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„Stilles Schreibgespräch“: Die Helfer bringen ihre Wünsche und Anregungen zu Papier.

Ein Dankeschön an die Ehrenamtlichen

Flüchtlingshelfer kommen beim Dankesfest im Kongresshaus zusammen

Das Helferfest im Kongresshaus brachte Ehrenamtliche zusammen. Trotz so manchem Frust, den sie in ihrer Arbeit erleben, wollen sie weitermachen.

Garmisch-Partenkirchen – Sie wollen trotz manchem Frust auf alle Fälle weitermachen – die Engagierten in der Flüchtlingshilfe, die zum Dankeschön-Fest aus dem gesamten Landkreis ins Garmisch-Partenkirchner Kongresshaus gekommen waren. Eingeladen hatten das Landratsamt, der Markt Garmisch-Partenkirchen, Caritas und Freiwilligenzentrum ‚Auf geht’s!‘ zum gemütlichen Beisammensein mit Buffet, Kabarett, Musik und Austausch.

Viele Ehrenamtliche haben aufgegeben

Bereits im Foyer wurde eifrig diskutiert. „Viele Helfer sind wir nicht mehr“, erklärt Klaus Tappe, der mit seinen Mitstreitern Klaus Ronge und Gabriele Rößler aus Mittenwald gekommen war. Die Bürokratie in den Ämtern, das Gefühl, allein gelassen zu werden von der Politik, sehen sie als Hauptgründe, dass viele bisherige Helfer aufgegeben haben. Sie waren 50 Ehrenamtliche, jetzt sind zehn übrig geblieben. „Ein Irrglaube ist es zu meinen, dass ja vieles bereits läuft. Der eigentliche Integrationsprozess beginnt erst jetzt“, sagt Rößler. Viele haben gern Kontakt zu anderen jungen Leuten. „Hier wären die Vereine gefragt, aber die lassen sich bitten.“

Viele Geschichten über die unterschiedlichsten Flüchtlingsschicksale können sie erzählen. „Besonders schlimm finde ich es, wenn falsche Hoffnungen im Spiel sind, wie bei einer Frau aus Eritrea, die ihre fünf Kinder bei der Schwester zurückgelassen hat, weil sie glaubte, sie schnell nachholen zu können“, berichtet Tappe. „Das wird nicht möglich sein. Und jetzt?“ Seit fast zwei Jahren kümmert er sich ebenso wie seine Mitstreiter um die aus Syrien, Eritrea, Afghanistan, Nigeria und Tschetschenien in Mittenwald Gestrandeten. „Es ist mir eine Herzensangelegenheit“, sagt Ronge.

Die Herausforderungen werden nicht weniger

Aber es gibt auch Positives: Die Unterbringung der 97 zurzeit in Mittenwald lebenden Flüchtlinge wird ebenso übereinstimmend gelobt, wie die materielle Spendenbereitschaft der Bevölkerung oder die vierteljährlichen Treffen bei der Caritas. „Aber dringend benötigen wir weitere Helfer.“ Dem Aufruf schließen sich Astrid Poppenwimmer aus Saulgrub, Eberhard Bencke und Evelyn Borlinghaus (beide aus Murnau) an. „Jetzt, da die eigentliche Arbeit erst losgeht, werden wir immer weniger“, klagt auch die Saulgruberin. Sie steht noch im Berufsleben, stellt aber trotzdem Zeit zur Verfügung, „weil ich ein Helfersyndrom habe“. Ihre Forderungen hat sie ebenso wie ihre Murnauer Mitstreiter bereits an die Stellwand gepinnt. „Wir könnten gemeinsam viel mehr erreichen“, meint auch Borlinghaus. Sie möchte mit ihrem Engagement etwas zurückgeben, weil es ihr persönlich gut geht. „Aber es passt nicht, dass sich der Staat locker zurücklehnt, den Ehrenamtlichen die Arbeit überlässt“, spricht Beuche bei der lockeren Diskussion vielen anderen aus der Seele. „Ich tue es nicht nur für diese armen Menschen, sondern auch für unsere Gesellschaft.“

Lockerlassen wollen auch diese Drei nicht. Wohnung, Bildung, Arbeit sehen sie als den richtigen Weg. Sie geben gern zu, dass sie selbst in diesem Ehrenamt unglaublich dazugelernt haben. Viel Unzulängliches wird noch aufgezählt, zum Beispiel die notwendigen Fahrten aus eigener Tasche bezahlen zu müssen, das ungelöste Wohnraumproblem für anerkannte Flüchtlinge und immer wieder der Frust über die Behörden. Davon können auch Ingeborg und Karl Leitenberger ein Lied singen, die seit drei Jahren Imran, einen afghanischen Flüchtling, der seine Frau und zwei Kinder zurücklassen musste, zur Seite stehen. „Der 30-Jährige hat seinen Hauptschulabschluss und den Führerschein in der Tasche, arbeitet in einer Pizzeria. Vier Jahre hat er auf seine Anerkennung gewartet und jetzt eine Ablehnung bekommen“, empört sich Leitenberger, der noch diese Woche mit Imran nach München fahren will.

Die Forderungen an die Politik werden lauter

Es gibt viele im Landkreis, die denen, die mit den Kriegen in ihren Heimatländern nichts zu tun haben, hier angeschwemmt wurden, weiterhin helfen werden. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre sind ihre Forderungen an die Politik lauter geworden. Mit leeren Versprechungen wollen sich die Ehrenamtlichen in der Flüchtlingshilfe nicht mehr abspeisen lassen. Gut war es auf alle Fälle, ihnen an diesem Abend auch einmal danke zu sagen.

Margot Schäfer

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