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Rücktrittsforderung: Frontalangriff gegen FDP-Politiker Martin Sielmann

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Von: Andreas Seiler

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Das Gesicht der FDP im Landkreis: Kreis- und Gemeinderat Martin Sielmann.
Das Gesicht der FDP im Landkreis: Kreis- und Gemeinderat Martin Sielmann. © Kornatz

In der FDP Garmisch-Partenkirchen ist ein offener Machtkampf ausgebrochen. Der Ortsvorsitzende Elias Fischbacher erhebt in einem Schreiben an die Parteimitglieder schwere Vorwürfe gegen Gemeinde- und Kreisrat Martin Sielmann und fordert dessen Rücktritt. Dieser denkt nicht ans Aufgeben – und wittert eine Intrige.

Garmisch-Partenkirchen – Martin Sielmann ist unbestritten das Gesicht der FDP – in Garmisch-Partenkirchen und im Landkreis. Der redegewandte und meinungsfreudige Diplomat, der an der Deutschen Botschaft in Prag tätig ist, zog in der Vergangenheit nicht nur etliche Male für die Liberalen in den Wahlkampf. Zuletzt bewarb er sich (erfolglos) um ein Bundestagsmandat. Auch im Gemeinde- und Kreistag hält er – in beiden Fällen als Einzelkämpfer – für die Freien Demokraten die Fahne hoch. Dabei hat er sich nicht nur Freunde gemacht. Von einigen Kommunalpolitikerkollegen wird er als Chefkritiker wahrgenommen, der mitunter übers Ziel hinausschießt – ein Vorwurf, der ihn allerdings kaltlässt.

FDP-Ortschef Fischbacher verschickt Schreiben

Doch jetzt rumort es in den eigenen Reihen, genauer gesagt in der Garmisch-Partenkirchner FDP. Der Ortsvorsitzende Elias Fischbacher, der als Nachwuchshoffnung gehandelt wird, attackiert mit voller Wucht den Ober-Liberalen. In einem Schreiben an die „lieben Parteifreunde“, mit dem er offensiv um Unterstützer und Unterschriften wirbt, fordert Fischbacher den „sofortigen Rücktritt Martin Sielmanns aus dem Marktgemeinderat und dem Kreistag“.

Die Begründung kommt einer Generalabrechnung gleich. Tenor: Sielmann sei nicht mehr tragbar, man müsse die Reißleine ziehen. „In den letzten Jahren sorgte die Arbeit von Martin Sielmann, vor allem aber sein Verhalten, für eine immer größere Schädigung des gesamten Kreisverbands der FDP Garmisch-Partenkirchen“, wettert Fischbacher in dem Schriftstück. Der Ortschef wird konkret: „Wir können die Schnellschüsse, Gegenredereien und populistischen Aktionen so nicht mehr hinnehmen.“

Die Freien Demokraten stünden, so Fischbacher weiter, für Fortschritt und wollten neue Ideen gemeinsam mit dem aktuell gewählten Gemeinderat und Kreistag umsetzen. Doch Zusammenarbeit und Kommunikation mit den anderen Fraktionen seien momentan „so gut wie nicht vorhanden“. Auch Sielmanns neue Arbeitsstätte in der Hauptstadt der Tschechischen Republik sei keine gute Voraussetzung, um die besagten Ämter auszuüben. „Daraus resultieren immer schlechter werdende Wahlergebnisse und ein katastrophales Standing des Kreisverbands sowohl in Garmisch-Partenkirchen als auch auf Bezirks- und Landesebene der FDP“, bilanziert Fischbacher.

Auf Tagblatt-Nachfrage gibt sich der Funktionär zugeknöpft. Es handle sich um ein internes Papier, erklärt er, das nur für die Mitglieder des Kreisverbandes gedacht sei – und nicht für die Öffentlichkeit. Demnächst werde es eine Aussprache geben. Er, so Fischbacher, stehe mit seiner Haltung nicht allein da.

Sielmann spricht von Einzelaktion

Sielmann geht indessen zum Gegenangriff über und sieht sich als Opfer eines Putschversuchs. „Das ist eine Einzelaktion“, kommentiert der Volksvertreter. Fischbacher habe bei der Kommunalwahl 2020 den Sprung in den Gemeinderat nicht geschafft und versuche nun, mit dieser Aktion doch noch an einen Sitz zu kommen. „Er will an meinem Stuhl sägen“, sagt Sielmann – und gibt sich kämpferisch: „Aber mein Stuhl ist aus Stahl.“ Soll heißen: Er denkt überhaupt nicht daran, seinen Posten zu räumen. Und das Parteibuch werde er auch behalten. Schließlich sei er seit Jahrzehnten der FDP-Familie eng verbunden und zuletzt für diese in den Gemeinde- und Kreistag wiedergewählt worden. Ihm gehe es in erster Linie um die Menschen und um den Ort, betont der Garmisch-Partenkirchner.

Und jetzt? Der Ausgang des Konflikts – erste Anzeichen hatte es heuer auf der Hauptversammlung des Kreisverbandes gegeben – ist offen. Fest steht nur: Fischbacher kann, auch wenn er eine Mehrheit hinter sich vereint, Sielmann nicht dazu zwingen, das personenbezogene Mandat abzugeben. Dieser müsste freiwillig das Feld räumen. Doch danach sieht es derzeit nicht aus.

Udo Weisenburger, seit Juni neuer FDP-Kreischef, war in der brisanten Angelegenheit für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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