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Aufs Richard-Strauss-Festival freuen sich (v. l.) Simone Geiger-Liebreich, Sohn David, Alexander Liebreich, Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer und Staatsministerin Prof. Dr. Marion Kiechle.

Bei Zuschüssen gibt‘s noch Luft nach oben

Freistaat ist stolz aufs Richard-Strauss-Festival

  • Tanja Brinkmann
    vonTanja Brinkmann
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Der Zusammenhalt ist stark – im Markt, im Landkreis und im Freistaat. Alle Seiten bekunden die enorme Bedeutung des Richard-Strauss-Festivals. Durch ihre Zuschüsse lassen sie ihren Worten Taten folgen. Noch gibt’s aber viel Luft nach oben.

Garmisch-Partenkirchen – „Richard Strauss ist ein Knaller.“ Voller Inbrunst spricht Dr. Marion Kiechle diesen Satz aus. Und ergänzt: „ein bayerischer Knaller“. Damit trifft die Kunstministerin den Nagel auf den Kopf. Strauss wurde in München geboren, fand 1908 seine Wahlheimat in Garmisch-Partenkirchen, wo seine Nachkommen noch heute leben. Der Komponist ist quasi ein Ur-Bayer, der Weltruhm erlangte. Ein Aushängeschild für den Freistaat, was allerdings bislang nicht entsprechend gewürdigt wurde. Das ändert sich nun in diesem Jahr, in dem Alexander Liebreich seine Premiere als Künstlerischer Leiter der Reihe feiert. 180 000 Euro fließen vom Land nach Garmisch-Partenkirchen, um das Richard-Strauss-Festival zu veranstalten. „Seit mittlerweile 30 Jahren ist es eine wunderbare und erfolgreiche Tradition geworden, die aus dem Festivalkalender nicht mehr wegzudenken ist“, betonte die CSU-Politikerin bei der Eröffnung in der von einer Bühnenbildnerin umgewandelten Curling-Halle. „Wir sind stolz darauf und werden auch in den nächsten Jahren dabei helfen, dieses Juwel in der Festivallandschaft zum Strahlen zu bringen.“ Dafür will sie sich persönlich stark machen.

Bedeutende Künstler im Landkreis Garmisch-Partenkirchen

Worte, die Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) und die anwesenden Gemeinderäte gerne vernehmen. Denn noch haben sie ihr Ziel nicht erreicht, den angestrebten Etat in Höhe von einer Million Euro zu jeweils einem Drittel aus Mitteln des Marktes, des Freistaats und von Sponsoren zu decken. „Da gibt’s noch Luft nach oben“, bestätigt Meierhofer. Auch von Seiten des Landkreises, der sich in diesem Jahr – sozusagen in letzter Minute – doch noch aus Landesausstellungsmitteln mit einer niedrigen fünfstelligen Summe eingebracht hat. „Ich hoffe, das ist ein Vorzeichen für eine langfristige Beteiligung“, sagt sie mit Blick zu Landrat Anton Speer (Freie Wähler).

Eine Zusage erhält sie an diesem Abend nicht von ihm. Allerdings verspricht er, sich bei den Kreisgremien, die letztlich entscheiden müssen, einzusetzen. „Wenn wir fördern, muss das Festival in mehreren Landkreisgemeinden spielen.“ So wie heuer mit zwei Konzerten in Kloster Ettal und zwei Terminen in Schloss Elmau. Speer ist bewusst, wie reich seine Heimatregion mit bedeutenden Künstlern gesegnet ist. Das betrifft nicht nur Strauss, sondern auch die Maler des Blauen Reiter sowie die Schriftsteller Ödön von Horváth und Michael Ende. „Diese Schätze müssen wir pflegen.“

Eigene Haushaltsstelle fürs Strauss-Festival

Unterstützung erhält er bei diesem Ansinnen von den Landkreisabgeordneten Harald Kühn und Martin Bachhuber (CSU) sowie Florian Streibl (Freie Wähler). Ihr Ziel ist es, das Festival mit einer eigenen Haushaltsstelle im Etat des Freistaats zu verankern. Was seit 1989 in Garmisch-Partenkirchen zu Ehren des Komponisten aufgebaut wurde, „hat sich zu einer Perle entwickelt“, sagt Kühn. Ein Konzept, das mehrfach verändert wurde, das gewachsen ist und jetzt unter Liebreichs Regie wieder neue Wege beschreitet. Ein Wandel eben. Metamorphosen, wie es auch der Titel des Festivals verspricht.

Daher „wäre es aus meiner Sicht nur angemessen, wenn sich der Freistaat, möglicherweise auch als Mitveranstalter, signifikant stärker in die dauerhafte Finanzierung des Festivals einbringt“, unterstreicht Streibl. „Hier wäre es möglich, fernab der kulturell gut ausgestatteten Metropolen Bayerns, Kultur auf höchstem Niveau im ländlichen Raum zu unterstützen.“ Genau das nennt Kiechle „ein Kernanliegen bayerischer Kulturpolitik“. Ziel sei es, das vielfältige Angebot zu dezentralisieren und zu regionalisieren, was auch im Bayerischen Musikplan ausdrücklich verankert sei. „Deshalb fördern wir ganz gezielt Initiativen in den Regionen. Garmisch-Partenkirchen und das Richard-Strauss-Festival sind dafür ein gutes Beispiel.“

Kein Bayreuth des Südens

Damit spricht sie Liebreich aus der Seele. Im Gegensatz zu Bayreuth, wo eigens für Richard Wagner ein Festival ins Leben gerufen wurde, war das nicht Strauss’ Bestreben. Dieser arbeitete und lebte in Garmisch-Partenkirchen. Er traf hier befreundete Künstler, tankte Kraft in der Natur. Sein Geist sei noch immer spürbar in der Marktgemeinde, findet Liebreich. „Da ist nichts aufgesetzt.“ Deshalb spricht er sich auch strikt dagegen aus, Garmisch-Partenkirchen in ein Bayreuth des Südens zu verwandeln. Das sei gar nicht notwendig. Zumal „wir hier keinen Grünen Hügel, sondern richtige Berge haben“.

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