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Gut gefüllt: Im Festsaal Werdenfels blieben bei der Feierstunde nur wenige Plätze frei.

Für Zusammenhalt, gegen Spaltung

Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit

Der Appell, sich auf demokratische Werte zu besinnen und nicht populistischen Parteien blind zu folgen, wurde bei der Feierstunde zum 3. Oktober laut. Diese war von ganz aktuellen Entwicklungen geprägt.

Garmisch-Partenkirchen  – Als am Dienstagnachmittag die Menschen im Garmisch-Partenkirchner Kongresshaus aufstanden, um gemeinsam die deutsche Nationalhymne als Zeichen für Einigkeit und Recht und Freiheit zu singen, waren die Schockzahlen aus den USA auf 59 Tote und 527 Verletzte gestiegen. Den Angehörigen der Opfer des Anschlags von Las Vegas, die kaltblütig erschossen wurden, sprach Brigadegeneral a.D. Johann Berger sein Mitgefühl aus. Zugleich nannte der Stellvertretende Direktor des George-C.-Marshall-Centers das Geschehene im Rahmen der gemeinsamen Feierlichkeiten mit der Marktgemeinde zum Tag der Deutschen Einheit eine „unfassbare, entsetzliche Tat“.

Eine, die leider nur zu gut in Bergers Betrachtung der Lage passte. „Der 27. Tag der Deutschen Einheit findet in einem mehr als bewegten Jahr mit erheblichen Veränderungen der regionalen, globalen sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen statt.“ Seine Liste war lang und reichte vom Konflikt in der Ukraine, über den Syrienkrieg, weltweiten Anschlägen bis hin zu IS-Terror. Aber auch innenpolitisch komme auf die neue Regierung ein ganzer Berg an Aufgaben zu – „wenn unsere Gesellschaft nicht tief zerrissen werden soll“.

Eine Befürchtung, die auch Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) in ihrer Rede zum Ausdruck brachte. Viele Menschen würden sich in Deutschland von der Politik unverstanden, zurückgelassen und benachteiligt fühlen. Die Folge, wie die Bundestagswahlen gerade erst gezeigt haben: Viele begeben sich gar nicht erst zur Urne. „Oder haben ihre Stimme denjenigen gegeben, die vorgeben, einfache Antworten auf komplexe Probleme zu haben“, sagte die Sozialdemokratin. Dass sie damit die Wahlerfolge der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland meinte, war, auch ohne dass der Name fiel, wohl allen Zuhörern klar.

Meierhofer warnte davor, dass eine solche Entwicklung die Spaltung der Gesellschaft fördert. „Und Spaltung ist genau das, was dem heutigen Gedanken an die Einheit und dem Zusammenwachsen in unserem Land widerspricht.“ Für Meierhofer gilt die Wiedervereinigung des geteilten Landes als „Ereignis, das wohl als eines der glücklichesten der deutschen Geschichte gelten kann“. Auch wenn 27 Jahre danach von der Euphorie der ersten Stunde viel verblasst ist. Dies sei passiert, weil Versprechen nicht eingehalten und Erwartungen nicht oder nur teils erfüllt wurden. „So ist vielleicht zu verstehen, dass sich so viele unserer Landsleute, vor allem im Osten, aber auch hier bei uns, neuen politischen Heilsversprechen zuwenden“, sagte Meierhofer nochmals in Bezug auf die Bundestagswahl.

Für Berger unterminieren Politikverdrossenheit, soziale Ängste, Misstrauen und Fremdenhass die Vision von einer freien, offenen und hilfsbereiten Gesellschaft, die von Optimismus und Zusammenhalt geprägt ist. Eine solche Gesellschaft brauche das Land und damit auch Europa. Gemeinsam sei man nur mit einem transatlantischen Partner, also den USA, stark. „Natürlich gibt es unterschiedliche Interessen“, sagte Berger. „Aber das geschaffene und sorgfältig zu erhaltene Wertekorsett demokratischer Gesellschaften hat es bis heute geschafft, Probleme und Herausforderungen zu meistern.“ So soll es auch in der Zukunft sein.

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