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Jetzt wird’s ernst: Polizeikräfte gehen bei Straßenschlachten im Hamburger Schanzenviertel in die Offensive.

Kommunalpolitiker kommen ins Grübeln

G20 Hamburg/G7 Elmau: Zwei Gipfel, zwei Welten

Chaos im Schanzenviertel, Idylle vor oberbayerischer Bergidylle – unterschiedlicher könnten die Bilder nicht sein, die bei den Treffen der Mächtigen aktuell von Hamburg und vor zwei Jahren von Schloss Elmau ausgegangen sind. Nach den Straßenschlachten an der Elbe kommen auch Kommunalpolitiker aus dem Landkreis ins Grübeln.

Landkreis – Es sind regelrechte Straßenschlachten, die sich Sicherheitskräfte und linke Krawallmacher am Wochenende im Schanzenviertel geliefert haben. Wasserwerfer, Pfefferspray, brennende Autos – das Chaos regierte am Rande des G20-Gipfels in Hamburgs Straßen. Diese abstoßenden Bilder haben Thomas Schwarzenberger (CSU) nachdenklich gemacht. „Da hatten wir ein Riesenglück“, meint der Krüner Bürgermeister und zielt damit natürlich auf das vergleichsweise unbeschwerte G7-Treffen im Juni 2015 in Schloss Elmau ab – zwei Gipfel, zwei Welten.

Die Krawalle in Hamburg wecken Erinnerungen an die Gipfeltage 2015

In der Hansestadt wurde offenkundig, welches Gewaltpotenzial in der linksautonomen Szene steckt, vor allem wenn sie ein Heimspiel hat. Das wird auch Landrat Speer (Freie Wähler) bewusst, wenn er die verstörenden Krawallszenen auf sich wirken lässt.

Unwillkürlich muss der Unterammergauer an die heißen Gipfeltage von 2015 denken – genauer gesagt, als sich am Vorabend des Treffens der sieben Staats- und Regierungschefs in Garmisch-Partenkirchen ein spontaner Demonstrationszug formierte. „Lass’ die mal ein paar Autos anzünden, dann bist du ganz schnell weg und an den Pranger gestellt.“ Zumal Speer gegen den Rat der Sicherheitsexperten im Verbund mit der Garmisch-Partenkirchner Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) ein Protestcamp genehmigte, das viele im Vorfeld als Keimzelle des Extremismus gebrandmarkt hatten. Nicht einmal hatte er deswegen „eine schlaflose Nacht“.

Thomas Schwarzenberger: „Einen größeren Kontrast könnt’s nicht geben“

Geblieben sind vom Gipfeltreffen vor zwei Jahren die schönen Bilder – die von Barack Obama und Angela Merkel, die sich in Krün am Rathaus bei strahlendem Sonnenschein mit alkoholfreiem Weißbier zuprosten, umgeben von leutseligen Einheimischen in Dirndl und Lederhose. „Einen größeren Kontrast könnt’s nicht geben“, erinnert sich Obamas damaliger Tischnachbar Schwarzenberger.

Aber natürlich setzten sich zeitgleich auch Protestmärsche in Bewegung – wie der über die Bahnhofstraße Richtung Partenkirchen. Natürlich mischten sich unter die 10 000 G7-Gegner auch Mitglieder des berüchtigten Schwarzen Blocks, die nur darauf warten, endlich zuzuschlagen. Doch dank einer exorbitanten Polizei-Eskorte hatten Krawallbrüder keine Chance. Kein Wunder, meint Schwarzenberger, „die Sicherheitskräfte kannten ja bei uns im Vorfeld jeden Gullydeckel“. Soll heißen: Die geradezu detailversessene Vorarbeit der Staatsmacht hatte Früchte getragen.

Elmau und Hamburg kann man nicht vergleichen - oder doch?

In Hamburg dagegen ist das Polizeikonzept nicht aufgegangen – zumindest was die Randale mit zig Verletzten im Schanzenviertel betrifft. Doch Michael Siefener, Sprecher des bayerischen Innenministeriums, warnt davor, Hamburg und Elmau zu vergleichen. „Das kann man nicht eins zu eins übertragen.“ Zum Treffen 2015 stellt Siefener lediglich fest: „Chaoten hatten keinen Spielraum.“

Und was hält der Mann aus München davon, aufgrund der grausigen Hamburger Ereignisse politische Mega-Veranstaltungen grundsätzlich aus der Stadt aufs Land zu verlegen? Gar nichts! „Das wäre eine Bankrotterklärung“, unterstreicht der Ministeriumssprecher. „Es kann nicht sein, dass es aus Angst vor Chaoten No-Go-Areas gibt, das würde ihnen voll in die Karten spielen.“

In Hamburg wird jetzt aufgeräumt - auch im Landkreis zog man nach G7 eine Bilanz

In Hamburg wird jetzt erst mal aufgeräumt und der Schuldige gesucht. Im Landkreis nach dem G7-Gipfel zog man ebenfalls Bilanz: 30 Millionen Euro an Staatszuschüssen wurden in die Region für Infrastrukturmaßnahmen gepumpt. Die Sachschäden, die man seinerzeit dem Landratsamt gemeldet hatte, beliefen sich auf rund 11 000 Euro. Einziges Opfer von G7 war ein Jungrind, das beim Grasen in Gerold vom Hubschrauberlärm aufgeschreckt wurde, ausbüchste und sich dabei die Knochen brach. In Hamburg zählte man allein über 400 verletzte Polizisten – zwei Gipfel, zwei Welten.

Christof Schnürer

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