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Bei der Explosion im Hotel Riessersee musste Peter Gröbl mit ansehen, wie zwei seiner Schulkameraden ums Leben gekommen sind.

Feuerwehr-Kommandanten vorgestellt

Peter Gröbl versichert: „Keiner wird allein gelassen“

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Das Garmisch-Partenkirchner Tagblatt stellt die Feuerwehr-Kommandanten des Landkreises vor. Heute: Peter Gröbl aus Garmisch-Partenkirchen.

Garmisch-Partenkirchen – 16 Jahre alt ist Peter Gröbl 1986 und gerade frisch bei der Garmischer Feuerwehr: Eine Explosion im Hotel Riessersee verursacht nicht nur einen hohen Sachschaden. Der junge Feuerwehrmann muss mit ansehen, wie zwei seiner Schulkameraden ums Leben kommen. „Dieses Erlebnis werde ich wohl nie vergessen, und es hat mich einmal mehr motiviert, mich für die Feuerwehr zu engagieren.“

Seit acht Jahren ist Peter Gröbl erster Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Garmisch. Sechs Jahre war er zuvor schon ihr zweiter Kommandant. Mit derzeit rund 136 Aktiven ist seine Wehr neben der von Partenkirchen und Murnau eine der größten im Landkreis. Daher hat 49-Jährige, der mit seiner Lebensgefährtin und vier Kindern zusammenlebt, entsprechend viel zu tun.

Feuerwehr-Kommandant Peter Gröbl: Verwaltungsaufgaben nehmen größten Teil der Arbeit ein

Peter Gröbl ist mit Leidenschaft Feuerwehrmann.

„Besonders die Verwaltungsaufgaben nehmen einen großen Teil meiner Tätigkeit ein, inzwischen etwa 60 bis 70 Prozent und es wird nicht weniger“, sagt er ein wenig bedauernd. Die Bürokratie werde halt immer schlimmer. „Und dabei bin ich eher der Praktiker.“ Als Gröbl, der beruflich als Selbstständiger im Sicherheitstechnikbereich arbeitet, 1986 der Freiwilligen Feuerwehr beitrat, sah die Welt noch anders aus. Er durchlief von da an sämtliche Ausbildungen vom Atemschutzgeräteträger über den Maschinisten bis hin zu diversen Führungslehrgängen. Vor elf Jahren wurde er zudem zum Kreisbrandmeister ernannt.

„Es gibt viel zu tun“, sagt er. Neben den Verwaltungstätigkeiten, der Termin- und Ausbildungskoordination, ist er zudem als Fachkreisbrandmeister für gefährliche Stoffe zuständig. Auch hier hat sich der fleißige Kommandant Spezialwissen angeeignet. Selbst wenn Einsätze mit Gefahrenstoffen nicht oft vorkommen, etwa in zehn von derzeit bis zu 400 Einsätzen im Jahr, muss die Feuerwehr dennoch gerüstet sein, wie jüngst, als im Edeka-Markt in Garmisch-Partenkirchen giftige Dämpfe vermutet wurden.

Technische Hilfeleistungen sind die häufigsten Einsätze

Eine Vielzahl der Einsätze, zu denen er und sein Stellvertreter Michael Reim mit ihren Leuten immer wieder gerufen werden, betrifft technische Hilfeleistungen wie das Beseitigen von Ölspuren auf der Fahrbahn, Türöffnungen oder andere Kleineinsätze. Immer häufiger kommt es zu Fehlalarmen, weil es mehr Brandmeldeanlagen und Rauchmelder gibt, die nicht selten auf Kerzenrauch, Wasserpfeifen reagieren oder durch technische Defekte ausgelöst werden. Immerhin etwa 50 Einsätze kommen auf diese Weise zustande. „Das ist etwas, das uns derzeit schon sehr beschäftigt“, sagt Gröbl. Einerseits sei es ja wünschenswert, dass Hotels, Einkaufskomplexe und Privathäuser mit Brandmeldern ausgestattet werden. Aber leider werden diese nicht selten falsch eingebaut, beispielsweise in der Nähe eines Ofens, sodass die Tendenz von Fehlalarmen zunehmend steigt.

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Dennoch appelliert Gröbl an die Bevölkerung: Lieber zu früh die 112 wählen als zu spät. „Manche trauen sich nicht und lassen beispielsweise bei einem Rohrbruch viel zu viel Zeit verstreichen, ehe sie Hilfe holen. Da wird der Einsatz dann unnötig erschwert.“ Ansonsten seien Brände nicht mehr so häufig zu verzeichnen. Kleinere wie die von Abfalleimern oder Weihnachtsgestecken kämen hin und wieder vor, die letzten Großbrände ereigneten sich in Rottenbuch, als die Klosterschule brannte und im Pennymarkt in Farchant. „Wir werden in der Regel zu solchen Einsätzen hinzugezogen und steuern Material und Personal bei“, erklärt Gröbl. Wenn ein Abroll-Behälter, ein Spezialgerät mit zusätzlichen Atemschutzgeräten (ein sogenannter AB-Atemschutz) benötigt wird,ist man in der Marktgemeinde die Anlaufstelle. „Wir sind die einzigen im Landkreis, bei denen ein solches Gerät stationiert ist“, sagt Gröbl. Wohl auch, weil hier das Atemschutzzentrum untergebracht ist.

Und auch ein Kranwagen im Wert von etwa eineinhalb Millionen Euro steht deutschlandweit nur in Garmisch-Partenkirchen zum Einsatz bereit, wenn schwere Fahrzeuge wie Busse, Lastwägen oder Eisenbahnen gehoben werden müssen. „Wir haben für alle Bereiche nicht nur Spezialgerät, sondern auch personell unsere Spezialisten. Unser recht junges Team, im Durchschnitt zwischen 30 und 35 Jahre alt, ist super aufgestellt, ohne meine Leute ginge es nicht.“

Es vergeht kein Tag, an dem sich der leidenschaftliche Feuerwehrmann nicht für sein Ehrenamt engagiert. Etwa 15 bis 20 Stunden veranschlagt er pro Woche, Einsätze und Übungen nicht mitgerechnet. „Das ist ein Amt, das man wirklich wollen muss, aber ich könnte mir mein Leben ohne die Feuerwehr nicht vorstellen.“

Wenn Kinder betroffen sind, geht ihm ein Einsatz besonders nah. Schon auf der Fahrt zum Unglücksort stellt er sich darauf ein, um gewappnet zu sein. Vorort schaltet er ab und funktioniert nur noch, die Gedanken kommen dann später. Im Anschluss an solche dramatischen Fälle sind für ihn die Gespräche untereinander extrem wichtig. „Wir sitzen dann gemeinsam im Feuerwehrhaus beisammen und tauschen uns aus. Keiner wird mit seinen Erfahrungen und Problemen allein gelassen“, betont Gröbl. Überhaupt sind Kameradschaft und Gemeinschaft ein ganz wesentlicher Bestandteil für Gröbl bei der Feuerwehr. Und wenn alle nach einem Einsatz wieder heil daheim sind, ist das für ihn das Wichtigste überhaupt.

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