Causa Kreidl: Staatsanwaltschaft will Anklage erheben

Causa Kreidl: Staatsanwaltschaft will Anklage erheben

Verbale Entgleisungen kosten

Feldwebel beschimpft Rekruten

Weil er gegenüber seinen Soldaten ausfällig geworden war, stand ein Ausbilder des Mittenwalder Gebirgsjägerbataillons 233 vor dem Amtsgericht. Er kam trotz seinen verbalen Entgleisungen glimpflich davon.

Mittenwald/Garmisch-Partenkirchen – „A...loch“ und „dreckige Made, die zerquetscht werden muss“. Mit diesen Worten , zierte ein über Disziplinmängel seiner Soldaten verärgerter 34-jähriger Feldwebel des Mittenwalder Gebirgsjägerbataillons 233 seine „Ansprache“ anlässlich der Beendigung einer Rekruten-Ausbildung in der Karwendelkaserne. Einen seiner Männer, der krankheitsbedingt oft fehlte, nannte er sogar „unwürdig, Soldat zu sein“. Weil solche Äußerungen nach dem Wehrstrafgesetz als „entwürdigende Behandlung“ von Untergebenen gelten, kostet das den Feldwebel jetzt einiges Geld: Amtsrichter Paul Georg Pfluger stellte das Strafverfahren zwar ein, doch er verfügte eine Geldauflage von 2400 Euro, die der Mann in sechs Raten zu zahlen hat – zugunsten der Freiwilligen Feuerwehr Partenkirchen.

Der üble Vorfall, den nicht die Soldaten, sondern ein Vorgesetzter des Feldwebels angezeigt hatte, ereignete sich laut Staatsanwältin Eva Schierbaum bereits am 5. Dezember 2014, als gerade ein dreimonatiger Rekrutenlehrgang zu Ende gegangen war. Das war am Vorabend in der Kaserne kräftig gefeiert worden, schilderte der von Anwalt Gerd Zirownik (Regensburg) verteidigte Soldat bei der Strafverhandlung im Amtsgericht die Situation. Als seine Leute dann am Freitag in aller Frühe gegen 5 Uhr aufstehen sollten, war es anscheinend besonders schlecht um die soldatische Disziplin bestellt: „Die Gesichter sprachen Bände“, sagte der Angeklagte. „Dienstfähigkeit schaut anders aus. Sie schienen alles vergessen zu haben, was sie in den Monaten zuvor gelernt hatten.“ Das könne doch wohl nicht sein, habe er sich da gedacht und seine Untergebenen im Kasernenflur antreten lassen, um ihnen die Meinung zu sagen.

Ausbilder entschuldigt sich

Die fiel hart aus. Er sagte unter anderem, er würde allen auf die Fresse hauen, sie alle am Exerzierplatz gleiten und Liegestütze machen lassen, denn sie seien nicht würdig, Befehle zu empfangen. Im Rahmen der Feststellung der Vollzähligkeit erklärte er obendrein gegenüber dem ersten der angetretenen Soldaten, er sei ein A...loch, eine dreckige Made, die zerquetscht werden müsse.

Nach diesen Verbalentgleisungen verließ er die Örtlichkeit. „Ich brauchte ein paar Zigaretten, um mich runterzufahren“, meinte der Feldwebel. Anschließend habe ihm ein Leutnant geraten, er solle sich in der Wortwahl zurücknehmen. „Woraufhin ich dann den Zug nochmals antreten ließ und sagte: ,Ihr kennt mich, so bin ich normalerweise nicht, ich möchte jedenfalls alle meine Aussagen, die ich heute früh gesagt habe, zurücknehmen‘.“

Die Beschimpfungen, die dem Ausbilder zur Last gelegt wurden, waren bei der Verhandlung im Gedächtnis seiner Soldaten anscheinend nicht mehr präsent, obwohl sie in der Anklage schriftlich niedergelegt sind: Zwei von ihnen bescheinigten dem Feldwebel, dass er normalerweise „recht nett“ gewesen sei, „ein guter, freundlicher Ausbilder“ sogar. Angesichts der Entschuldigung des Mannes vor versammelter Mannschaft und weil seither schon drei Jahre vergangen sind, regte schließlich Richter Pfluger gegenüber der Staatsanwältin eine Verfahrenseinstellung an.


Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © dpa symbolbild

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