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Große Spuren haben bei der KJE die drei ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder (v.l.) Horst Demmelmayr, Alfred Heinle und Hans Wieland in ihrer jahrelangen, überaus engagierten Tätigkeit hinterlassen.

Wie die Väter so die Söhne

Führungswechsel bei der KJE in Garmisch-Partenkirchen

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Bei der Kinder-, Jugend- und Erwachsenenhilfe geht eine Ära zu Ende. Drei starke Säulen des Vereins verlassen das Führungsteam. Darunter Alfred Heinle, Gründervater und Vorsitzender von Beginn an.

Garmisch-Partenkirchen – Die Fotoshow startet. Erinnerungen aus 47 Jahren Kinder-, Jugend- und Erwachsenenhilfe (KJE) projiziert Ronald Kühn an die Wand. Zeitungsberichte und Bilder von Spatenstichen, Versammlungen, Notarterminen und Ausflügen. Oder Alfred Heinle bei der Baukontrolle. Hoch oben auf einer Leiter-Sprosse stehend. „Ich wollte ihn abhalten“, sagt das geschäftsführende Vorstandsmitglied. Vergeblich. Heinle lässt sich nicht so einfach von seinen Absichten abbringen. Damals wie heute. Erst recht nicht, wenn’s um das Wohl von Menschen mit Behinderung geht.

Das soziale Gewissen

Das soziale Gewissen Garmisch-Partenkirchens ist der Gründervater des Vereins. Seit 1972, also von Anfang an, füllt er das Amt des Vorsitzenden aus. Mit Leidenschaft, Herzblut und mit Visionen. Am Montagabend bei der für ihn „besonderen“ Mitgliederversammlung tritt er wie angekündigt zurück, richtet zum letzten Mal in dieser Funktion seine Worte an die über 80 Anwesenden. „So viele wie noch nie“, sagt der 84-Jährige mit breitem Grinsen. Ein Zeichen der Wertschätzung für ihn und den erfolgreichen Weg der KJE, der inzwischen 738 Mitglieder und 265 Mitarbeiter angehören. Die in ihren Einrichtungen über 500 Menschen mit Handicap betreut. Eine Leistung, die er nie für sich alleine in Anspruch nehmen würde. „Das ist unser gemeinsames Werk.“

Nicht nur Heinle verabschiedet sich

Heinle ist an diesem Abend nicht der einzige Antreiber, der sich verabschiedet. Sein Vize, Finanzchef Hans Wieland – seit 1976 Mitglied, seit 1980 im Vorstand – räumt ebenfalls seine Posten. Mit Wehmut. „Es ist schon irgendwie ein komisches Gefühl, wenn man ausscheidet“, sagt er am Ende seines Kassenberichts. Aber es sei auch „höchste Eisenbahn“. Die nächste Generation soll Verantwortung übernehmen. Sieht auch Horst Demmelmayr so, der dritte im Bunde. 1993 tritt er der Vorstandsmannschaft bei. Seine Steckenpferde: Organisation und Sport. Die Partnerschaft mit der Bundeswehr und die Special Olympics Winterspiele gehen auf ihn zurück.

Mit dem Ausscheiden der drei KJE-Säulen endet eine Ära. „Die Schuhe, die sie hinterlassen, sind so groß“, sagt Hartmut Seiter, der die Entlastung des Vorstands übernimmt. „Da muss man erst einmal reinwachsen.“ Heinle wird nicht bange beim Gedanken daran. „Wir können in Ruhe gehen“, sagt er. Das Feld ist bestellt. Die Weichen waren rechtzeitig gestellt worden, indem man den Nachwuchs mit ins Boot holte.

Zeit des Umbruchs steht bevor

Heinles Tochter, Kathrin Rotter, die erneut und wie alle Kandidaten einstimmig in den Vorstand gewählt wurde, weiß, dass nun eine Zeit des Umbruchs bevorsteht. Die Fußstapfen, sagt sie, „sind nicht zu füllen“. Sie sieht die Aufgabe des neuen Teams darin, etwas Neues zu entwickeln. Wenngleich es auch mal „die eine oder andere Reibung geben kann“. Doch alle eint das gleiche Ziel: miteinander füreinander.

Söhne übernehmen

Trotz der Änderungen bleibt eines gleich: die Nachnamen der beiden Führungspersonen. Stephan Heinle, 53, fungiert als Erster Vorsitzender, Andreas Wieland, 41, als sein Stellvertreter. Wie die Väter so die Söhne. Die beiden sind von Geburt an mit dem Verein verbunden, damit aufgewachsen. Das soziale Gen wurde ihnen vererbt. Heinles Schwester sagt: „Die KJE hatte immer einen extra Stuhl am Tisch der Familie.“

Ihr Vater, dem bereits das Bundesverdienstkreuz und der Bayerische Verdienstorden verliehen wurde, hat bis vor zwei Monaten nichts von den Plänen des Sohns gewusst. „Er überrascht mich immer wieder“, sagt er nach der Wahl. Der 53-Jährige, der in Ohlstadt wohnt, hat sich das Ganze aber lange und wohl überlegt. Er weiß, dass eine große Aufgabe auf ihn zukommt, das Niveau des Vereins zu halten. Eine, der sich der Diplom-Sozialpädagoge gerne gemeinsam mit dem „sehr guten Team“ stellt. Erfahrungen hat der Vorstands-Neuling bereits ausreichend gesammelt. Als Prokurist beim katholischen Männerfürsorgeverein München und als ehemaliger Vorsitzender des TuS Geretsried (etwa 2400 Mitglieder) kennt er die Vereinsarbeit. Durch sein Engagement bei den Helfenden Händen in München auch die mit behinderten Menschen. Seit 30 Jahren ist er beruflich in Sachen Unternehmensberatung unterwegs, arbeitete für BMW und baute unter anderem das Andechser Zentrum für Unternehmenskultur mit auf.

In einem Jahr etwa spricht er dann zum ersten Mal bei der KJE-Versammlung zu den Mitgliedern. Sein Vater wird da sein, kündigt der 84-Jährige gerührt an. Und „andächtig zuhören“. (Weiterer Bericht über die Versammlung folgt.)

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