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Anfall mit tödlichen Folgen: Bei einem Herzinfarkt (zu Übungszwecken simuliert von Uli Grimm) können Ersthelfer Leben retten. Den Ernstfall üben (v.l.) Hermann Schupp, Dr. Werner Leidinger (BRK) und Annika Ruppauer. 

Passanten brechen plötzlich zusammen

Flashmob in Garmisch-Partenkirchen: Mehrere Herzinfarkte am Wochenmarkt

Bei einem Herzanfall zählt jede Minute. Doch weiß jeder, was zu tun ist, wenn der Nebenmann plötzlich zusammenbricht? Eine Übung am Wochenmarkt zeigte kürzlich, wie Passanten darauf reagieren.

Garmisch-Partenkirchen – Am Obst- und Gemüsestand in der Garmischer Fußgängerzone fasst sich ein Mann an die Brust, ringt nach Atem und bricht plötzlich zusammen. Einige Besucher des Wochenmarkts reagieren fassungslos, manche schauen weg, andere wollen helfen, wissen aber nicht wie. Beherzt handeln Standbetreiber Hermann Schupp aus Friedrichshafen und seine Mitarbeiterin Annika Ruppauer. Sie wissen, dass nun jede Minute über Leben und Tod entscheiden kann. Füße hochlegen, eine Jacke unter den Kopf schieben, gut zureden und den Rettungsdienst unter der Telefonnummer 112 alarmieren.

In kurzer Zeit kommt Hilfe, und das ist wichtig beim Verdacht auf einen Herzinfarkt. „Wer es binnen 60 Minuten bis in die nächste Intensivklinik schafft, hat nicht nur eine hohe Überlebenswahrscheinlichkeit, sondern auch gute Genesungschancen“, erklärt Bernward Schröter, Geschäftsführer des Klinikums Garmisch-Partenkirchen. Vorausgesetzt, die Rettungskette vom Ersthelfer bis zum Herzkatheter funktioniert reibungslos“, sagt Dr. Werner Leidinger, Ärztlicher Direktor im Klinikum und zugleich Chefarzt des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) ergänzend.

Jährlich 150 Herzinfarkte im Landkreis

50 000 Menschen sterben jährlich in Deutschland an einem Herzinfarkt. 150 sind es im hiesigen Landkreis. 1990 waren es noch doppelt so viele. Dank moderner medizinischer Versorgung und neuer Technologien hat sich die Situation deutlich verbessert. „Aber es sind immer noch zu viele“, sagt Schröter. Deshalb startete das Klinikum und das Bayerische Rote Kreuz eine überregionale Aktion. Mit einem medizinischen Flashmob wollten sie Aufmerksamkeit erregen und dabei demonstrieren, wie jeder Mann und jede Frau helfen kann. Die Situation vor dem Gemüsestand war dabei von dem Betroffenen ebenso simuliert, wie zuvor ähnliche Szenen im Bäckerladen und an anderen Wochenmarktständen.

Die Reaktionen der Geschäftsleute und Marktbesucher waren dagegen echt. Im BRK-Zelt auf dem Mohrenplatz gab es nicht nur ein handliches Faltblatt „Erste Hilfe bei Herzinfarkt und Schlaganfall“ zum Mitnehmen, sondern hier standen auch die Experten für Gespräche zur Verfügung.

Etwa 200 Erste-Hilfe-Kurse veranstaltet der Kreisverband des Roten Kreuzes im Jahr. Auch wer keinen besucht hat, sollte sich in einer Notsituation nicht scheuen, bei fehlendem Atemgeräusch mit Herzdruckmassage und gegebenenfalls Atemspende zu beginnen“, sagt Jörg Jovy vom BRK.

Warum alles schnell gehen muss, wurde in einem extra für die Aktion produzierten Film noch einmal von Spezialisten wie Dr. Zeno Ehrmann (Anästhesie) und Dr. Franz Dotzer (Kardiologie) anschaulich erläutert. Deutlich wird, dass schnelles Handeln hilft, eine Herzmuskelschädigung zu verhindern. „Leider werden wir immer wieder zu Patienten gerufen, die sich bereits über Stunden, ja zum Teil Tage nach einem Infarkt quälen“, sagt Klemens Reindl, BRK-Kreisgeschäftsführer. Das gemeinsame Plädoyer der Ausbilder des Roten Kreuzes, Notärzte und Kardiologen bei der Live-Aktion: „Beim bloßen Verdacht auf einen Infarkt die 112 wählen und damit die Rettungskette in Gang setzen.“

TERMIN:

Um Reanimation für Laien geht es in der Reihe „Gesundheit im Dialog“ am Montag, 3. Dezember um 19.30 Uhr im Klinikum Garmisch-Partenkirchen. Internet: www.klinikum-gap.de

VON MARGOT SCHÄFER

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