Aufklärung wird großgeschrieben: Kommunikationsteams der Polizei und des Ordnungsamtes informieren Geschäftsleute und Bürger über den bevorstehenden G7-Gipfel.
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Aufklärung wird großgeschrieben: Kommunikationsteams der Polizei und des Ordnungsamtes informieren Geschäftsleute und Bürger über den bevorstehenden G7-Gipfel.

Vertrauen in Ordnungskräfte

G7-Großdemo in Garmisch-Partenkirchen als enormer Stresstest für die „gute Stube“: So reagieren die Anwohner

  • Andreas Seiler
    VonAndreas Seiler
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Für Sonntag ist eine Großdemo der G7-Gegner mitten durch Garmisch geplant. Die betroffenen Geschäftsleute bleiben gelassen – und vertrauen auf die enorme Polizeipräsenz.

Garmisch-Partenkirchen – Ausnahmezustand in Garmisch-Partenkirchen: Die Tourismusgemeinde hat sich in eine einzige Hochsicherheitszone verwandelt – mit Polizisten und Abriegelungen an allen Ecken und Enden. Bis zu 18 000 Beamte sollen insgesamt in der Spitze im Einsatz sein, um das Treffen der Staats- und Regierungschefs der sieben mächtigsten Industrienationen der westlichen Welt auf Schloss Elmau (26. bis 28. Juni) störungsfrei über die Bühne zu bringen – ein gewaltiger Kraftakt, der dem Steuerzahler rund 166 Millionen Euro kosten wird.

Der erste große Stresstest für den Kreisort steht am kommenden Sonntag an. Dann nämlich wollen die Mitstreiter des Aktionsbündnisses „Stop G7 Elmau“ ihrem Unmut gegen den G7-Gipfel 2022 in Elmau Luft machen – in Form einer Großdemo. Die Behörden rechnen mit 2000 bis 3000 Teilnehmern – eine Menge Menschen, die von 13 bis 19 Uhr öffentlichkeitswirksam und lautstark mit Megafonen, Trommeln, Transparenten und Fahnen durch den Markt ziehen.

G7-Gipfel 2022 in Elmau: Großdemo durch Garmischer Fußgängerzone geplant

Interessant ist die Route, die die G7-Gegner nehmen werden. Das Landratsamt gibt sich zugeknöpft: Der genaue Streckenverlauf stehe noch nicht endgültig fest, erklärt Sprecher Stephan Scharf. Und auch die Genehmigung der Gegenveranstaltung – in der Amtssprache Bescheid genannt – sei noch nicht rausgegangen.

Nach Tagblatt-Informationen ist ein Rundkurs geplant, der am Bahnhofsvorplatz startet und dann vorwiegend durch den Ortsteil Garmisch verläuft. Pikant dabei: Der Tross soll sich auch durch die Fußgängerzone, die „gute Stube“ des Marktes, bewegen. Die G7-Gegner haben dazu auf ihrer Homepage bereits einen konkreten Routenplan veröffentlicht.

G7 2022: Bleibt alles friedlich – oder mischen sich wieder Krawallmacher unter die Demonstranten?

Zur Erinnerung: 2015, als die Mächtigen dieser Welt schon einmal zum Tete-a-Tete in dem abgeschiedenen Luxushotel im Isartal zusammenkamen, nahmen die Kritiker in Garmisch-Partenkirchen eine ganz andere Strecke, um ihrem Ärger Luft zu machen. Diese zog sich vor allem durch den Ortsteil Partenkirchen und über die Bundesstraße 2. Doch die große Durchfahrtsstraße soll diesmal tabu sein – um als Rettungsweg uneingeschränkt zur Verfügung zu stehen. Außerdem müsse man, wie zu hören ist, den Demonstranten eine angemessene Plattform bieten.

Die entscheidende Frage lautet: Bleibt das Ganze friedlich? Oder nutzen möglicherweise Krawallmacher die Steilvorlage? Wie schnell sich Gewalt entlädt, zeigt der aktuelle Vorfall aus München. Acht Polizeiautos wurden dort am Mittwochmorgen in Brand gesteckt – vor einem Hotel, in dem Einsatzkräfte für den G7-Gipfel untergebracht sind. Die Ermittler gehen von Brandstiftung aus.

Aufklärungskampagne der Polizei zur G7-Großdemo in der Fußgängerzone soll Sorgen nehmen

Die Geschäftsleute in Garmisch-Partenkirchen, die ihre Läden an der Fußgängerzone oder in der unmittelbaren Umgebung haben, geben sich dennoch gelassen – und sehen dem Sonntag entspannt entgegen. Dies ergab eine Telefon-Umfrage des Tagblatts, die jedoch keinen Anspruch erhebt, repräsentativ zu sein.

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Tenor: Die Polizei wird es schon richten und für die nötige Sicherheit sorgen. Die massiven Ängste, die noch vor sieben Jahren herrschten, scheinen wie verflogen. Dies mag auch an der intensiven Aufklärungskampagne der Polizei liegen. Kommunikationsteams ziehen derzeit von Haus zu Haus, um über das G7-Konzept aufzuklären und Sorgen zu nehmen.

Unschöne Folgen des G7-Gipfels: Kaum Urlauber im Werdenfelser Land – „da kommt kein Mensch“

„Es ist sicherlich genügend Polizei da. Ich habe überhaupt keine Bedenken“, sagt Michaela Nelhiebel, Vorsitzende der 120 Mitglieder starken Werbegemeinschaft Garmischer Zentrum. Außerdem habe die Bayerische Staatsregierung die Zusage gemacht, für alle gipfelbedingten Schäden aufzukommen. Dazu wurde eine Versicherung abgeschlossen. Doch trotz der zuversichtlichen Stimmung, dass alles ohne Ausschreitungen abläuft, bekommen viele Ladenbetreiber schon jetzt einen unschönen G7-Effekt zu spüren: In der heißen Phase sind kaum Urlauber zu Gast im Werdenfelser Land – und folglich auch weniger potenzielle Kunden.

„Da kommt kein Mensch zum Einkaufen“, bedauert Nelhiebel. Die Folge: empfindliche Umsatzeinbußen. Schon 2015 habe man spürbare Ausfälle verkraften müssen, berichtet sie. Es verwundert nicht, dass am langen G7-Wochenende so manch ein Geschäft geschlossen bleibt oder nur mit Notbesetzung läuft.

G7-Sicherheitsmaßnahmen in Garmisch: „Das ist nichts, wo man sich wohlfühlt“

Eine gewisse Nervosität sei schon vorhanden, räumt Franz Grasegger, Geschäftsführer des gleichnamigen Trachten- und Modehauses, ein. Aber auch er sagt: „Ich vertraue auf die Ordnungskraft.“ Wie 2015 einen privaten Sicherheitsdienst engagieren, werde er diesmal nicht. Was dem Unternehmer aber überhaupt nicht gefällt, ist das Gesamtbild, das die Top-Destination Garmisch-Partenkirchen seit Wochen abgibt – mit den Einschränkungen, Sperrungen, Zäunen und Gittern. „Das ist nichts, wo man sich wohlfühlt“, ärgert sich Grasegger. Und mit Nachhaltigkeit habe der gewaltige G7-Aufwand auch nichts zu tun. Seiner Meinung nach wäre es viel sinnvoller, für dieses oder ähnliche Format(e) einen feste Landsitz irgendwo in Deutschland zu nutzen.

Seine Befürchtungen verloren hat indessen Peter Kleinsorgen. Beim letzten Mal hatte er seinen Souvenirshop noch mit Holzbrettern verbarrikadiert, um etwa Steinewerfern keine Zielscheibe zu bieten. Diesen Aufwand will er sich jetzt sparen, kündigt Kleinsorgen an und verweist ebenfalls auf die Hundertschaften an Gesetzeshütern. „Ich habe das Gefühl, im restlichen Deutschland gibt es keine Polizei mehr“, merkt er süffisant an.

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