Bei der Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl im vergangenen Jahr: Lilian Edenhofer und Martin Sielmann.
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Bei der Podiumsdiskussion zur Bürgermeisterwahl im vergangenen Jahr: Lilian Edenhofer und Martin Sielmann.

Gerüchte über Ausschussgemeinschaft mit FDP

Freie Wähler: Zerreißprobe findet kein Ende

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Die Freien Wähler in Garmisch-Partenkirchen kommen nach dem Bruch der Fraktion aus ihrer Dauerkrise nicht heraus. Die Parteigranden geben aber die Hoffnung nicht auf und setzen weiterhin auf Vermittlungsversuche. Die abtrünnige Einzelkämpferin Lilian Edenhofer erhält indessen Avancen von FDP-Mann Martin Sielmann.

Garmisch-Partenkirchen – Nichts ist in der Politik schöner als Gerüchte. Eines besagt, dass Garmisch-Partenkirchens FDP-Platzhirsch Martin Sielmann und Lilian Edenhofer, Gemeinderatskollegin der Freien Wähler, angeblich eine Ausschussgemeinschaft planen. Stimmt nicht, sagt Edenhofer auf Nachfrage. „Das ist im Moment kein Thema. Es ist gut so, wie es ist“, findet die ehemalige Hoffnungsträgerin der Freien Wähler, die nach schweren Differenzen mit ihren Fraktionskollegen Daniel Schimmer und Martin Kurschatke über die politische Ausrichtung ihr Dasein als Einzelkämpferin fristet. „Ich bin zufrieden“, fügt sie hinzu.

FDP-Mann Sielmann bietet Zusammenschluss an

Doch was nicht ist, kann ja noch werden: Denn die Zusammenarbeit von Edenhofer und Sielmann funktioniert offenbar bereits ausgezeichnet. Die beiden Erzrivalen von Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) traten zuletzt auf der Oppositionsbank wie ein eingespieltes Team auf. Der Chefliberale, der im Gemeinderat alleine die FDP-Fahne hochhält, wirbt unverblümt für den besagten Zusammenschluss, um gemeinsam die Ausschüsse zu besetzen. Kein Wunder: Sielmann hätte von einem solchen Zweckbündnis nur Vorteile. Denn bislang ist er in den kleinen Fachgremien nicht vertreten. Er und Edenhofer stünden schon jetzt in einem „engen Austausch“, berichtet der Ortspolitiker. Eine Ausschussgemeinschaft könne er sich „gut vorstellen“. Und überhaupt: „Ich schätze Frau Edenhofer über alles.“

Den Freien Wählern dürfte das politische Techtelmechtel nicht entgangen sein. Und es dürfte sie auch nicht ganz kalt lassen. Denn Edenhofer müsste nach Tagblatt-Informationen die bürgerlich-konservative Gruppierung verlassen, um die Zweier-Allianz zu schmieden. Dies könnte eine Neuberechnung der Zusammensetzung der Ausschüsse nach sich ziehen und die Kräfteverhältnisse neu ordnen – möglicherweise zum Nachteil der Freien Wähler.

Spitzenvertreter versuchen zu vermitteln

Deren Außendarstellung im Gemeinderat ist alles andere als ideal. Denn sie sind dort mit gleich zwei Lagern vertreten – mit der (Rest-) Fraktion Schimmer/Kurschatke und mit Edenhofer – und sprechen nicht selten mit zwei Stimmen. Ein Zustand, den Parteigranden wie der Oberammergauer Landtagsabgeordnete Florian Streibl als „äußerst unglücklich“ bezeichnen. Es ist daher keine Überraschung, dass die Spitzenvertreter versuchen, die Wogen zu glätten – und den Dauerzoff, der seit Monaten offen ausgetragen wird, endlich zu beenden. Man müsse wieder „gegenseitiges Vertrauen aufbauen“, betont Streibl. Er werde sich jedenfalls weiterhin dafür einsetzen, zu vermitteln. „Man muss miteinander reden“, empfiehlt auch Freie-Wähler-Landrat Anton Speer.

Ähnlich klingt es bei Iris Grassl, der neuen Vorsitzenden der Garmisch-Partenkirchner Ortsgruppe. „Man muss nicht immer einer Meinung sein“, findet sie. Aber zumindest in den zentralen Fragen der Ortsentwicklung, etwa bei den Mammutthemen Kongresshaus oder Ski-WM, sollte man eine gemeinsame Linie verfolgen.

Damit nicht genug: Edenhofer zweifelt die jüngste Wahl des Vorstands an – und denkt laut über rechtliche Schritte nach. „Das ist in der Prüfung“, sagt sie. Als Affront könnte es die einstige Ortsgruppenchefin und Bürgermeisterkandidatin empfinden, dass sie bei einem anvisierten Spitzentreffen der neuen Führungsriege mit Streibl und Speer – der ursprünglich für kommenden Montag angesetzte Termin wurde wieder verschoben – nicht auf der Gästeliste steht. Es handle sich coronabedingt um einen Austausch im engsten Kreis, begründet Grassl diese Vorgehensweise. Geplant sei aber auch eine Mitgliederversammlung. Und dazu werde Edenhofer eingeladen.

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