Trat heuer als Bürgermeister-Kandidatin an: Lilian Edenhofer von den Freien Wählern.
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Trat heuer als Bürgermeister-Kandidatin an: Lilian Edenhofer von den Freien Wählern.

Wirbel um Vorstandswahl

Freie Wähler in Garmisch-Partenkirchen: Der Machtkampf geht weiter

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Die Spannungen bei den Freien Wählern in Garmisch-Partenkirchen halten an. Nach dem Bruch der Fraktion droht nun weiterer Ärger: Die Ortsgruppe wählte Iris Grassl zur neuen Vorsitzenden – eine Personalie, die Vorgängerin Lilian Edenhofer für anfechtbar hält.

Garmisch-Partenkirchen – Es war eine kommunalpolitische Musterkarriere, die Lilian Edenhofer hinlegte: Sie wurde 2018 als neue Hoffnungsträgerin Ortsvorsitzende der Freien Wähler in Garmisch-Partenkirchen, bewarb sich 2020 um das Amt der Ersten Bürgermeisterin und übernahm im Gemeinderat den Fraktionsvorsitz. Doch es traten schnell Konflikte zutage. Das Dreier-Team – neben Edenhofer holten Daniel Schimmer und Martin Kurschatke Mandate – war sich über die strategische Ausrichtung nicht einig. „Ich will Opposition, die anderen eher einen Kuschelkurs“, lautete damals Edenhofers Schnellanalyse.

Es kam zum großen Krach. Edenhofer wurde als Fraktionsvorsitzende abgewählt – und kehrte dem Bündnis den Rücken zu. Seitdem sind die Freien Wähler im Gemeinderat in zweifacher Ausführung präsent – mit der Zwei-Mann-Fraktion Schimmer/Kurschatke sowie mit Edenhofer als fraktionsloser Einzelkämpferin.

Edenhofer trat nicht mehr an, sieht die Wahl aber als anfechtbar an

Nun gibt es weitere Veränderungen, die den Einfluss der 53-jährigen Journalistin schwinden lassen. Das Personalrad drehte sich in der Ortsgruppe, die laut einer Pressemitteilung vergangenen Freitag unter Ausschluss der Öffentlichkeit tagte. Auf der Jahresversammlung wurde Iris Grassl zur neuen Ortsvorsitzenden gekürt – eine Wahl, die für drei Jahre gilt. Laut Grassl trat Edenhofer nicht mehr an – und war auch nicht zu dem Treffen erschienen, das in kleiner Runde im Hotel Garmischer Hof stattfand.

Doch die Situation ist verworren – und könnte ein juristisches Nachspiel haben. Edenhofer bestätigt zwar, dass sie für den Vorsitz nicht mehr zur Verfügung stand. Aber mit der Neuwahl ist sie dennoch nicht einverstanden. Denn ihren Angaben zufolge wurde ohne ihre Zustimmung zu der Versammlung eingeladen. Die dort gefassten Beschlüsse, also auch die Besetzung der Posten, sind daher nach Auffassung der Ortspolitikerin anfechtbar. Dies sei nicht nur ihre Sichtweise, sondern die mehrerer Mitglieder, betont Edenhofer. Ob sie tatsächlich die juristische Keule rausholt, dies ließ die Gemeinderätin auf Tagblatt-Nachfrage offen. Sie, so Edenhofer weiter, hätte jedenfalls den Termin in den April verlegt. Denn viele Interessenten, die sich gerne um ein Amt beworben hätten, seien jetzt aus Angst vor Corona nicht erschienen.

Die neue Vorsitzende über die Lage der Freien Wähler: „Das ist sehr ungünstig“

Grassl kann indessen die Einwände nicht nachvollziehen. Man habe sich juristisch beraten lassen, erklärt die 57-jährige Mentaltrainerin, und sehe sich auf der sicheren Seite. Grassl ist sich über die schwierige Situation der Freien Wähler im Gemeinderat bewusst: „Das ist sehr ungünstig“, sagt sie. Entscheidend sei, in dem Gremium ein „gemeinsames Miteinander“ zu schaffen, um das Bestmögliche für den Ort herauszuholen – eine Philosophie, die auch Schimmer und Kurschatke pflegen. Grassl möchte keine Schuldzuweisungen vornehmen – und hält sich diplomatisch zurück: „Ich möchte mir erst einen neutralen und sachlichen Überblick verschaffen.“

Der neue Vorstand: Iris Grassl (Erste Vorsitzende), Elisabeth Grodon (stellvertretende Vorsitzende), Christl Bredow (Schriftführerin), Martin Mämpel (Schatzmeister), Bettina Hermann und Jelka Brütting (Beisitzer).

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