Eine Frau kniet, hinter ihr streiten eine Frau und zwei Männer, von denen einer ein Gewehr hält.
+
Kam hervorragend an: „Die Geierwally“ mit (v.l.) Elisabeth Hofmeister, Sofia Brennauer, Harald Ehrenberg und Wolf-Stefan Bögl hat 2018 das Publikum im Kleinen Theater gefesselt.

Ein Schritt in die Moderne

„Ich sehe das als Anstoß“: Geld fließt erst, wenn das Kleine Theater ein überarbeitetes Gesamtkonzept vorlegt

  • Tanja Brinkmann
    vonTanja Brinkmann
    schließen

Der Markt unterstützt das Kleine Theater – aus Überzeugung. Ehe allerdings die gesamten 49.000 Euro fließen, muss ein überarbeitetes Gesamtkonzept her. Damit hat Juniordirektorin Tatjana Pokorny kein Problem. Sie vermutet allerdings, dass den Kommunalpolitikern nicht alles bekannt ist, was am Richard-Strauss-Platz passiert.

  • Der Markt zahlt den zweiten Teil der Zuschüsse ans Kleine Theater nur aus, wenn dieses ein überarbeitetes Konzept vorlegt.
  • SPD fordert Öffnung nach außen und schlägt Gastspiele sowie externe Veranstaltungen vor.
  • Seit Juniordirektorin Tatjana Pokorny an Bord ist, hat sich viel getan am Richard-Strauss-Platz.

Garmisch-Partenkirchen – Hartnäckigkeit, die zeichnet die Familie Rohrbeck-Pokorny aus. Nur dadurch können sie seit 1949 in Garmisch-Partenkirchen bestehen. Nur so haben sie es geschafft, 1998 mit dem Kleinen Theater am Richard-Strauss-Platz endlich ein festes Zuhause zu bekommen. Was die Familie hingegen weniger drauf hat, ist Eigenwerbung. „Ich arbeite lieber“, sagt Juniordirektorin Tatjana Pokorny. Als Regisseurin, Schauspielerin und häufig Mädchen für alles engagiert sie sich für das Ensemble, das auf eine 72-jährige Geschichte zurückblickt. Dass das allein nicht reicht, hat sie nach der jüngsten Debatte im Gemeinderat gemerkt. „Offenbar wissen viele gar nicht, was wir alles machen.“ Das will sie nun ändern.

Muss sie auch, denn die Ausschüttung der Fördermittel in Höhe von 49.000 Euro von Seiten der Marktgemeinde ist an eine Bedingung geknüpft. „Die Auszahlung der zweiten Rate erfolgt erst nach Vorlage eines überarbeiteten Gesamtkonzepts“, lautet der Beschluss, der mit 24:2-Stimmen abgesegnet wurde. Ergänzt wurde er durch einen Antrag der SPD-Fraktion, die anregte, „beispielsweise Gastspiele und externe Veranstaltungen aufzunehmen“. Eine Idee, die Sandra Debus, Fachkraft für Kultur im Garmisch-Partenkirchner Rathaus, erstaunt. Denn sie weiß, dass diese Idee mit den Vorgaben der Zuschussgeber von Land und Bezirk kollidiert. Die Förderung des Bayerischen Kunstministeriums gelte schließlich nur für einen professionellen Betrieb, das heißt mit mindestens 100 eigenproduzierten Vorstellungen, folglich ohne Koproduktionen und Gastspiele. Genau darauf hat Debus schon im Kulturbeirat und später auch im Gemeinderat mit Nachdruck hingewiesen. „Diese Zuschüsse sind vor allem für Garmisch-Partenkirchen gedacht“, ergänzt Pokorny. Der Spielbetrieb, das abwechslungsreiche Programm und das Ensemble vor Ort werden durch 75.000 Euro vom Freistaat und 13.500 Euro vom Bezirk unterstützt.

„Mehr Experimentierfreude“ wünscht sich die SPD vom Kleinen Theater

Allein das überzeugt Ulrike Bittner-Wolff nicht. Sie ist sicher, dass man auch mit den Fördergebern sprechen könnte. Darauf pocht die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende aber nicht. Entscheidend für sie ist, dass sich das Kleine Theater nach außen öffnet und zukunftsfähiger wird. „Ein bisschen frischen Wind, mehr Experimentierfreude“, wünscht sie sich.

Wie dieser Wunsch erfüllt wird, da ist sie ganz offen. Bittner-Wolff, die früher mit ihren Eltern öfter Vorstellungen des Kleinen Theaters besucht hat, mit ihrem Mann mittlerweile aber eher Aufführungen in München anschaut, weiß durchaus, mit welchen Schwierigkeiten das Haus am Richard-Strauss-Platz zu kämpfen hat. „Trotzdem hat sich die Welt des Theaters verändert“, betont sie. Dem stehe der Fokus, den sie beim Kleinen Theater ausgemacht hat, entgegen. Ihrer Meinung nach werde vor allem die boulevardaffine Generation 60 plus angesprochen. „Natürlich wollen wir das Theater halten“, gibt sie die Stimmung im Gemeinderat wieder. „Es ist aber wichtig, dass sich konzeptionell etwas tut.“ Gute Ansätze erkennt sie schon, etwa in moderneren Inszenierungen und Stücken wie „Die Geierwally“, die auch sie gesehen hat und die jüngere Leute ansprach. Darauf, findet Bittner-Wolff, sollte die Familie Rohrbeck-Pokorny aufbauen.

Tatjana Pokorny zeigt sich für alle Gespräche und Vorschläge offen.

Daran arbeitet Pokorny, seit sie 2006 unter der Prämisse „grundsätzlich geht erst einmal alles“ in den Familienbetrieb eingestiegen ist. Sie hat viel gewagt, besondere Stücke wie „Die Glasmenagerie“ oder „Amadeus“ auf den Spielplan gesetzt. Sich der Jugend mit „Der Club der toten Dichter“ angenähert. Und Heimatkrimis sowie Comedys aus der Feder ihres Mannes Matthias Weckmann ermöglicht. Nicht alles wurde vom Publikum goutiert. Sie musste Rückschläge einstecken und probiert’s trotzdem weiter. Schulvorstellungen, Führungen für Kindergärten und Schulklassen sind Versuche, Kinder und Jugendliche fürs Theater zu interessieren. Ihnen bietet sie Inszenierungen wie „Die kleine Gräfin“ oder „Hurra, der Weihnachtsmann ist wieder da“. Klassiker, von denen sie jedes Jahr einen im Programm hat, kommen dagegen nicht immer an. „Eine Ausnahme ist der ,Jedermann‘, der auch Einheimische anspricht.“ Sich ein neues Publikum zu erschließen, sei ein zähes Geschäft, hat Pokorny erfahren. „Aber wir bleiben dran und sind für alles offen.“

Ein Anstoß, um das Programm zu modernisieren

Worte, die Debus gerne hört. „Ich sehe den SPD-Antrag als Anstoß.“ Genau wie die Anregungen des Kulturbeirats, der ebenfalls ein überarbeitetes Gesamtkonzept fordert. „Unser Vorschlag ist, ein-, zweimal im Jahr Regisseure von außen zu holen, um sich auch selbst zu evaluieren“, erklärt Vorsitzende Dr. Constanze Werner. Dabei werde der Sinn des Kleinen Theaters keinesfalls in Frage gestellt. „Wir sehen das nur als Ansatz, das Programm zu modernisieren.“

Dagegen hat Pokorny nichts. Allerdings muss der Weg, den sie und ihr Ensemble einschlagen, ohne Fördergeber zu vergraulen, besprochen werden. Deshalb strebt sie Gespräche mit Debus und dem Kulturbeirat an. „Dabei stellen wir auch gerne unser vorhandenes Konzept vor.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare