Gesundheitliche Probleme: Franz Beckenbauer ist nicht vernehmungsfähig

Gesundheitliche Probleme: Franz Beckenbauer ist nicht vernehmungsfähig
+
Spätestens hier war Schluss: die Absperrung am Ortsausgang von Griesen in Richtung Grainau und Garmisch.

Verkehrschaos, wo keines sein dürfte

Fünf Wochen Vollsperrung in Griesen: Diese Probleme traten auf

  • schließen

Die Griesener haben es überstanden: Seit Freitagabend können sie wieder flexibel mit dem Auto nach Garmisch-Partenkirchen fahren, die Vollsperrung ist aufgehoben. In den fünf Wochen traten Probleme auf, mit denen so wohl keiner gerechnet hat.

Griesen – An einem schönen sonnigen Tag wird sie sich einen Schirm und eine Liege aufstellen, mitten auf der Bundesstraße. Und dort einen Kaffee trinken. Um die unglaubliche Ruhe zu genießen. So hat sich Ottilie Hertl-Wagner das ausgemalt, eine gute und amüsante Idee, fand die 66-Jährige. Daraus wurde nichts. „Hätte ich das gemacht, wäre ich zehnmal überfahren worden.“ In einer Zeit, in der durch Griesen eigentlich kein Auto hätte fahren sollen.

Seit 13. Mai bis diesen Freitag wurde am Hang neben der Bundesstraße zwischen Garmisch-Partenkirchen und Griesen gearbeitet. Ein Fels musste gesichert werden. Montags bis freitags war die Strecke zwischen 8 und 17 Uhr gesperrt. Man kam aus der Marktgemeinde nicht in den Ortsteil und von dort nicht in die Marktgemeinde. Ruhe kehrte keine ein.

Viele ignorierten die Sperrschilder

Auto-, Motorrad-, Lkw-Fahrer: So viele ignorierten die Sperrschilder. Von Österreich kommend, fuhren sie einfach so lange, bis es halt nicht weiterging. Manche Griesener haben das mehr, manche weniger gelassen beobachtet. Manfred Lehmann (72) regten die Leute gewaltig auf. Jeder, der am Bahnhof wendete. Jeder, der ihn fragte „Wie kommen wir nach Garmisch?“, wenn er beim Brotzeitmachen in oder vor seinem Haus saß. Er kann die Frage nicht mehr hören, die Falschfahrer nicht mehr sehen. „Wir sind die Deppen vom Dienst. Unsere Nerven liegen blank.“

In der ehemaligen Wechselstube wohnt er, in der Nähe des Bahnhofes werkelt er oft auf einem Lagerplatz. Was er da alles gesehen hat. . . Manche mögen die Schilder übersehen haben, weil sie sich nur auf ihr Navigationsgerät konzentrierten. Sie sind für Lehrmann die Harmloseren. Zudem hat er Motorradfahrer beobachtet, die die Schilder auf die Seite geräumt haben, damit die Spezl durchfahren können. Auch einem Autofahrer mit Wohnwagen war ein Schild im Weg. Gar nicht anfangen will Lehmann von den Motorradfahrern, die einfach den Radweg genutzt haben. „Wir haben die Schnauze voll“, sagt er. Glücklicherweise „hat die Gaudi jetzt ein Ende“. Noch regeln Ampeln den Verkehr, Lehmann rechnet mit Stau. Der aber sei besser als die Fragerei und das Wenden.

Beschädigte Böden

Das mache den Belag kaputt, bekräftigt ein Griesener, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Auf seinem Grundstück sei der Boden beschädigt. Eigentlich, sagt er, müsste das für die Arbeiten zuständige Staatliche Bauamt Weilheim für den Schaden aufkommen. Aber – er probiert’s gar nicht. Bringe nichts. „Das ist jetzt vorbei und gut ist’s.“

Genau so formuliert es Manuel Kalinke. Seine Frau hatte sich im Vorfeld massiv dafür eingesetzt, dass Griesen wochentags – am Wochenende galt eine Ampelregelung – nicht von der deutschen Seite abgeschnitten ist. Mit einigen Mitstreitern formulierte sie Bedenken. Die Behörde garantierte zu jeder Zeit die Versorgung durch Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und Notärzte. Für die hochschwangere Judith Kalinke ein wichtiger Punkt. Ebenso wie die Sonderregelung für Menschen wie sie, die regelmäßig zum Arzt nach Garmisch-Partenkirchen mussten, oder für den Schulbusfahrer: Sie durften den Radweg benutzen. Auch kämpften die Griesener dafür, dass die Zugverbindung erhalten bleibt. Blieb sie – meistens. Das Ehepaar Kalinke plante jedoch einen Ausflug, um das Auto aus der Werkstatt zu holen – prompt fiel die Bahn aus. Technischer Defekt.

Aufregen nützt nichts

Generell ein Entgegenkommen der Bahn hätte sich Andrea Grieshaber (59) gewünscht. 4,50 Euro pro Person für die einfache Fahrt von Griesen nach Garmisch-Partenkirchen – „happig“. Über fünf Wochen kommt da einiges zusammen. Ansonsten aber hat sie sich wie die meisten Griesener mit der Situation arrangiert. Weil Aufregen nichts nützt. Weil die Arbeiten dringend nötig sind, die Sicherheit vorgeht. Und sich Einkäufe, Ausflüge und Arbeitsfahrten planen lassen. „Das ist alles machbar“, sagt Grieshaber, die in Garmisch-Partenkirchen in einer Bäckerei arbeitet. Sicher freut sie sich darauf, wieder flexibel starten und zurückfahren zu können. Doch sie hatte es sich schlimmer vorgestellt.

Kalinke hat’s genervt. Sein Resümee: „Beschissen war’s.“ Für seine Frau, die oft zu Hause festsaß – Sondergenehmigung hin oder her. Für ihn, der viel Zeit mit Warten verbrachte. Er arbeitet montags bis donnerstags bis 16 Uhr, freitags bis 13.30 Uhr. Bis 17 Uhr kam er aber nicht nach Hause. Oft, sagt er, blieb die Straße bis 17.30 Uhr dicht.

Ständiges Warten keine Option

Permanent zu warten – für Stephen Fleming keine Option. Er brauchte die Flexibilität. Also parkte er sein Auto vor der Baustelle, etwa drei Kilometer entfernt. Die Strecke marschierte er fast täglich. Immerhin, sagt er, hat sich die Fitness verbessert. Ansonsten gewinnt er der Situation nichts Positives ab. Tausende von Euro habe er verloren (wir berichteten). Denn Besucher, die im Mai und Juni Urlaub in seinem Gästehaus Alpine Blue Apartments geplant hatten – nach eigener Aussage war er ausgebucht – stornierten den Aufenthalt. Hätten der gebürtige Engländer und seine Frau Debby nicht jeweils eine Arbeitsstelle – ihn würden Existenzängste plagen. Wirklich wütend aber machen ihn nicht die Arbeiten. Die sind nötig. Dass sich aber niemand – Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer oder andere Offizielle – bei den Griesenern entschuldigt hat für die schlechte Informationspolitik, das empört ihn.

Ottilie Hertl-Wagner regt sich darüber nicht auf. Als Rentnerin könne man das Ganze gelassener betrachten. Wäre da nicht der eine Autofahrer. Katze Lisi trabte gerade über die Straße, als er herankam – und das Tier überrollte. Er fuhr einfach weiter. Jetzt ist Lisi tot. Überfahren in einer Zeit, in der Griesen quasi verkehrsfrei sein sollte.

Tirol will bis September mehrere Landstraßen sperren. Am Samstag hat die Polizei mit ersten Kontrollen begonnen. Nun sollen weitere Fahrverbote in Österreich folgen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nach massiver Verzögerung: Breitbandausbau  in Murnau abgeschlossen
Im Oktober 2017 hätte die Telekom eigentlich den Breitbandausbau in Murnau fertigstellen wollen. Doch es kam zu erheblichen Verzögerungen. Seit Kurzem sind die …
Nach massiver Verzögerung: Breitbandausbau  in Murnau abgeschlossen
2020 sollen die neuen Glocken in der Wamberger Kirche läuten
Planen bedecken noch einige Schätze im Inneren von St. Anna. Die Renovierungsarbeiten in der Wamberger Kirche kommen gut voran. Jetzt liegen auch Angebote für die neuen …
2020 sollen die neuen Glocken in der Wamberger Kirche läuten
Auto versinkt in Plansee - Fahrer (30) rettet sich in letzter Sekunde aus dem Wasser
Schlimme Schrecksekunde für einen Autofahrer in Tirol: Nach einem gefährlichen Fehler eines Bikers versank sein Auto in einem Bergsee. Der Mann konnte sich gerade noch …
Auto versinkt in Plansee - Fahrer (30) rettet sich in letzter Sekunde aus dem Wasser
Kleinflugzeug stürzt im Wettersteingebirge ab - Polizei berichtet von dramatischem Einsatz
Flugzeugunglück im Wettersteingebirge: Ein Kleinflugzeug ist am frühen Donnerstagabend in der Nähe von Leutasch (Tirol) abgestürzt. Tiroler Polizei nennt weitere Details.
Kleinflugzeug stürzt im Wettersteingebirge ab - Polizei berichtet von dramatischem Einsatz

Kommentare