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Sagt Servus: Felix Neureuther zieht sich aus dem Rennsport zurück.

Marktgemeinde und Skiclub planen offiziellen Abschied

Felix Neureuther hört auf: Das sagen seine Weggefährten

  • Tanja Brinkmann
    VonTanja Brinkmann
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Die Gesundheit geht vor – deshalb hat sich Felix Neureuther am Sonntag aus dem alpinen Skizirkus verabschiedet. In Garmisch-Partenkirchen stößt seine Entscheidung auf viel Verständnis, aber auch auf großes Bedauern.

Garmisch-Partenkirchen – Mit einem siebten Platz beim Slalom in in Soldeu/Andorra hat Felix Neureuther am Sonntag seine Karriere beendet. „Ich habe meinen Kindheitstraum in vollen Zügen leben dürfen und dafür bin ich so unendlich dankbar“, schreibt der sympathische Skistar auf Facebook. „Aber mein Herz und vor allem mein Körper haben mir in den letzten Monaten deutlich zu verstehen gegeben, dass es an der Zeit ist, dieses für mich so wunderschönes Kapitel ,Skirennsport‘ zu beenden.“

Neureuther habe sich diese Entscheidung sicher nicht leicht gemacht, meint Markus Anwander. Der Leiter des Bundesstützpunkts Alpin in Garmisch-Partenkirchen findet diese aber „vernünftig, gerade weil er gesundheitlich nicht mehr so fit war und sein Pensum nicht mehr erfüllen konnte“. Dass der 34-Jährige dem Skisport – in welcher Form auch immer – erhalten bleibt, steht für ihn aber außer Frage. „Da hängt sein Herzblut dran“, sagt Anwander. „Felix wird sich weiter bemühen, die Jugend zu begeistern.“ Im aktiven Bereich verliert Deutschland aber eine Galionsfigur, keine Frage. „Bis wieder einer auftaucht, der so ein Charisma hat, können Jahre vergehen.“ Dabei war anfangs, als Anwander Neureuther und die gleichaltrige Maria Höfl-Riesch trainierte, noch gar nicht klar, wie weit es der Garmisch-Partenkirchner einmal bringen würde. „Er war sehr chaotisch, hatte viele Ausfälle, aber schon als Jugendlicher ein begnadetes Bewegungstalent.“ Eines, das später fünf Medaillen bei Weltmeisterschaften und 13 Weltcupsiege einfuhr.

Unglaubliche Reaktionen auf Neureuthers Rücktritt

„Wir haben viele aufregende und spannende Rennen mit ihm erlebt“, betont Traudl Münch voller Respekt erinnert sich die Vorsitzende des Felix-Neureuther-Fanclubs auch daran, wie sich dieser immer wieder aus Niederlagen rausgearbeitet hat. Dass er jetzt an seine Gesundheit und auch an seine Familie – Tochter Mathilda kam im Oktober 2017 zur Welt – denkt, kann sie absolut nachvollziehen. Die unzähligen Reaktionen auf Neureuthers Rücktritt nennt Münch „unglaublich“. Für sie ein eindrucksvoller Beweis dafür, wie sehr Neureuther überall geschätzt wird – „er ist eben der Lieblingsdeutsche“.

Zu den absoluten Sympathieträgern, den „wichtigen Botschaftern für Garmisch-Partenkirchen“ zählt Neureuther für Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD). „Ich denke, das bleibt er auch.“ Das eindeutige Bekenntnis des Spitzensportlers zu seinem Heimatort nennt sie etwas Besonderes. „Ohne Einschränkung hat er sich die ganze Zeit dazu bekannt und sogar auf lukrative Sponsorenverträge verzichtet, wenn sie mit den Interessen des Ortes kollidiert wären.“ Ein Verhalten, dem die Rathaus-Chefin großen Respekt zollt. Noch hat sie sich zwar nicht mit den Mitgliedern des Gemeinderats abgestimmt, aber schon jetzt ist klar, dass auch die Gemeinde ihrem Ski-Star einen offiziellen Abschied beschert. In welcher Form, gilt es noch zu klären.

Skiclub und Gemeinde wollen Neureuther noch einmal würdigen

Auch Michael Maurer, Präsident des Skiclubs Partenkirchen, für den Neureuther gestartet ist, überlegt schon, wie er den Vorzeige-Athleten noch einmal würdigen kann. „Er war ein Glücksfall für uns“, unterstreicht Maurer. Genau wie Doppel-Olympiasiegerin Höfl-Riesch. Gerade für die Nachwuchsarbeit seien derartige Vorbilder enorm wichtig, denen die Kinder und Jugendlichen nacheifern können. „Es wird sicher schwer, wieder einen in diese Liga zu bekommen. Zumal man das ja auch nicht planen kann.“ Bei allem Bedauern – „es ist immer schade, wenn so ein sympathischer Athlet die Bühne verlässt“ – kann aber auch Maurer Neureuthers Entscheidung nachvollziehen. „Irgendwann geht’s einem an die Knochen.“

Hochleistungssport sei eben wahrlich kein Zuckerschlecken, betont Meierhofer. „Der Druck, der auf ihnen lastet, ist enorm“, bekräftigt Münch. Umso positiver wertet sie Neureuthers „liebenswürdige Art“ und seine Einstellung. Nicht der Konkurrenzkampf stand bei ihm in all den Jahren im Weltcup-Zirkus im Vordergrund, sondern die Kameradschaft. „Freundschaften sind ihm total wichtig.“ Auch der Fanclub mit seinen 280 Mitgliedern will sein Idol groß verabschieden. „Wir machen ein Fest“, kündigt Münch an.

Noch weiß auch sie nicht, was Neureuther plant. „Er bleibt dem Sport sicher erhalten, bekommt Fernseh-Angebote.“ Ähnliche Prognosen stellt Fritz Dopfer, Vizepräsident des Bayerischen Skiverbandes und Vorsitzender des Skigau Werdenfels. Voller Dankbarkeit für Neureuthers „tolle Leistungen“ nimmt Dopfer dessen Entscheidung zur Kenntnis. „So einen wie den Felix haben wir nicht mehr im Verband. Durch seine Art hat er den Skisport in den vergangenen zwei Jahrzehnten wieder jugendlich gemacht.“ » MM-SPORT

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