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Schröter unter Beschuss

FDP: Vorgänger schießt gegen Nachfolger

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Schweres Geschütz fährt Ex-FDP-Vorsitzender Klaus Hilleprandt gegen Martin Schröter auf. Hilleprandt nennt ihn einen Populisten und ist in Sorge, dass der Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat „dem Ort noch viel schaden wird“.

Garmisch-Partenkirchen – Immer noch ist Klaus Hilleprandt (77) ein glühender Anhänger der FDP. Allerdings nur der im Bund. Die Nummer von Liberalen-Chef Christian Lindner hat er in seinem Smartphone gespeichert, obwohl er mit ihm nichts mehr zu tun hat. Ihn hält Hilleprandt für einen „guten Mann“, dem es die FDP zu verdanken habe, dass Umfragen zur Bundestagswahl sie bei rund zehn Prozent sehen. Mit der Kreis- und Orts-FDP hat Hilleprandt, immerhin sieben Jahre in Garmisch-Partenkirchen deren Vorsitzender, gebrochen. Wegen Gemeinde- und Kreisrat Martin Schröter, seinem Nachfolger. Wegen Schröter, Vize-Botschafter der deutschen Vertretung in Luxemburg, hat er die Liberalen verlassen. An ihm lässt er kein gutes Haar. „Das Zusammenarbeiten innerhalb der FDP mit Schröter wurde mehr und mehr für mich unerträglich, was dazu führte, dass ich ausgetreten bin. Das ist mir nicht leichtgefallen, weil ich mit Begeisterung für diese Partei gearbeitet hatte. Aber mir blieb keine andere Wahl“, erklärt Hilleprandt. Er habe ja schon viel erlebt. „Aber noch nie hatte ich mit einem derart unangenehmen Menschen zu tun“, legt der Hotelier nach.

Hilleprandt bezeichnet Schröter als „hochgradigen Populisten“

Mit seiner Schröter-Abneigung steht Hilleprandt nicht allein. Vor allem die politische Kaste in Garmisch-Partenkirchen – vornehmlich die im Gemeinderat vertretenen Parteien – sind versucht, jegliche Zusammenarbeit mit Schröter einzustellen. Manche weigern sich mittlerweile, ihn Kollege zu nennen. Das Tischtuch zwischen dem Kunsthistoriker, der im Wahlkreis 226 (Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau) für einen Sitz im Bundestag kandidiert, ist zerschnitten. Das Fass zum Überlaufen brachten die Vorfälle im Gemeinderat, als Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) den Balkon nach tumultartigen Vorgängen räumen ließ. Auslöser waren Gegner der Mobilfunkanlage auf einem Haus an der Törlenstraße, die ein Rederecht einforderten und deren Bürgervertreter Schröter ist. Wer die Facebook-Auftritte von Mandatsträgern – sie versuchen, Munition zu sammeln – durchforstet, stößt auf einen Beitrag, in dem Schröter beim Landesparteitag in Bad Neustadt am 26. März einem Antrag mit der Überschrift „Recht auf kostenfreien Zugang zum Internet für alle schaffen und durchsetzen“ formuliert hat. Für seine Kritiker steht der im krassen Gegensatz zu dem, was er in Sachen Mobilfunk von sich gibt. Hilleprandt nennt ihn „einen hochgradigen Populisten, wie es ihn schlimmer nicht gibt“. Er verstehe die Anwohner der Törlenstraße sehr gut. „Aber in diesem Fall wurden sie von Schröter für seine Zwecke benutzt. Er nützt diese Situation schamlos aus.“ Dass sich 29 Gemeinderäte gegen seinen ehemaligen „Parteifreund“ richten, sei für ihn „eine Genugtuung. Ich stelle fest, dass ich mit meiner Meinung nicht allein stehe“.

Orts-FDP steht hinter Schröter

Innerhalb der Kreis- und Orts-FDP sind die Reihen pro Schröter allerdings fest geschlossen. „Wir stehen voll hinter ihm“, sagt Siegfried Appler. Diesen Eindruck vermittelt auch Schröter selbst. „Ja, ich habe das Gefühl, dass das so ist.“ Appler (76), noch bis Juli Chef der rund 30 Liberalen im Kreis – danach hört er aus Altersgründen auf –, beschreibt Schröter als „sehr aktiv und kreativ. Aber natürlich provoziert er auch“. Allerdings kennt er die Vorwürfe der politischen Gegner, dass der FDP-Ortsvorsitzende wegen seiner Tätigkeit in Luxemburg bei Sitzungen des Gemeinderats oder von Ausschüssen häufig durch Abwesenheit glänzt. „In der Zeit von Internet ist das allerdings kein Problem“, sagt Appler. Andere Gemeinderäte fehlten ebenfalls häufiger. Explizit nennt er Florian Möckl. Der Chef der Freien Wähler, der Schröter als „Gemeinderatstourist“ bezeichnete, nehme ebenfalls an Sitzungen nicht teil, „wenn er Musik in Amerika macht“.

Während Appler die FDP dank Schröter und der Bundespartei „für die Zukunft gut aufgestellt“ sieht, sorgt sich Hilleprandt um sein Garmisch-Partenkirchen. „Wie soll es in Zukunft weitergehen?“, fragt er. Ein harmonisches Miteinander sei mit Schröter „nicht möglich. Es ist zu befürchten, dass er dem Ort noch viel schaden wird“.

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