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Gut gelaunt präsentieren die Mitglieder im Gasthof Rassen ihre Bastel- und Handarbeiten.

Vereinsgeschichte geht auf Marktbrände zurück

Mütter lindern die Not - seit 140 Jahren

Helfen – das hat sich der Frauen- und Mütterverein Partenkirchen auf seine Fahne geschrieben. Dem kommen die Mitglieder seit 140 Jahren nach, im Stillen, ohne viel Aufhebens um ihre guten Taten zu machen.

Garmisch-Partenkirchen Aus der Not geboren, um Not zu lindern. Seit nunmehr 140 Jahren gilt das ganz besonders für eine Organisation, die mit ihren 506 Mitgliedern als eine der hilfreichsten Gemeinschaften des Ortes gelten kann: der katholische Frauen- und Mütterverein Partenkirchen. Ausgerechnet in jenen Jahren des 19. Jahrhunderts gegründet, als gerade die Pfarrkirche bis auf die Grundmauern niedergebrannt war. Seither spenden die rührigen Mitglieder der Vorsitzenden Irmi Erhardt zufolge „Hilfe für alle, die Hilfe brauchen“.

Die neue Fahne lassen die Frauen unter dem Vorsitz von Irmi Erhardt (r. Bild 2. v. r.) im September 2009 von Pfarrer Karl Hofherr weihen.

Die Mittel dafür erarbeiten sie sich selbst: An langen Abenden basteln die Frauen, deren Altersspektrum von 20 bis 95 Jahren reicht, mühsam aber bienenfleißig eine Unmenge schöner Geschenkartikel, die sie dann beim Adventsbasar im Pfarrheim und an zwei Flohmarktständen wieder verkaufen. 12 000 bis 13 000 Euro kommen so alle Jahre zusammen, die sie in vielerlei sozialen Hilfen unter die Leute bringen: Spenden der verschiedensten Art an Bedürftige, an ein paar Hilfsorganisationen und Kliniken, Krankenbesuchsdienst, Senioren-Nachmittage, Bewirtungen bei Pfarrveranstaltungen. „Außerdem begeben wir uns alljährlich auch zweimal auf Wallfahrten“, sagt Erhardt. „Damit erbitten wir seit mittlerweile 140 Jahren die Hilfe Gottes für unsere Pfarrgemeinde.“

Schriftführerin Elisabeth Konstanzer hat die Geschichte des Vereins aufgeschrieben. „Nach den beiden großen Marktbränden 1863 und 1865 war die Not in Partenkirchen allgegenwärtig. Darum gründete Pfarrer Michael Nefzger mit 73 Müttern am 30. April 1877 den ,Christlichen Mütterverein‘, der in Not geratene Familien unterstützen sollte“, erzählt sie. Geistlicher Vorstand war laut Vereinssatzung, die noch heute erhalten ist, der Pfarrer. Ihm zur Seite stand für die Vereinsangelegenheiten ein Rat von drei Frauen. Das Hauptfest ist alle Jahre – auch heute noch – der Schmerzhafte Freitag, also der Freitag vor dem Palmsonntag, mit Heiligem Amt und Generalkommunion.

Mit dem späteren Pfarrer Isidor Sutor kam 1905 ein weiterer unermüdlicher Geistlicher nach Partenkirchen, der sich des Christlichen Müttervereins besonders intensiv annahm. Seiner Initiative und der Opferbereitschaft der Mitglieder ist es zu danken, dass 1933 eine Vereinsfahne geweiht werden konnte. Seit 1993 ist der Katholische Frauen- und Mütterverein ein eingetragener gemeinnütziger Verein.

„Bis in die heutige Zeit haben sich unsere Mitglieder dem Gebet und der Unterstützung für alle jene verschrieben, die Hilfe brauchen“, erklärt Konstanzer. Ende des 19. Jahrhunderts war es noch die Unterstützung jener Familien, die durch die verheerenden Brände in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Später wurden dann bedürftige Erstkommunionkinder mit Gebetsbuch, Kerze und Bekleidung ausgestattet. „Und selbst im Krieg ruhte unsere Tätigkeit nicht, so wurden den Soldaten Freudengaben, wie es damals hieß, geschickt und die Familien, deren Väter und Söhne im Feld waren, unterstützt“, erzählt die Schriftführerin.

Die Zeiten haben sich geändert, doch auch heute noch ist Hilfe vonnöten, zumal es viel „verschwiegene Not“ gibt. Darum können nicht nur soziale Einrichtungen, sondern aus den Einnahmen des Basars und der Flohmärkte auch direkt kranke und bedürftige Personen gefördert werden. Den Wunsch für die Zukunft bringt Erhardt auf den Punkt: „Der Verein soll in dieser Tradition auch weiterhin durch Zusammenhalt und gemeinsame Sozialarbeit für die Nöte anderer Menschen offen sein und nach Kräften helfen können.“

Sein Jahramt

begeht der Partenkirchner Mütterverein am Schmerzhaften Freitag, 7. April,  um 9 Uhr in der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt. Die Generalversammlung beginnt um 14.30 Uhr im Pfarrheim.

Wolfgang Kaiser

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