Ein Dauerthema: die Zukunft des in die Jahre gekommenen Kongresshauses.
+
Ein Dauerthema: die Zukunft des in die Jahre gekommenen Kongresshauses.

Offener Brief der Werbegemeinschaft „Partenkirchen erleben“ an die Politik

Front gegen Kongresshaus-Pläne

  • Andreas Seiler
    VonAndreas Seiler
    schließen

Die Werbegemeinschaft „Partenkirchen erleben“ glaubt offenbar nicht (mehr) so recht an die Zukunft des Kongresshauses im Kreisort – und spricht sich in einem offenen Brief an die Politik sowohl gegen einen Neubau als auch eine Sanierung aus. Das Geld sollte lieber, so der Tenor, in andere Projekte gesteckt werden.

Garmisch-Partenkirchen – Das zweiseitige Schreiben von Franz Kässer, das an die Bürgermeisterinnen Elisabeth Koch (CSU) und Claudia Zolk (CSB) sowie an die Gemeinderäte des Marktes Garmisch-Partenkirchen adressiert ist, dürfte für reichlich Diskussionsstoff sorgen. Denn darin greift der Vorsitzende der Werbegemeinschaft „Partenkirchen erleben“ den Dauerbrenner Kongresshaus auf – und vollzieht eine bemerkenswerte Kehrtwende.

Corona-Pandemie hat zu Umdenken geführt

Bislang habe sich die Werbegemeinschaft – die Interessenvertretung aus dem Ortsteil Partenkirchen zählt rund 90 Mitglieder, vor allem Einzelhändler – klar für einen Neubau des ortsbildprägenden Komplexes am Richard-Strauss-Platz ausgesprochen, räumt der Inhaber der „Chocolaterie Amelie“ ein. Doch die Corona-Pandemie habe zu einem Umdenken geführt. Kässer und seine Mitstreiter rechnen anscheinend nicht damit, dass sich das herkömmliche Kongressgeschäft nach der staatlich verordneten Zwangspause wieder erholt, geschweige denn wächst. Der Geschäftsmann kommt zum Schluss: „Das Kongressgeschäft und dadurch auch die Anforderungen der Veranstalter an die Räumlichkeiten haben sich drastisch verändert, so dass die Planung des Kongresshauses nicht einfach so wie früher weitergeführt werden kann.“ Er ist davon überzeugt, dass, wenn nach der Krise wieder Normalität einkehrt, verstärkt digitale Formate gefragt sein werden – und nicht mehr die klassischen Events vor Ort.

Eine erstaunliche Sichtweise. Denn eigentlich gilt in der Tourismusbranche das ungeschriebene Gesetz, dass alle etwas vom Kuchen abbekommen, die Hotellerie, das Gastgewerbe und der Einzelhandel. Denn Tagungsbesucher, so die Logik, die dahinter steckt, müssen irgendwo übernachten, gehen essen und kaufen ein. Doch Kässers Gruppierung glaubt nicht mehr an diese Wertschöpfungskette. Es stelle sich die Frage, ist in dem brisanten Schreiben zu lesen, ob überhaupt ein Kongresshaus so noch benötig werde. Und dann folgt der entscheidende Satz: „Unsere Meinung dazu lautet: Nein!“ Die Werbegemeinschaft erteilt auf Nachfrage sowohl den Neubau- als auch den Sanierungsplänen, die derzeit im Gespräch sind, eine klare Absage.

Vorstellbar wäre allenfalls, erläutert Kässer, ein kleiner Multifunktionsbau samt Tiefgarage auf dem bisherigen Parkplatz. Dort seien ein Restaurant mit Bürger- und Konzertsaal denkbar – und Kongresse im bescheidenen Rahmen. Das in die Jahre gekommene Bestandsgebäude sollte man einfach abreißen, schlägt Kässer vor – und die freie Fläche für eine Erweiterung des benachbarten Kurparks verwenden. „Der könnte so schön sein“, findet der Unternehmer.

Geld für sozialen Wohnungsbau

Überhaupt wäre nach Kässers Dafürhalten das viele Geld – die laufenden Zuschüsse ebenso wie die millionenschweren Investitionen, die im Raum stehen – an anderen Stellen besser aufgehoben. Die Werbegemeinschaft denkt an neue Veranstaltungsformate, etwa im kulturellen Bereich, die den Tourismusort aufwerten. „Das ist eine Aufgabe für GaPa Tourismus. Die haben viele Ideen“, meint Kässer, der betont, wie wichtig bei all diesen Überlegungen das Thema Nachhaltigkeit sei. Und freiwerdende Mittel sollten ihm zufolge in den sozialen Wohnungsbau fließen, um eine der größten Herausforderungen anzugehen, mit der viele Branchen im Markt zu kämpfen haben: die Personalnot.

Und was hält Rathaus-Chefin Koch von dem Vorstoß der Werbegemeinschaft? Die CSU-Politikerin hält sich diplomatisch zurück: „Ich bin für jede differenzierte und klare Meinungsäußerung zum Thema Kongresshaus dankbar, die dazu beiträgt, den gesamten Prozess zur Meinungsbildung bereichert“, erklärt sie.

Der Zeitpunkt des offenen Briefes dürfte nicht zufällig gewählt worden sein. In der nächsten Sitzung des Gemeinderats am Donnerstag, 10. September, ist die Zukunft des Kongresshauses („Standortentwicklungsplanung GaPa 2030“) erneut ein Thema. Dann werden die Ergebnisse einer Bürgerbefragung vorgestellt. Die Kommune setzt in der schwierigen Causa auf eine breit angelegte Bürgerbeteiligung. An deren Ende soll voraussichtlich im ersten Quartal 2022 ein Ratsbegehren stehen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare