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Vorbildlich verhalten sich diese drei Migranten in der Garmischer Fußgängerzone, die ihr Rad schieben. Ganz im Gegensatz zu einigen anderen, die das Fahrverbot ignorieren. Dieses Bild stammt von gestern Nachmittag.

Gemeinde will durchgreifen

Fußgängerzone Garmisch: Radfahrer sollen zahlen

  • Peter Reinbold
    vonPeter Reinbold
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Das Radfahrverbot in der Garmischer Fußgängerzone spaltet die Bevölkerung. Jetzt sollen die, die sich nicht daran halten, allerdings nicht mehr ungeschoren davon kommen und zur Kasse gebeten werden.

Garmisch-Partenkirchen – „Die halten sich kein bisschen daran“, erregt sich eine Passantin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Ich wurde schon mehr als einmal fast umgefahren“, berichtet sie – und auch viele andere stören sich an den Verkehrsrowdys unter den Zweiradfahrern in der Garmischer Fußgängerzone. Der Hauptausschuss der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen hatte Ende November 2017 beschlossen, dass Fahrradfahrer tagsüber absteigen müssen und dort nur noch in der Zeit von 20 bis 10 Uhr in die Pedale treten dürfen.

Ein Verbot, das viele Radfahrer einfach ignorieren – vor allem Einheimische. „Die älteren Semester sind das Problem“, sagt Wolfgang Berger, der Chef des Ordnungsamts. „Einige Unvernünftige sind richtig aggressiv.“ Das ist das Ergebnis einer Begehung die Berger und einige Mitarbeiter vor ein paar Wochen vornahmen. Vorbildlich verhielten sich Berger zufolge Jugendliche, Migranten und Gäste. Schon vor dem Verbot durften Radfahrer in der Fußgängerzone nur in Schrittgeschwindigkeit unterwegs sein.

Mangelnde Einsicht der älteren Semester

Der mangelnden Einsicht soll jetzt ein Riegel vorgeschoben werden. Der Hauptausschuss des Garmisch-Partenkirchner Gemeinderats hat mit 7:3-Stimmen in einer Vorberatung beschlossen, Radfahrer, die das Verbot ignorieren, zur Kasse zu bitten. Ein Bußgeld droht in Zukunft auch jenen Pedaleuren, die auf Gehwegen und in Einbahnstraßen entgegen der Fahrtrichtung unterwegs sind. Für die Rolle des Kontrolleurs und Geldeintreibers haben die Kommunalpolitiker den Zweckverband Kommunales Dienstleistungszentrum Oberland (KDZ) mit Sitz in Bad Tölz bestimmt, der seit Jahren die Verkehrsüberwachung für den Markt ausübt.

Die Männer und Frauen des KDZ sind befugt, Radfahrer anzuhalten und nach ihren Personalien zu fragen. Kooperieren diese nicht oder versuchen, sich aus dem Staub zu machen, fordern sie die Polizei an. Geahndet wird ein Verstoß nach Auskunft des Allgemeinen deutschen Fahrradclubs (ADFC) mit 20 Euro. Garmisch-Partenkirchen ist nicht die einzige Kommune in Deutschland, die sich gezwungen sieht, Radfahrverbot in der Fußgängerzone per Strafenkatalog durchzusetzen. Ähnlich wird jetzt auch in Bonn, Mühlheim und Leipzig verfahren.

Dr. Thiel (Grüne): „Radler nicht kriminalisieren“

Dr. Stephan Thiel (Bündnis 90/Die Grünen) warnte davor, „die Radfahrer zu krimininalisieren“. Thiel, Vater des Radkonzepts, das in Garmisch-Partenkirchen in den kommenden Jahren umgesetzt werden soll, redete sich im Hauptausschuss einigermaßen in Rage. „Alle gehen jetzt auf die Radfahrer los, das kann ich nicht verstehen.“ Er plädierte wie stets dafür, erst die Ausweichroute über die Zimmermeistergasse zu realisieren und dann das Verbot für die Fußgängerzone durchzusetzen.

Den Lieferverkehr ab 10 Uhr aus Garmischs guter Stube zu verbannen, bleibt ebenfalls ein Problem. Eine Pollerlösung, die die Gemeinderäte im Hauptausschuss gegen Ende des vergangenen Jahres diskutierten, befindet sich noch immer in der Warteschleife. Man hat sie womöglich auf die lange Bank geschoben, weil sie zahlreichen Anliegern und Geschäften, die von Paketdiensten über den gesamten Tag beliefert werden, nicht gefällt. Zudem hat es die Gemeinde bislang versäumt, mit den Betroffenen zu sprechen. Das wird jetzt nachgeholt. Als Termin nannte Ausschussvorsitzender Wolfgang Bauer (CSU) den 11. September. Um 19 Uhr sollen die Anwohner beim einem Treffen im Rathaus gehört werden und ihre Sicht der Dinge darstellen können.

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