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Perfekt ausgeleuchtet soll das Olympia-Skistadion und die Große Schanze ab dem 1. Januar 2020 sein.

Kosten von 1,5 Millionen Euro

Flutlichtanlage im Skistadion: SCP will nicht mitzahlen

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Im Skistadion wird mit großer Wahrscheinlichkeit ab dem 1. Januar 2020 eine Flutlichtanlage das Neujahrsspringen ins rechte Licht rücken. Kommt der Bund seinen Zusagen nach, soll im nächsten Jahr mit dem Bau begonnen werden. Die Kosten sind mittlerweile auf 1,5 Millionen Euro angewachsen.

Garmisch-Partenkirchen – In aufgeräumter Stimmung hielt Markus Söder, damals noch bayerischer Finanzminister mit bester Aussicht auf den Ministerpräsidenten-Sessel, heuer am 1. Januar im VIP-Zelt des Neujahrskispringens Hof. Er hatte den berühmten blauen Pullover übergezogen, den sonst nur die Mitglieder des Skiclubs Partenkirchen tragen, um Verbundenheit zu demonstrieren. Um ihn herum saß die lokale Polit-Prominenz: die beiden CSU-Landtagsabgeordneten Harald Kühn und Martin Bachhuber, Landrat Anton Speer (Freie Wähler), Bezirkstagsmitglied Thomas Schwarzenberger, Garmisch-Partenkirchens Vizebürgermeister Wolfgang Bauer (beide ebenfalls CSU) und als roter Farbtupfer Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD). Alle strahlten um die Wette, SCP-Präsident Michael Maurer streckte zum Zeichen, dass alles Top sei, den Daumen seiner rechten Hand in Luft. Söder hatte soeben verkündet, dass sich der Freistaat mit mindestens 30 Prozent Zuschuss, „35 Prozent dürften auch kein Problem darstellen“, am Bau der Flutlichtanlage im Skistadion beteiligen werde. Macht rund 350 000 Euro bei einer geschätzten Summe von einer Million Euro.

Der Tag der Verkündigung: Markus Söder (3.v.l.) am 1. Januar 2018 im VIP-Zelt des Neujahrsskispringens inmitten lokaler Politprominenz.

Der SC Partenkirchen hat mittlerweile einen Antrag bei der Gemeinde eingereicht, der auf den Planungen aus dem Jahr 2007 fußt, als die Schanze errichtet wurde. Inzwischen sind die Kosten für die Anlage allerdings gestiegen. Ein Gutachter schätzt sie nun auf 1,5 Millionen Euro. „Die Baupreise sind explodiert“, sagt Meierhofer. Das bekomme jeder zu spüren, der zurzeit plane, ein Haus zu bauen. Der Freistaat steht trotzdem zu seiner Zusage und ist bereit, eine halbe Million Euro zuzuschießen. „Das wurde uns bestätigt“, teilte Meierhofer in der Gemeinderatssitzung am Mittwoch mit. Auch der Bund will sich beteiligen, doch mahlen in Berlin die Mühlen offenbar langsamer als jene in München.

Blieben 500 000 Euro für die Marktgemeinde. Sparkommissarin Meierhofer versucht, einen Teil dieser Summe auf den Skiclub abzuwälzen. Sie erwartet „eine finanzielle Beteiligung“. Die lehnt der SCP ab. Für diese Haltung führte Maurer in seiner Stellungnahme im Gemeinderat mehrere Gründe an. Der Club sei bereits beim Bau der Großen Schanze mit 1,5 Millionen Euro zur Kasse gebeten worden. „Davon tilgen wir jährlich 75 000 Euro plus Zinsen. Bis wir damit fertig sind, dauert es noch ein paar Jahre.“ Er glaube nicht, dass jemals ein Garmisch-Partenkirchner Verein einen ähnlich hohen Anteil für ein Bauprojekt geschultert habe.

Außerdem hat der Partenkirchner Vorzeigeclub in Zukunft Mindereinnahmen von 50 000 Euro zu erwarten. Der Deutsche Skiverband (DSV) hat die Daumenschrauben angelegt, weil er selbst finanziell nicht gerade auf Rosen gebettet ist. Der DSV war es auch, der auf eine Flutlichtanlage gedrängt hatte, damit manselbst bei schlechtem Wetter die Möglichkeit hat, das Springen durchzuziehen – neben dem Internationalen Skiverband FIS und den Fernsehanstalten, die das Spektakel jeden 1. Januar übertragen. Den zweiten Wettbewerb im Rahmen der Vierschanzentournee nannte CSU-Fraktionsvorsitzende Elisabeth Koch das Sportereignis mit den höchsten TV-Einschaltquoten nach den Olympischen Spielen. Das mag zwar ein bisschen hoch gegriffen sein, dennoch besitzt das Neujahrsspringen einen unschätzbaren Werbe- und Marketingwert.

Die Flutlichtanlage, für die drei Fundamente und die Lehrrohre für die Verkabelung seit 2007 existieren, und in der nur der parteifreie Gemeinderat Christoph Elschenbroich „keinen Sinn“ sieht, kommt nicht nur dem Neujahrsskispringen zugute. Auch anderen Veranstaltungen, die im Skistadion stattfinden, werden davon profitieren, dass das Stadion optimal ausgeleuchtet wird. In der Vergangenheit hatten Fernsehanstalten, die im Skistadion Samstagabend-Shows wie den Star-Biathlon produzierten, über das schlechte Licht geklagt.

Das gehört wohl bald der Vergangenheit an. Der Gemeinderat beschloss mit 28:1-Stimmen, vorausgesetzt der Bund steigt in das Projekt ein, den Bau umzusetzen. Auch mit dem SCP will man noch einmal verhandeln. Beim Neujahrsspringen 2020, so die Vorstellung Meierhofers und Maurers – da bewegen sich beide auf einer Linie – , soll die neue Flutlichtanlage ihre Premiere erleben.

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