt ein böses Erwachen. Außerdem mangelt es 58 Prozent bei mündlichem und schriftlichem Ausdrucksvermögen. Besonders besorgniserregend ist laut der Studie, dass beinahe die Hälfte Schwierigkeiten hat, ausreichend Disziplin an den Tag zu legen. Ulrich hält dagegen, er möchte nicht pauschal auf die Jugend schimpfen. „Die heute Erwachsenen waren früher auch nicht perfekt.“ Doch, dass es schwerer geworden ist, genügend passendes Personal zu finden, sei Fakt.  Damit verbunden ist das Thema Fachkräftemangel. „Da schließt sich der Kreis.“ Die Auszubildenden von heute sind die Fachkräfte von morgen“, erklärt Ulrich. Ursache des Problems sind seiner Meinung nach nicht vorrangig der Geburtenrückgang, die drohende Überalterung der Gesellschaft und damit der demographische Wandel. Dieser komme zwar ebenfalls ins Spiel. Das größere Problem sei aber, dass viele junge Menschen schlichtweg keine Ausbildung machen wollen.  Peter Lingg, der Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses aus Garmisch-Partenkirchen, pflichtet dem bei. Es gebe den Trend, dass die meisten jungen Menschen studieren möchten. Das liegt Ulrich zufolge am schlechteren Image der Lehre. Es gibt die Annahme, Akademiker verdienen besser. „Das stimmt so pauschal nicht“, erklärt er. Da würde oft auf Juristen oder Ingenieure verwiesen. Aber es gebe 19 000 Studiengänge, da werde nicht jeder zum Spitzenverdiener.

Abschließend spielt auch die Familie keine glückliche Rolle bei der beruflichen Entscheidung, führt Ulrich aus. Nicht immer sei das Abitur das Beste für das Kind. Manche würden es nur mit größten Schwierigkeiten erreichen, um Mutter und Vater zufrieden zu stellen. Laut dem Experten geht eine solche Schulzeit, gerade bei Akademiker-Kindern, oft zu Lasten der Schüler und kostet viel Geld für Nachhilfe. Dabei kann es auch anders laufen.

Mit einer Lehre und drei Jahren Berufserfahrung dürfe fachbezogen studiert werden, erläutert Ulrich. Ab dem Meister sind alle Fächer möglich. So wie eine Gesellschaft Hochschulabsolventen brauche, benötige sie auch praktische Arbeiter. Darum hat Ulrich eine klare Meinung: „Akademische und berufliche Bildung sind gleichwertig.“ Um Lehrberufe wieder populärer zu machen, hat das Bayerische Wirtschaftsministerium in Kooperation mit der IHK und der Handwerkskammer die Initiative „Elternstolz“ gegründet. Diese soll aufklären und informieren, warum eine Ausbildung der richtige Weg sein kann. 

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